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Vettels schwere Zukunft bei Ferrari
Der Druck und die Zweifel wachsen

Seine rote Göttin sollte eigentlich das Nonplusultra in der Formel 1 sein. Aber Sebastian Vettel macht dafür einfach zu viele Fehler.
Seine rote Göttin sollte eigentlich das Nonplusultra in der Formel 1 sein. Aber Sebastian Vettel macht dafür einfach zu viele Fehler. FOTO: dpa / Darron Cummings
Austin. Der Formel-1-Rennstall Ferrari plant bereits die Zeit nach Sebastian Vettel. Der wird es schon 2019 schwer haben. dpa

Es wird nicht leichter für Sebastian Vettel. Beim nächsten Anlauf auf den WM-Titel sitzt neben ihm schon die Zukunft von Ferrari im Cockpit. Im Dauerduell mit Lewis Hamilton kann Vettel in der kommenden Formel-1-Saison nicht mehr auf seinen routinierten Gehilfen Kimi Räikkönen vertrauen, sondern muss sich mit einem jungen, talentierten und ambitionierten Stallrivalen messen. Charles Leclerc ist die Langzeit-Investition bei Ferrari – und der Blick in die Zeit nach dem Deutschen.

Und Vettel? 2019 wird sein fünftes Jahr bei der Scuderia. Im fünften Jahr holte Vorbild Michael Schumacher einst den ersten Titel mit Ferrari. Der Druck wird immer größer auf dessen Nachfolger, der seit seinen triumphalen Jahren bei Red Bull mit den Titeln 2010, 2011, 2012 und 2013 auf Nummer fünf wartet.

Die Kritik an Vettel nimmt zu. Die Fehler, die er sich neben den Patzern des Teams in diesem und im vergangenen Jahr leistete, kratzen zunehmend an seinem Status als unumstrittener Starpilot der Scuderia. „Die Kritiker waren vor einigen Monaten noch Schulterklopfer. Es ist Teil unseres Sports, dass sich das Blatt auch mal wendet. Mit der Kritik muss ich leben“, sagt Vettel.



Bei der Wahl des neues Teamkollegen hatte Vettel kein entscheidendes Mitspracherecht. „Sebastian ist unser Fahrer, er ist nicht der Teamchef, bei allem Respekt“, sagt Rennleiter Maurizio Arrivabene: „Wenn wir über Langzeitpläne sprechen, trifft das Management die Entscheidung.“ Vettel, der 2014 in seinem letzten Jahr bei Red Bull sportlich vom damaligen Team-Neuankömmling Daniel Ricciardo geschlagen worden war, hätte eine weitere Ferrari-Saison mit Räikkönen begrüßt. Der 31 Jahre alte Heppenheimer und der 39 Jahre alte Finne verstehen sich bestens. Räikkönen war schon da, als Vettel zur Saison 2015 zu Ferrari wechselte. Arrivabene, ehemaliger Manager eines Tabakkonzerns und Ferrari-Sponsors, hatte seinen Posten erst ein paar Wochen vor Vettels Ankunft übernommen.

Nach einem vielversprechenden Premierenjahr mit drei Siegen stagnierte die Kombination Vettel-Ferrari: 2016 musste sich der Hesse zum zweiten Mal in seiner Karriere ohne Sieg in die Winterpause verabschieden. 2017 und in diesem Jahr meldete sich die deutsch-italienische Arbeitsgemeinschaft bereit für den Kampf um die WM, begann jeweils stark, ließ aber auch stark nach. „Um Mercedes zu besiegen, müssen wir einen besseren Job machen“, sagt Vettel – und meint sich auch selbst.

Die Wiederholung des Erfolgs der Paarung Schumacher/Ferrari mit den fünf Titeln des Kerpeners von 2000 bis 2004 lässt weiter auf sich warten. Und Ferrari denkt längst an die Zukunft. Und die heißt Charles Leclerc, der sein Cockpit bei Sauber mit Räikkönen tauscht. Leclerc entstammt der Ferrari-Nachwuchsschule. Am vergangenen Dienstag wurde der Monegasse 21 Jahre alt. 2016 gewann er die GP3, 2017 die Formel 2. „Ein frühreifer Champion mit einem atemraubenden Talent“, heißt es ganz unbescheiden auf seiner eigenen Homepage.

Leclerc wird genau das in dem Wagen beweisen wollen, der noch immer die größte Strahlkraft in der Königsklasse besitzt. Das Talent bringt er dazu mit. Er fühlt sich auch in der Lage, den immensen Erwartungen gerecht zu werden: „Wenn Sie mich fragen, was meine größte Qualität ist, sage ich: meine mentale Stärke. Ich habe sie von einer Schwäche zu meiner größten Stärke gemacht.“