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| 23:44 Uhr

VfL Wolfsburg
Wolfsburg will „genau durchleuchten“

Wölfe-Trainer Martin Schmidt tobt, flucht und feuert an – derzeit steckt er gemeinsam mit seiner Mannschaft in der Krise.
Wölfe-Trainer Martin Schmidt tobt, flucht und feuert an – derzeit steckt er gemeinsam mit seiner Mannschaft in der Krise. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Bremen. Beim VfL wird nach dem desolaten Auftritt in Bremen alles hinterfragt. Der Druck auf Trainer Martin Schmidt und Manager Olaf Rebbe wächst, die Millionentruppe wandelt erneut am Abgrund zur 2. Liga.

(sid/red) Magere drei Siege aus 18 Spielen, bedrohliche Nähe zu den Abstiegsrängen und keine Weiterentwicklung der millionenschweren Mannschaft: Trainer Martin Schmidt gehen beim VfL Wolfsburg allmählich die Argumente aus. Der Schweizer wackelt. Und nun kommen auch noch die Bayern.

„Der Druck steigt. Es ist vielleicht schon drei Minuten vor zwölf“, sagte Schmidt nach dem 1:3 (0:2) bei Werder Bremen sichtlich bedient. Der nächste Minusauftritt seiner Millionentruppe hatte dem Schweizer die Laune gründlich verhagelt. „Die Niederlage schmerzt und tut sehr weh. Jetzt wissen alle, was die Stunde geschlagen hat. Jetzt müssen wir zusammenstehen, uns aufbäumen und gegen den Trend wehren.“

Zusammenstehen? Aufbäumen? Wehren? Dazu hatten die Wölfe unter „Wunschtrainer“ Schmidt nun 18 Ligaspiele lang Zeit. Der Ertrag ist bescheiden. Auch der 50-Jährige schaffte es bislang nicht, aus der Ansammlung von talentierten und teuren Einzelkönnern endlich eine Mannschaft formen – und so schrillen am Mittellandkanal mal wieder unüberhörbar die Alarmglocken. Das Schreckgespenst einer erneuten Relegation geht angesichts von nur noch vier Punkten Abstand zu Platz 16 um. Verletzungssorgen – unter anderem fehlen die als Säulen eingeplanten John Anthony Brooks und Ignacio Camacho schon seit Wochen – haben den Niedergang beschleunigt.

„Wir müssen im inneren Zirkel die Dinge genau durchleuchten“, sagte VfL-Sportchef Olaf Rebbe. Man werde jetzt „hinter verschlossenen Türen“ analysieren und nach Mitteln und Wegen fahnden, „die wir anwenden, um Besserung herbeizuführen. Ich kann zumindest dazu beitragen, die Dinge aufzuklären, zu identifizieren und anzusprechen“. Jeder müsse sich „an die eigene Nase fassen, ob die Vorgaben eingehalten werden“.

Der Ton in Wolfsburg wird rauher. Neben Schmidt gerät beim Pokalsieger von 2015 zunehmend auch Rebbe in die Schusslinie. Das Schicksal des Trainers dürfte eng mit seinem eigenen verbunden sein, immerhin war Schmidt im Herbst die erste Wahl des sportlichen Leiters bei der Nachfolge von Andries Jonker. „Jetzt wird’s auch für Schmidt und Rebbe eng“, schreibt die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“. Der fußballerische Verfall der Mannschaf geht zu rasant vonstatten.

Auch sonst fällt die Bilanz von Rebbe ziemlich bescheiden aus. 17 neue Spieler lotste der 39-Jährige zum VfL, seitdem er Anfang 2017 das Amt von Klaus Allofs übernahm, und gab in nur 13 Monaten satte 112 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Schmidt ist nach Jonker und Valerien Ismael bereits der dritte Coach in Rebbes Amtszeit. Kein Wunder also, dass in Wolfsburg bereits der Name des bundesligaerfahrenen Managers Jörg Schmadtke die Runde macht.

„Es liegt nicht an irgendeinem Manager oder Trainer“, sagte derweil Kapitän Maximilian Arnold unter dem Eindruck der desolaten ersten Halbzeit in Bremen: „Wir als Team sind schuld an der Situation. Was wir spielen, ist absolut scheiße. Wer nicht weiß, dass es in einem solchen Spiel um viel geht, der hat den Schuss nicht gehört.“ Erst nach einem Donnerwetter von Schmidt in der Pause wachten die VfL-Stars auf. „Es war laut, sehr laut. Ein paar Blechkisten mussten dran glauben“, berichtete Schmidt hinterher. Für die Wende reichte aber auch das nicht mehr.

Volkswagen hat drängendere Probleme als seine kriselnde Fußball GmbH, aber die Verantwortlichen in der Konzern-Zentrale am Mittellandkanal könnten schon sehr bald die Geduld verlieren – allen voran VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz. Das Ziel, eine ruhige Runde zu spielen, eine neue Mannschaft aufzubauen und die Rückkehr in einen internationalen Wettbewerb vorzubereiten, ist verfehlt.