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Skispringen
"Flugsaurier" Kasai geht in die 30. Saison

46 Jahre alt und ehrgeizig wie eh und je: Noriaki Kasai aus Japan geht in seine inzwischen 30. Weltcup-Saison.
46 Jahre alt und ehrgeizig wie eh und je: Noriaki Kasai aus Japan geht in seine inzwischen 30. Weltcup-Saison. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Köln/Sapporo. Skisprung-Oldie Noriaki Kasai geht in seine 30. Weltcup-Saison. Für den 46-Jährigen könnte es der härteste Winter seit langem werden.

330 Quadratmeter, eigene Sauna, aber nur ein Pokal: Seit wenigen Wochen wohnt Noriaki Kasai mit Ehefrau Reina Harima und Töchterchen Rino (2) in seiner Traumwohnung, an seine 30 Jahre im Skisprung-Zirkus erinnert dort aber nur die kleine Trophäe der Skiflug-WM in Harrachov 1992. „Mich interessieren eben nur Siege“, sagt Kasai, der auch mit 46 Jahren noch gnadenlos ehrgeizig ist – und doch vor dem wohl härtesten Winter seit langem steht.

Kasai ist natürlich dabei, wenn am Wochenende im polnischen Wisla die neue Saison startet. Das alleine ist schon bemerkenswert. „Das wird meine 30. Saison, das ist etwas ganz Besonderes“, sagt der „Flugsaurier“, der einfach nicht aufhören will: „Man könnte sagen: Ich bin 30 Jahre lang durch die Heisei-Ära geflogen.“

Jene Heisei-Ära begann in Japan am 8. Januar 1989 mit der Thronbesteigung durch Kaiser Akihito. Nur drei Wochen zuvor hatte Kasai sein Debüt im Weltcup gegeben. Akihito ist inzwischen 84 Jahre alt, im April 2019 wird er abdanken. Und irgendwie scheint es, als ob auch das Kasai-Zeitalter sich langsam, aber sicher dem Ende nähert.



Im eigenen Team ist Kasai längst nicht mehr die Nummer eins, die Brüder Junshiro und Ryoyu Kobayashi haben ihn im vergangenen Winter überholt. Was aber viel mehr Sorgen macht: In diesem Sommer nahm der „ewige Nori“ nur an nationalen Wettkämpfen teil – sein bestes Ergebnis war ein 15. Platz. Bei den japanischen Meisterschaften Ende Oktober landete er auf der Großschanze auf Platz 18, auf der Normalschanze sogar nur auf dem 26. Rang.

„Ich kämpfe mit der Anlaufgeschwindigkeit. Wenn ich das hinbekomme, sollte ich wieder vorne dabei sein“, sagt Kasai. Es klingt ein wenig nach Durchhalteparole. Zuletzt probierte er mehrere Schuhe aus, am Ende landete er wieder bei den alten. Im September platzte auch noch sein Traum von Olympia 2026 in seiner Heimat Sapporo. An ein Karriereende denkt er dennoch nicht. „Es sind keine vier Jahre mehr bis zu Olympia in Peking“, sagt Kasai.

Es wären seine neunten Winterspiele, schon jetzt ist er alleiniger Rekordhalter. Auch seine 543 Starts bei Einzel-Weltcups werden in Zukunft kaum zu übertreffen sein. Aber Kasai wäre nicht Kasai, wenn er nicht in größeren Dimensionen denken würde: „Mein Kopf, mein Herz und meine Gedanken drehen sich seit 46 Jahren um Goldmedaillen. Und daran hat sich nichts geändert.“

Wer Gründe für diesen Ehrgeiz sucht, landet schnell in der Kindheit. „Als kleiner Jungs war ich sehr arm, ich hatte weder Taschengeld noch Spielzeug“, verriet Kasai unlängst dem Internetportal bunshun.jp: „Aber ich hatte Geduld, das habe ich von meiner Mutter gelernt. Sie war eine starke Persönlichkeit.“

Diesen Ehrgeiz wird Kasai wohl auch in den kommenden Wochen benötigen. Anders als in den vergangenen Jahren reist er erst zum Saisonbeginn nach Europa, Wisla wird direkt zum Härtetest. Der Trophäenschrank in seiner Wohnung, so ist zu befürchten, dürfte so schnell keinen Zuwachs bekommen.

2001 gewann Kasai das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Patenkirchen.
2001 gewann Kasai das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Patenkirchen. FOTO: dpa / Peter Kneffel
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