| 23:25 Uhr

Paralympische Winterspiele in Pyeongchang
Eskau und Rothfuss jubeln über Silber

Andrea Rothfuss jubelt bei der Siegerehrung über ihre bereits vierte Silbermedaille bei den Paralympics.
Andrea Rothfuss jubelt bei der Siegerehrung über ihre bereits vierte Silbermedaille bei den Paralympics. FOTO: Jan Woitas / dpa
Pyeongchang. Die beiden Vorzeigefrauen gewinnen bei den Para-lympics in Südkorea weitere Silbermedaillen. Georg Kreiter verletzt sich im Riesenslalom schwer. Anna Schaffelhuber ist dagegen ratlos.

Andrea Eskau schrieb ihr südkoreanisches Wintermärchen im Langlauf fort, Andrea Rothfuss machte bei den Alpinen ihrem Spitznamen „Andrea Silberfuss“ erneut alle Ehre – dafür erlebte Vorzeigeathletin Anna Schaffelhuber bei den Paralympics in Pyeongchang einen Tag zum Vergessen. „Das ist ein unerklärlicher Tag. So etwas habe ich noch nie erlebt. So ein großer Rückstand? Ich verstehe es nicht“, sagte die 25-Jährige vom TSV Bayerbach nach einem verkorksten Riesenslalom konsterniert und völlig ratlos.

Anstatt nach ihrem goldenen Auftakt in Abfahrt und Super-G sowie Silber in der Super-Kombination die neunte Paralympics-Medaille in Serie zu holen, musste sich die erfolgsverwöhnte Schaffelhuber mit 4,44 (!) Sekunden Rückstand auf die Japanerin Momoka Muraoka mit Rang fünf begnügen. „Das ist schon enttäuschend. Ich habe mir wesentlich mehr ausgerechnet“, sagte die querschnittsgelähmte Athletin mit nachdenklicher Miene. Vor dem abschließenden Slalom am Sonntag kündigte sie eine „umfassende Analyse“ an.

Auch Anna-Lena Forster (Radolfszell) war einen Tag nach ihrem umjubelten Gold in der Super-Kombination restlos bedient über Rang sechs und 5,24 Sekunden Rückstand. Auch sie konnte „nicht sagen, woran es lag“. Für den Slalom gilt die 22-Jährige trotz des Dämpfers als Favoritin: „Da habe ich definitiv eine Chance und versuche, wieder anzugreifen. Ich muss das jetzt schnell abhaken.“



Ganz anders war die Gemütslage gestern bei Andrea Rothfuss, auch wenn es im Riesenslalom-Duell mit ihrer großen Konkurrentin Marie Bochet aus Frankreich wieder nicht zum Sieg in der stehenden Klasse gereicht hatte. Dass sie Gerd Schönfelder, der erfolgreichste Teilnehmer bei Winter-Paralympics, bereits scherzhaft als „Andrea Silberfuss“ titulierte – damit konnte die 28-Jährige trefflich leben: „Vier Mal Silber bei diesen Paralympics, das ist doch Wahnsinn und grandios.“

Grandios präsentiert sich weiterhin auch Andrea Eskau. Auch im Sprint in der sitzenden Klasse über 1,1 Kilometer trotzte die „alte Frau“, wie sich die 46-Jährige selbst nennt, ihren jüngeren Konkurrentinnen und setzte mit Silber hinter Oksana Masters (USA) ihre unglaubliche Erfolgsgeschichte fort. „Ich bin super zufrieden. Es war wirklich hart“, sagte Fahnenträgerin Eskau, die in Pyeongchang schon Gold im Biathlon über 10 Kilometer und Silber im Langlauf über 12,5 Kilometer gewonnen hatte. Für die querschnittsgelähmte Athletin ist es insgesamt die zwölfte Medaille bei Paralympics, sieben davon in Gold. Über so eine Leistung „brauchst du nicht mehr viel sagen. Das hat sie mal wieder brillant gemacht“, lobte Bundestrainer Ralf Rombach.

Überschattet wurde der Tag von einem schweren Sturz von Georg Kreiter (33) im Riesenslalom. Der querschnittsgelähmte Athlet vom TSV Murnau musste ins Krankenhaus gebracht werden, wo bei einer Röntgenuntersuchung ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert wurde.

Das deutsche Team hat nach fünf Wettkampftagen zwölf Medaillen (4-7-1) auf dem Konto. Wegen der schlechten Wettervorhersage mit Regen wurde der für heute geplante alpine Slalom der Frauen auf Sonntag verlegt. Auch im Biathlon und Langlauf ist Ruhetag.

Nur bei den Rollstuhlcurlern wird gespielt. Für das deutsche Team sieht es dabei nicht gut aus. Nachdem die Mannschaft um Skip Christiane Putzich gestern mit 3:8 gegen Großbritannien verloren hatte, gab es gegen die Schweiz ein 4:9. „Die Medaillen sind weg, ganz klar“, sagte Wolf Meißner aus dem deutschen Team.