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DFB-Präsident Fritz Keller
Generalinventur statt Wohnmobil

Frankfurt. Fritz Keller wird einstimmig zum neuen DFB-Präsidenten gewählt und will mehr als nur ein Frühstücksdirektor sein. dpa

Der neue DFB-Boss Fritz Keller hatte gerade erst eine schonungslose Generalinventur angekündigt, da legte Oliver Bierhoff mit mahnenden Worten einen Masterplan für die Rückkehr des deutschen Fußballs in die Weltspitze vor. Nach Jahren der Krisen und Skandale wollen die starken Männer des Deutschen Fußball-Bundes eine neue Ära einläuten.

Mit einem Blumenstrauß in der Hand stand Keller nach seiner Wahl auf dem Podium und suchte seinen Sitzplatz. „Wo muss ich denn hin?“, fragte der neue DFB-Präsident und erntete freundliche Lacher aus dem Plenum. Gar nicht orientierungslos hatte sich der 62-Jährige in seiner Rede vor den 257 Delegierten des DFB-Bundestages gezeigt, die ihn am Freitag in Frankfurt einstimmig zum 13. Präsidenten des kriselnden Verbandes kürten. Als Sofortmaßnahme kündigte Keller eine externe Überprüfung aller DFB-Bereiche an. „So können wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen“, sagte Keller.

Für den nach der WM-Pleite ersehnten sportlichen Aufschwung zeichnet DFB-Direktor Bierhoff verantwortlich, der als Geschäftsführer der ausgelagerten DFB GmbH einen weiteren Karriereschritt macht. In einer energischen Grundsatzrede stellte Bierhoff seinen Plan für eine dauerhafte Rückkehr der Nationalmannschaft in die Weltspitze vor. „Der deutsche Fußball ist immer noch konkurrenzfähig, jedoch sind klare warnende Tendenzen nicht erst seit dem Ausscheiden in der Vorrunde bei der WM 2018 von uns erkannt worden“, sagte er.



„Für die Ausbildung müssen wir alles tun. Das ist die Zukunft, auf die der deutsche Fußball in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zählen muss“, begrüßte Bundestrainer Joachim Löw die Bierhoff-Initiative. Unter dem Titel „Projekt Zukunft – Für die Weltmeister von Morgen“, will Bierhoff die Grundlagen für einen Aufschwung legen: „Wir brauchen den nächsten großen beherzten Schritt im deutschen Fußball.“

An der Spitze des Verbandes steht nun Keller. Er wird Nachfolger von Reinhard Grindel, der im April nach mehreren Ungereimtheiten zurückgetreten war. Seine Funktion als Club-Chef des Bundesligisten SC Freiburg gibt Keller für den neuen Posten auf. „Der DFB muss ein seriöser Anwalt, Dienstleister und Lobbyist sein“, sagte er. „Wir sind eine Integrationsmaschine, das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft“, betonte der mehrfach prämierte Winzer. Souverän und entspannt präsentierte sich Keller den Delegierten, parlierte in seiner Rede dabei unter anderem in fließendem Französisch. Sein Lebensplan sei ein anderer gewesen, nun habe er aber das im Vorjahr angeschaffte Wohnmobil wieder verkauft.

Seine neue Aufgabe stellte er unter dem Motto „Nur gemeinsam geht‘s“ in einem Fußballbildnis vor. „Ich würde gerne als Spielertrainer beginnen, mich dann als Zehner einwechseln und als Trainer dabei bleiben“, sagte Keller, der noch nicht Aufsichtsratschef der GmbH, aber dafür stimmberechtigtes Mitglied des Präsidialausschusses wird. Statisch an der Mittellinie im klassischen DFB-Konfliktfeld zwischen Amateur- und Profivertretern wolle er nicht stehen. „Bewegen muss ich mich schon“, sagte er. „Ich werde reingrätschen, wenn es was zum Reingrätschen gibt.“ Die Verantwortung für sieben Millionen Mitglieder mache ihn „schwindlig“, gestand Keller und kündigte mehrere Initiativen in den Feldern Gleichberechtigung, Umweltschutz und Integration an.

Keller wird durch die DFB-Strukturreform im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine Richtlinienkompetenzen für die Verbandspolitik mehr haben. Der mit zehn Gegenstimmen wiedergewählte Vizechef Rainer Koch bezeichnete ihn dennoch als starken Präsidenten. „Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er lebt die Werte des Fußballs.“

Koch und sein aus dem DFB-Präsidium nach zwölf Jahren ausscheidender Interimsführungskollege Reinhard Rauball, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde, konstatierten einen erheblichen Vertrauensverlust für den DFB durch die Wirren und Skandale der vergangenen Jahre. „Verlorenes Vertrauen muss zurückgewonnen werden, auch wenn der Weg ein mühsamer sein wird“, sagte Rauball. Zum Nachfolger Rauballs als 1. DFB-Vizepräsident aus dem DFL-Lager wurde der Schalker Peter Peters gekürt.

Auch vier Jahre nach Aufdeckung der Sommermärchen-Affäre wird der DFB weiter von den Folgen des Skandals belastet. Schatzmeister Stephan Osnabrügge berichtete von Steuerrückzahlungen von 22,579 Millionen Euro im Jahr 2017 aufgrund der Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das WM-Jahr 2006. Zudem seien mehr als sieben Millionen Euro für Rechtsberatungskosten angefallen.