| 23:38 Uhr

Europa League
Genialer Griezmann genießt und schweigt

Offensivspieler Antoine Griezmann streckt den Pokal in die Höhe. Der Franzose war der entscheidende Spieler im Team von Atlético Madrid im Finale der Europa League. Madrid gewann 3:0 gegen Olympique Marseille.
Offensivspieler Antoine Griezmann streckt den Pokal in die Höhe. Der Franzose war der entscheidende Spieler im Team von Atlético Madrid im Finale der Europa League. Madrid gewann 3:0 gegen Olympique Marseille. FOTO: dpa / Jan Woitas
Lyon. Atlético Madrid gewinnt die Europa League mit einem 3:0 im Finale gegen Olympique Marseille. Der Atlético-Star trifft doppelt.

Es war schon nach Mitternacht, als der Held des Abends wie ein gewöhnlicher Fan zum Mannschaftsbus schlenderte. Antoine Griezmann hatte nach dem 3:0 (1:0) im Finale der Europa League gegen Olympique Marseille ein frisches Trikot übergezogen und einen Fanschal um die Hüften gebunden. Mehr Atlético Madrid am Körper ging kaum, doch ein klares Bekenntnis für die nächsten Jahre vermied der Matchwinner.

„Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, über meine Zukunft zu sprechen. Jetzt möchte ich genießen, dass ich einen Titel gewonnen habe, will mit den Fans feiern“, sagte der Franzose nach seiner Gala mit Doppelpack (21. und 49. Minute). Nach dem Abpfiff rannte der 27-Jährige vor die Kurve der Atlético-Fans und gab mit wilden Gesten den Startschuss zur großen Pokalparty.

Der gesperrte Diego Simeone rastete völlig aus und legte in seiner Loge auf der Tribüne einen Stakkato-Jubel hin, der seinesgleichen sucht. „Hoffentlich ist er glücklich und bleibt bei uns“, sagte Simeone über Griezmann, nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte. Der Argentinier hatte das Spiel wegen Schiedsrichter-Beleidigung von der Tribüne aus verfolgen müssen.



Auch die spanische Presse war aus dem Häuschen. „Ein rot-weißer König! Ein großer Griezmann schenkt Atlético Madrid den Sieg“, schrieb Marca. Und die Zeitung Sport schwärmte: „Ein außergewöhnlicher Griezmann macht Atlético zum Champion! Der kleine Prinz krönt sich in seinem Heimatland.“

Simeone versuchte, Atléticos dritten Triumph in der Europa League nach 2010 und 2012 einzuordnen. „Dieser Sieg ist mehr als eine Trophäe“, meinte der erleichterte Trainer. Sein Team hatte endlich den Finalfluch gebrochen, nachdem es 2014 und 2016 die Endspiele in der Champions League gegen Real Madrid verloren hatte. „Wir haben uns in der Europa League neu erfunden“, sagte der Trainer.

Als Griezmann im Groupama-Stadion, nur 60 Kilometer von seinem Heimatort Macon entfernt, den schweren Silberpott in den Nachthimmel stemmte, waren etliche Fans aber auch etwas wehmütig. Sein Wechsel für 100 Millionen Euro zum Meister FC Barcelona ist kaum noch zu verhindern, dennoch sind die Mitspieler voll des Lobes: „Er hat sich immer auf Atlético konzentriert“, sagte Kapitän Gabi, der zum 3:0 (89.) getroffen hatte.

Mit seiner Familie auf dem Platz feierte auch Fernando Torres, der zum Abschluss seiner Karriere ein paar Minuten spielen durfte. Der 34-Jährige ist Weltmeister, zweimaliger Europameister, gewann die Champions League und am Ende mit seinem Stammclub die Europa League. „Dieses Glück ist schwer zu erklären“, sagte „El Niño“, dessen Karriere nach 17 Jahren ausklingt.

Marseille war auf dem Feld die klar unterlegene Mannschaft und wusste auch warum. „Wenn Griezmann bei uns gespielt hätte, wäre es anders ausgegangen“, sagte Abwehrspieler Adil Rami. Resignation kam aber nicht auf. „Wir kommen in der nächsten Saison zurück und werden wieder alles geben“, sagte der frühere Bayern- und Wolfsburg-Profi Luiz Gustavo.

Für bange Minuten im Stadion sorgten die berüchtigten Ultras von Olympique. Die Hardliner unter den 12 000 OM-Fans entzündeten immer wieder bengalische Feuer und ließen schwere Feuerwerkskörper krachen. Erstaunlicherweise passierte kein Unglück, die Polizei vermeldete zunächst nur ein paar Festnahmen. Pechvogel des Abends war Marseilles Spielmacher Dimitri Payet. Der französische Nationalspieler konnte ab der 32. Minute wegen Muskelproblemen nicht mehr weitermachen und verließ unter Tränen den Platz. Vielleicht ahnte Payet schon, dass gegen dieses Atlético Madrid nichts zu holen war.