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Frust bei Mario Götze
Harte Zeiten für Götze in Dortmund

Hannover. Der WM-Finaltorschütze sitzt, obwohl verletzungsfrei, nur auf der Ersatzbank. dpa

Während sein sechs Jahre jüngerer Bruder Felix beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag sein erstes Bundesliga-Spiel für den FC Augsburg machte, hängt Mario Götze bei Borussia Dortmund weiter in der Warteschleife. Der Siegtorschütze des WM-Endspiels von 2014 saß auch beim frustrierenden 0:0 des BVB bei Hannover 96 am Freitagabend 90 Minuten auf der Bank. Und das zum zweiten Mal im zweiten Spiel der Saison unter dem neuen Trainer Lucien Favre.

Dabei schien das biedere BVB-Spiel geradezu nach einem Kreativspieler zu schreien. Favre sah das jedoch anders und verzichtete gar auf eine dritte Einwechslung, obwohl seinem Star-Ensemble bedenklich wenig gegen Hannovers plumpe Manndeckung über den gesamten Platz einfiel.

Götze hat, seit die gesamte Welt 2014 auf ihn schaute, harte Zeiten inklusive einer langwierigen Stoffwechselerkrankung und öffentlicher Maßregelung von Trainern und Offiziellen hinter sich. Zwei Mal hintereinander verletzungsfrei 90 Minuten nur auf der Bank zu sitzen, erlebte aber auch der Hochveranlagte nun zum ersten Mal. Dabei dürfte der 26-Jährige durchaus Hoffnungen mit der Verpflichtung von Favre als Trainer verbunden haben. Der 60 Jahre alte  Coach trieb bei seinen bisherigen Stationen vor allem seine Künstler im Team stets zu Höchstleistungen. Auch schwierige Charaktere wie etwa Mario Balotelli zuletzt in Nizza hatte Favre im Griff.



Auch Götze wird seit jeher ein gewisses Phlegma attestiert. Letztlich glänzte der Edeltechniker lediglich unter dem früheren Dortmunder Coach Jürgen Klopp so richtig. Nach der Nicht-Nominierung für die WM müsste das, was Favre nun zu Götzes Situation zu sagen hatte, den Offensivspieler zutiefst beunruhigen. Im Prinzip lässt sich das auf Favres lapidare Formel in dessen Muttersprache „c‘est comme ça“ reduzieren: „So ist das.“ Viel mehr hatte Favre nicht zu sagen. Bei Nachfragen hatte Favre mehrfach die Möglichkeit, Götze Mut zu machen, darauf zu verweisen, dass die Saison lang sei, dass Götze große Fähigkeiten habe, die es gegen andere Teams einzusetzen gelte. All das tat Favre nicht und verwies nur auf das Überangebot im Dortmunder Mittelfeld.