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Freund verspürt keinen Druck

Engelberg. Severin Freund will an diesem Wochenende Schwung holen für die Vierschanzentournee. In Engelberg gehört der Skiflugweltmeister zu den Favoriten, und auch für die Tournee ist der 26-Jährige ein heißer Kandidat. Sid-Mitarbeiterthomas Wolfer

An die Vierschanzentournee will Severin Freund noch nicht zu viele Gedanken verschwenden. "Aktuell verspüre ich keinen Druck, daher gehe ich locker und unbeschwert an dieses Wochenende heran", sagt Deutschlands bester Skispringer vor der Generalprobe für das erste Saison-Highlight in Engelberg in der Schweiz. Nach seinem zehnten Weltcupsieg am vergangenen Wochenende im russischen Nischni Tagil will der 26-Jährige bei den letzten Springen vor der Tournee trotzdem weiter Selbstvertrauen tanken.

Bereits jetzt gehört Freund zu den großen Favoriten für die Tournee, die am 27. Dezember mit der Qualifikation in Oberstdorf beginnt. Seit Sven Hannawald vor zwölf Jahren hat kein deutscher Skispringer auch nur einen Tagessieg geholt, seit Hannawald vor 13 Jahren keiner den Gesamtsieg. Dank Freund scheint die Chance groß wie nie, dass sich beides ändert. Bislang ist ein siebter Platz in der Gesamtwertung sein bestes Tournee-Resultat.

Freund, derzeit die klare Nummer eins unter den deutschen Adlern, genießt momentan das Springerleben mit jeder Faser seines sehnigen Körpers. Der ganz große Druck ist weg, seit der Niederbayer 2014 mit Olympia-Gold im Team und Einzel-Gold bei der Skiflug-WM gezeigt hat, dass er durchaus ein Mann für große Titel ist.

Der erste Saisonsieg, für ihn vor wenigen Tagen in Russland ungewohnt spät erreicht, soll nun das letzte Quäntchen Selbstvertrauen im Hinblick auf die Tournee bringen, zumal es der ersehnte zehnte Weltcup-Erfolg war. Eine Marke, die vor ihm nur vier deutsche Skispringer (Jens Weißflog , Martin Schmitt , Sven Hannawald , Dieter Thoma ) erreicht haben.

"Endlich zweistellig, das ist schon ganz speziell. Es läuft anders als in den Jahren zuvor, als ich relativ schnell den ersten Sieg eingefahren habe", sagte Freund: "Diesmal bin nicht so gut in die Saison gestartet, aber ich werde besser und besser."

Dies hat auch Bundestrainer Werner Schuster so registriert. "Severin zeigt derzeit eine sehr hohe Qualität, ist auf einem sehr guten Weg", sagt der Österreicher: "Aber er springt noch nicht optimal." Schuster rechnet in Engelberg fest mit einer Steigerung, vor allem aber bei der Tournee: "Von ihm ist einiges zu erwarten."

Und die Konkurrenz? Olympiasieger Kamil Stoch ist verletzungsbedingt noch gar nicht gesprungen, Gregor Schlierenzauer , Simon Ammann und Peter Prevc sind ähnlich stark wie Freund, aber weniger stabil. Tournee-Titelverteidiger Thomas Diethart ist völlig außer Form. Es spricht derzeit also vieles für eine große Vierschanzentournee aus deutscher Sicht - im 13. Jahr nach Hannawald.