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Biathlon-WM
„Frontfrau“ Herrmann greift voll an

 Vor einem Jahr bei der Biathlon-WM in Östersund war Denise Herrmann die „Strahlefrau“ schlechthin nach ihrem Titelgewinn in der Verfolgung.
Vor einem Jahr bei der Biathlon-WM in Östersund war Denise Herrmann die „Strahlefrau“ schlechthin nach ihrem Titelgewinn in der Verfolgung. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Antholz. Bei der Biathlon-WM in Antholz ist Denise Herrmann die deutsche Hoffnungsträgerin. Gleich zum Auftakt will sie eine Medaille holen. sid

Viel Zeit zum Abschalten blieb Denise Herrmann nicht – deshalb musste sie das volle Entspannungs-Programm auffahren. „Da gibt es dann auch mal einen Tag, an dem ich mich gar nicht wirklich bewege – nur Bett, Couch und ein bisschen essen. Das kann ich auch ganz gut“, sagt die Biathletin gut gelaunt. Lange konnte sie den Müßiggang vor dem Saisonhöhepunkt nicht genießen, schließlich will Herrmann bei der an diesem Donnerstag startenden WM in Antholz voll angreifen.

„Klar, ich will schon um Medaillen mitkämpfen“, sagt die 31-Jährige, und diesem Ziel ordnet sie alles unter. Nur vier freie Tage gönnte sich Herrmann mit ihrem Freund, dem Langläufer Thomas Wick, zu Hause in Ruhpolding. Ansonsten war der Fokus voll auf das Highlight in Südtirol ausgerichtet. Nach der WM-Generalprobe in Pokljuka ging es zum Höhentraining auf die Seiser Alm, den letzten Schliff holte sie sich zusammen mit dem deutschen Team in Ridnaun. An diesem Donnerstag (14.45 Uhr/ZDF) will sie an der Seite von Franziska Preuß, Arnd Peiffer und Benedikt Doll in der Mixed-Staffel gleich ihre erste Chance auf Edelmetall nutzen.

Bei ihrer ersten Biathlon-WM im Vorjahr hatte die ehemalige Langläuferin auf ganzer Linie überzeugt, in Östersund krönte sie sich zur Weltmeisterin in der Verfolgung, gewann zudem Silber mit der Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart. Damit stellte sie sogar Biathlon-Königin Laura Dahlmeier in den Schatten. Nun sind die Voraussetzungen aber ganz andere: Dahlmeier ist zurückgetreten, die volle Aufmerksamkeit im deutschen Frauen-Team gilt Herrmann.



„Denise steht vorn dran, das ist richtig“, sagt Bundestrainer Mark Kirchner über seine „Frontfrau“: „Aber auch sie agiert im Team.“ Auch Herrmann selbst sieht sich nicht als Alleinunterhalterin. „Es steht nicht im Vordergrund, wer der Teamleader ist“, erklärt sie: „Wir wollen um die Medaillen kämpfen und den anderen das Leben so schwer wie möglich machen. Alles andere, was drumherum gesponnen wird, ist nebensächlich.“

Doch die bisherige Saison hat bewiesen: Derzeit besitzt nur Herrmann eine reelle Chance auf Medaillen. In Pokljuka gewann sie beeindruckend das Einzel, traf erstmals in ihrer Karriere alle 20 Scheiben. Kollegin Franziska Preuß kämpfte hingegen zuletzt wieder einmal mit gesundheitlichen Problemen, Vanessa Hinz ist läuferisch von der Spitze zu weit entfernt – und die ebenfalls nominierten Janina Hettich und Karolin Horchler erfüllten nicht einmal die WM-Norm. Also werden alle Blicke auf Herrmann gerichtet sein.

„Es ist natürlich schon mein Anspruch, vorne mitzulaufen“, sagt die Sächsin, die sich mit ihrer Rolle als Dahlmeier-Nachfolgerin aber nicht überfordert sieht: „Ein bisschen Druck ist ja auch gut.“ Die Strecke in der Antholzer Höhe auf rund 1600 Meter liege ihr zwar „ziemlich gut“, ein Medaillenziel will Herrmann aber nicht ausgeben. „Im letzten Jahr war es schon eine sehr gute WM für mich. Wenn man das mal erreicht hat, ist es natürlich immer Ansporn, das wieder zu erreichen“, sagt sie, betont aber: „Wenn ich bei der WM ganz vorne mitmischen will, muss ich noch mal eine Schippe drauflegen können.“ Genug getan hat sie dafür allemal.