| 22:30 Uhr

Frauenfußball-EM
Hoffen auf das Ende der Tor-Krise

Ein bisschen mehr Torjubel wäre gut: Denn der Druck auf Steffi Jones (Mitte) wächst. Die Leistungen der Frauen-Nationalmannschaft bei der EM waren bisher wenig überzeugend. Ein Viertelfinal-Aus wäre eine Katastrophe.
Ein bisschen mehr Torjubel wäre gut: Denn der Druck auf Steffi Jones (Mitte) wächst. Die Leistungen der Frauen-Nationalmannschaft bei der EM waren bisher wenig überzeugend. Ein Viertelfinal-Aus wäre eine Katastrophe. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Rotterdam. Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft trifft an diesem Samstag bei der Fußball-EM im Viertelfinale auf Dänemark.

Mit den Knipser-Qualitäten aus alten Tagen wollen die deutschen Fußball-Frauen ihrem neunten EM-Titel einen entscheidenden Schritt näher kommen. Vor dem Viertelfinale gegen Dänemark an diesem Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Rotterdam beschwor Bundestrainerin Steffi Jones eindringlich ein Ende der Tor-Krise – noch immer hat der Turnierfavorit in den Niederlanden kein einziges Mal aus dem Spiel heraus getroffen. „Die Spielerinnen können es, sie zeigen es jedes Mal im Training, sie müssen einfach an sich glauben. Das ist die Botschaft, die ich ihnen mitgebe“, kommentierte Jones.

Vier Tore, drei davon durch Strafstöße, ein Treffer nach einem Frei­stoß mit anschließendem Torwartfehler – so dürftig klingt die bisherige Offensivbilanz der deutschen Mannschaft, die sich dennoch als Gruppensieger für die Runde der letzten Acht qualifiziert hat. „Sie laufen, sie tun alles – das Ding ging halt bisher aus dem Spielverlauf nicht rein“, sagte Jones. Setzt sich diese Serie fort, könnte es gegen die Däninnen unangenehm werden. Der Weltranglisten-15. ist nicht derart ausrechenbar wie die bestenfalls zweitklassigen jüngsten deutschen Gruppengegner Russland (2:0) und Italien (2:1).

„Wir müssen noch bessere Lösungen finden. Aggressivität und Geschwindigkeit sind gefragt“, forderte Jones, die auch auf ein Erstarken von Spielmacherin Dzsenifer Marozsan hofft. „Der hohe Anspruch, den sie an sich selbst hat, führt zu Fehlpässen, weil sie etwas Besonderes machen möchte“, kommentierte die Trainerin die zuletzt doch etwas mäßigen Vorstellungen der Champions-League-Siegerin.



Innenverteidigerin Babett Peter, trotz ihrer vornehmlich defensiven Rolle mit zwei Elfmeter-Treffern kurioserweise zurzeit beste deutsche EM-Torschützin, verspricht Vollgas: „Wir werden es weiter versuchen im Viertelfinale – irgendwann wird es klappen.“ Sollte es auch, damit der zehnte EM-Halbfinaleinzug nacheinander Wirklichkeit wird. Die Däninnen schon bewiesen, dass sie dem deutschen Team wehtun können, auch wenn es lange in der Vergangenheit liegt: 1993 fügten sie den DFB-Frauen mit einem 3:1 im Spiel um Platz drei die bislang letzte Niederlage in einer K.o.-Partie bei einer EM zu. Wettbewerbsübergreifend liegt das letzte Aufeinandertreffen viereinhalb Jahre zurück, beim Algarve-Cup gab es damals ein 0:0.

Viel wird darauf ankommen, inwiefern das deutsche Team Dänemarks Schlüsselspielerin Pernille Harder ausschalten kann. Die 24-Jährige vom VfL Wolfsburg hat Weltklasseformat und dürfte auch die deutsche Abwehr in Verlegenheit bringen. Ihre Wolfsburger Teamkolleginnen Babett Peter und Lena Goeßling – mutmaßlich die beiden Innenverteidiger im Viertelfinale – werden versuchen, sich zu widersetzen. In puncto Aufstellung hielt sich Jones allerdings bedeckt. Auch auf Nachfrage wollte sie – anders als vor mehreren Gruppenspielen – keine Einsatzgarantien aussprechen.

Ex-Bundestrainerin Silvia Neid, bei der EM als Beobachterin und Spiele-Analystin für die DFB-Scoutingabteilung unterwegs, glaubt fest an ein deutsches Weiterkommen. Die Däninnen seien trotz Einzelkönnerinnen wie Harder „physisch zu schwach“, befand Neid, die nach dem Olympiasieg 2016 in Rio als DFB-Trainerin abgetreten war. Ex-Nationalspielerin Inka Grings, Torschützenkönigin der EM-Turniere 2005 und 2009, urteilte gar: „Dänemark ist ein dankbarer Gegner.“