| 20:04 Uhr

Formel-1-Fahrer Leclerc
„Prinz Charles“ gehört die Zukunft

Monza. Nach dem Sieg von Ferrari-Pilot Leclerc in Belgien herrscht beim Großen Preis von Italien Ausnahmezustand um den Monegassen. sid

Das Feuer der Tifosi bekam Charles Leclerc schon vor seinem ersten Heimspiel mit den Roten zu spüren. Mit einem Festakt vor zahlreichen Fans auf dem Mailänder Domplatz feierte der Ferrari-Rennstall am Mittwochnachmittag sich selbst, die Formel 1 und den Großen Preis von Italien, der am Sonntag in Monza (15.10 Uhr/RTL und Sky) zum 90. Mal ausgetragen wird.

Die Erwartungen sind enorm, nicht zuletzt an Leclerc, der der Scuderia am vergangenen Wochenende den ersten Saisonsieg bescherte. Die italienischen Gazetten haben sich längst auf den 21-Jährigen als neue Nummer eins vor Sebastian Vettel festgelegt, und auch bei Teamchef Mattia Binotto, das wurde in Spa deutlich, ist diese Erkenntnis gereift. „Prinz Charles“ ist die Zukunft von Ferrari, der viermalige Weltmeister Vettel ein Auslaufmodell.

„Seit meiner Kindheit war es mein Traum, Teil des mythischsten Teams der Formel 1 zu werden. Es wird sehr speziell, das rote Auto erstmals beim Heimrennen zu fahren“, sagte Leclerc vor seinem ersten von wohl vielen Italien-Rennen im Ferrari-Cockpit: „Wir werden unser Bestes geben, um die Tifosi stolz zu machen.“ Der Ausflug ins Herz der Mailänder Innenstadt diente Leclerc nach dem Gefühlschaos der vergangenen Tage auch als willkommene Abwechslung. Selbstbewusst, mit viel Können und auch der Hilfe von Vettel hatte er in Belgien gesiegt.



Besonders beeindruckend war aber, wie gut Leclerc den Tod seines Jugendfreundes Anthoine Hubert wegsteckte, der tags zuvor im Formel-2-Rennen tragisch verunglückt war. „Es fällt mir schwer, mich zu freuen, obwohl ein Traum in Erfüllung gegangen ist“, sagte Leclerc, der zum dritten Mal in nur vier Jahren einen Vertrauten verlor. Die Schicksalsschläge trafen Leclerc zuletzt in unschöner Regelmäßigkeit, und sie trafen ihn hart. Vor vier Jahren starb sein Mentor und Patenonkel Jules Bianchi nach einem Unfall beim Großen Preis von Japan 2014, er erlag später den Verletzungen. Vor zwei Jahren folgte der nächste Schock: Nach langer Krankheit starb sein Vater Herve. Leclerc trauerte – und gewann wenige Tage später das Formel-2-Rennen in Baku.

Trotz all der privaten Rückschläge tritt Leclerc für sein Alter erstaunlich cool und abgeklärt auf. Die mentale Ebene, in Jugendjahren noch ein Schwachpunkt, hat Leclerc mit viel Arbeit zu einer seiner großen Stärken gemacht. Auch für seinen Vater, der ihn nicht mehr als Stammpilot in der Formel 1 erlebte, will Leclerc auf Sicht seinen großen Traum vom WM-Titel erfüllen. An der Unterstützung der Tifosi wird es dabei wohl nicht scheitern.