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Ferrari-Fehler macht Vettel zum Weltmeister1500 Fans verwandeln Heppenheim in "Vettelheim"

Abu Dhabi. Er schluchzte und schrie vor Glück, er ballte die Fäuste, schlug die Hände vors Gesicht und konnte es auch Stunden danach nicht fassen: Sebastian Vettel hat im nervenzerreißenden Herzschlag-Finale die Sensation geschafft und sich zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte gekrönt Von dpa-Mitarbeiter Christian Hollmann

Abu Dhabi. Er schluchzte und schrie vor Glück, er ballte die Fäuste, schlug die Hände vors Gesicht und konnte es auch Stunden danach nicht fassen: Sebastian Vettel hat im nervenzerreißenden Herzschlag-Finale die Sensation geschafft und sich zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte gekrönt. Mit seinem souveränen Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi holte der Heppenheimer Red-Bull- Pilot am Sonntag die 15 Punkte Rückstand auf den flatternden Ferrari-Star Fernando Alonso auf, der den notwendigen vierten Platz am Sonntag klar verpasste und nach einer Taktik-Pleite nur Siebter wurde. "Ich kann noch nicht glauben, dass dies passiert ist", meinte Vettel. Ihm stockte nach der Zieldurchfahrt erstmal die Stimme. "Unglaublich. Danke Jungs. Ich liebe euch", brachte er gerade noch so heraus. "Ich wusste wirklich bis zur Ziellinie nicht, ob das reicht, was wir hier abliefern oder nicht", erklärte Vettel. "Ich habe glaub' ich vergessen zu atmen in den letzten Runden", meinte Teamchef Christian Horner, der vor einer Woche mit Vettel und Mark Webber schon den WM-Titel bei den Konstrukteuren feiern durfte. "Es ist gewaltig gewesen. Sebastian ist unglaublich", betonte Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz ergriffen. Nach einer Saison auch mit Pleiten und Pannen lief im spannendsten Finale der Formel-1-Geschichte für Vettel alles nach Plan. Hinzu kam, dass Ferrari sich eine taktische Fehlzündung leistete, die sogar in Italiens Regierung Rufe nach einem Rücktritt von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo aufkommen ließen. Der auf Platz sieben geschlagene Alonso, der nach dem zermürbenden Duell mit Witali Petrow (Renault) dem Russen sogar drohte, gab sich nach einer kurzen Abkühlung im heißen Wüsten-Emirat aber sportlich: "Es war alles fair und sauber. Da kannst Du nur gratulieren." Nicht nur von Petrow und dessen Renault-Teamkollegen Robert Kubica profitierte Vettel. Auch Schumacher und dessen Mercedes-Mitstreiter Nico Rosberg leisteten Schützenhilfe. Die Safety-Car-Phase nach dem Crash des siebenmaligen Weltmeisters in der ersten Runde nutzte Rosberg zum frühen Reifenwechsel. Er sicherte sich dank der pfiffigen Strategie den vierten Platz. Genau der hätte Alonso zum dritten WM-Triumph nach 2005 und 2006, damals noch im Renault, gereicht. Es war eine schier unglaublichen Punktlandung des Überfliegers, der bis dahin noch nie die WM-Wertung angeführt hatte. "Super gemacht", gratulierte ihm Rekordweltmeister Schumacher im Hafen von Abu Dhabi. "Wir haben einen Typen im Team, der alle Formel-1-Weltmeister seit 1950 aufzählen kann, man muss ihn nur nach dem Jahr fragen. Jetzt Teil dieser Liste zu sein - mir fehlen die Worte", so Vettel. > Seite 27: DrucksacheHeppenheim. Eine Kleinstadt in Hessen bebt: Mit endlosem Jubel und ohrenbetäubenden "Sebastian, Sebastian"-Rufen haben 1500 Menschen in Heppenheim den Sieg von Sebastian Vettel beim Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi verfolgt. Beim Public Viewing in der Heimatgemeinde des neuen Weltmeisters feierten die Fans gestern "ihren" Sebastian und verwandelten den 25 000-Einwohner-Ort in "Vettelheim". "Ich bin sprachlos", sagte der Vorsitzende des Ersten-Sebastian-Vettel-Fanclubs, Martin Fellmann. "Das ist das i-Tüpfelchen auf eine Supersaison." Die 100 Mitglieder des erst im Mai gegründeten Fanclubs hatten die Veranstaltung in der Garage eines Autohauses innerhalb von nur vier Tagen auf die Beine gestellt. Direkt nach dem perfekten Start des Red-Bull-Piloten, der seine Führung gegen Lewis Hamilton verteidigte, war bei den Anhängern erstmals die Hoffnung aufgekeimt, ihr Idol könnte den Rückstand in der WM-Wertung auf Fernando Alonso doch noch aufholen. Angesichts des unerwartet hohen Andrangs sagte Fanclub-Schatzmeister Thorsten Paschke: "Das ist echt verrückt." dpa