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Fußball-Weltverband
„Feiertag“ für den Fifa-Präsidenten

Paris. Gianni Infantino wird wiedergewählt und bleibt bis mindestens 2023 im Amt. sid

Gianni Infantino genoss den Applaus in der großen Messehalle auf dem Pariser Expo-Gelände und freute sich auf die Gratulanten, zu denen auch die Interims-Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gehörte. Der 49 Jahre alte Fifa-Präsident wurde am Mittwoch per Akklamation im Amt bestätigt und wird bis mindestens 2023 den Weltverband anführen.

„Heute ist ein glücklicher Tag“, sagte Infantino, der seit Februar 2016 im Amt ist: „In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt.“ Inzwischen spreche „niemand mehr über Skandale oder Korruption“.

Der DFB hatte schon am Dienstag verkündet, für Infantino zu stimmen. Das hat politische Gründe. „Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist“, hatte Reinhard Rauball, wie Rainer Koch derzeit Übergangs-Präsident des Verbandes, gesagt. Wegen des Rücktritts des früheren DFB-Chefs Reinhard Grindel nach dessen „Uhren-Affäre“ sitzt mindestens neun Monate lang kein deutscher Funktionär im Fifa-Council. Die wichtigen Entscheidungen werden ohne den DFB getroffen, was Rauball als „unschön“ bezeichnete. Hätte der DFB versucht, in Paris die Revolution gegen Infantino anzuzetteln, wäre das den Chancen auf die Rückkehr in die Fifa wenig dienlich gewesen.



„Wir wollen, dass die deutsche Stimme gehört wird. Das geht nur, wenn man miteinander und nicht übereinander spricht“, hatte Koch, gesagt, der mit Rauball und Generalsekretär Friedrich Curtius Infantinos Wahl beiwohnte. Dieser gestand am Mittwoch offen „Fehler“ ein, ohne allerdings konkret zu werden. „Das Wichtigste ist doch, dass man aus Fehlern lernt und versucht, es das nächste Mal besser zu machen“, sagte Infantino, der vor seinem Aufstieg an die Fifa-Spitze von 2009 bis 2016 als Uefa-Generalsekretär gearbeitet hatte.

Der gelernte Rechtsanwalt, dessen Führungsstil Fragen aufwirft, hat den Weltverband finanziell stabilisiert, was ihm die Unterstützung der vielen kleinen unter den 211 Fifa-Nationen sichert. Der Verband ist reich wie nie zuvor. Die Fifa hat im zurückliegenden Finanzzyklus von 2015 bis 2018 eine Rekordeinnahme in Höhe von 5,7 Milliarden Euro erzielt. Das Vermögen der Fifa beläuft sich auf 3,9 Milliarden Euro. Die Reserven stehen bei 2,44 Milliarden.

Sportlich hatte Infantino für die Aufstockung des WM-Turniers von 32 auf 48 Mannschaften gesorgt. Die erste „Mega-WM“ steigt 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Infantinos Traum, schon 2022 in Katar mit mehr Teilnehmern zu spielen, scheiterte zuletzt an der politischen Krise am Persischen Golf. Das Spiel verändert hat der 49-Jährige zudem mit der Einführung des Videobeweises, der international allerdings fehlerfreier funktioniert als in der Bundesliga.