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Uefa will durchgreifen
Deutliche Drohung an die Scheich-Clubs

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kämpft um die Glaubwürdigkeit beim Financial Fair Play.
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin kämpft um die Glaubwürdigkeit beim Financial Fair Play. FOTO: dpa / Laurent Gillieron
Nyon. Die Uefa will bei Verstößen gegen das Financial Fair Play nachträgliche Verfahren eröffnen. sid

Die Drohung der Uefa war unmissverständlich, der Adressat sofort entziffert – auch ohne explizite Kennzeichnung. Wenn neue Erkenntnisse darauf hindeuten, dass bei bereits abgeschlossenen Fällen gegen das Financial Fair Play (FFP) verstoßen wurde, „dann können diese wieder geöffnet werden“, teilte die Europäische Fußball-Union mit. Fraglich bleibt, ob die Warnung die in Verruf geratenen „Scheich-Clubs“ Manchester City und Paris St. Germain wirklich beeindruckt.

Zumindest der Wunsch, dass die Drohgebärde ernst genommen wird, ist der Uefa allerdings anzumerken. Deshalb gilt sie auch für die FFP-Checks in den derzeit laufenden Prüfungszyklen. „Wenn neue Informationen bekannt werden, die für diese Bewertung von Bedeutung sein könnten“, heißt es in einer Pressemitteilung, „wird die Uefa diese nutzen, um die Zahlen in Frage zu stellen und den betreffenden Verein um Erklärung, Klarstellung oder Widerlegung bitten.“

Die Uefa wies in ihrem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass die Warnung „universell für alle Vereine“ gelte, „die eine Uefa-Lizenz beantragen und an europäischen Vereinswettbewerben teilnehmen“. Sie erschien aber in einer Zeit, in der vor allem die beiden Scheich-Clubs aus England und Frankreich mal wieder am Pranger stehen. Die Botschaft ist demnach klar.



Die Enthüllungsplattform Football Leaks hatte Anfang November darüber berichtet, dass Scheich Mansour, der steinreiche Eigentümer der Citizens, über Jahre verschleierte Zahlungen an seinen Club geleistet und damit gegen die Richtlinien des FFP verstoßen habe. PSG soll bei diversen Prüfungen unrealistisch hohe Sponsorenverträge vorgelegt haben, um damit seine exorbitanten Transferausgaben wie für Superstar Neymar (2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona nach Paris) zu legitimieren.

Eine erste Untersuchung der Pariser Bücher im Zusammenhang mit der Finanzierung war von der Uefa im vergangenen Sommer zunächst ergebnislos eingestellt worden. Kurze Zeit später jedoch leitete der Europa-Verband eine abermalige Prüfung der Geldflüsse zwischen Frankreichs Meister und den Club-Besitzern aus Katar ein.

Die 2011 installierten Regularien sollen Vereine dazu zwingen, finanziell solide zu handeln und weniger Defizite zu erwirtschaften. Die Unterstützung von Sponsoren sollen zudem marktüblich sein, insgesamt darf nicht unbegrenzt mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden. Nach Ansicht der Uefa hat das FFP seit der Einführung auch schon einiges bewirkt.

So ist der Dachverband mit Sitz in Nyon stolz darauf, dass sich das fette Minus der europäischen Vereine von insgesamt 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 mittlerweile in ein Plus von 600 Millionen Euro verwandelt hat. „Das ist eine bemerkenswerte Verbesserung. Dank finanziellem Fair Play ist der europäische Fußball gesünder denn je“, sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin: „Dies zeigt eindeutig, dass das finanzielle Fair Play funktioniert.“

Ob es allerdings auch tatsächlich für mehr Fairness im europäischen Spitzenfußball sorgt, ist nicht zuletzt wegen der Football-Leaks-Enthüllungen äußerst fraglich. Zu offensichtlich konnten Clubs wie PSG und City die Regelungen bislang umgehen. Vor allem der frühere Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, mittlerweile Präsident beim Weltverband Fifa, geriet dadurch in Bedrängnis. Der Schweizer soll 2014 noch als Uefa-General an den zuständigen Gremien seines Verbandes vorbei milde Strafen für die FFP-Verstöße von Manchester und Paris durchgesetzt haben. Er bestreitet allerdings ein Fehlverhalten. Sollte die Uefa tatsächlich alte Fälle neu aufrollen, könnte auch Infantino in Erklärungsnot geraten.