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Weinzierl will mit VfB Stuttgart angreifen
Schwerstmögliches Debüt beim „Trainer-Fresser-Verein“

Markus Weinzierl soll den VfB Stuttgart schnell aus dem Tabellenkeller herausführen.
Markus Weinzierl soll den VfB Stuttgart schnell aus dem Tabellenkeller herausführen. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Stuttgart. Markus Weinzierl ist an diesem Samstag erstmals für den VfB Stuttgart verantwortlich. Gegner ist Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund. sid

Der Druck ist groß, die Erwartungen riesig – doch Markus Weinzierl präsentiert sich vor seiner Premiere als Trainer des angeschlagenen VfB Stuttgart betont locker. „Ich habe von einem Trainer-Fresser-Verein gelesen, das finde ich witzig“, sagt der 43-Jährige, immerhin der 14. Trainer der Schwaben in den letzten zehn Jahren.

Er wisse natürlich, dass es in manchen Vereinen schneller unruhig wird. „Aber ich werde daran arbeiten, dass schnell die Ergebnisse stimmen“, sagt Weinzierl vor seinem Einstieg beim Tabellenletzten ausgerechnet gegen den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund an diesem Samstag (15.30 Uhr). Doch Weinzierl, der vor knapp zwei Wochen die Nachfolge von Tayfun Korkut angetreten hat, sieht die Partie gegen den BVB „eher als Chance als alles andere. Man kann auch als Letzter den Ersten schlagen. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Riesenchance, mit drei Punkten unten rauszukommen“, sagt der frühere Augsburger und Schalker Trainer und fordert „Mut in allen Bereichen“.

Viel Zeit blieb Weinzierl nicht, um das Team um Kapitän Christian Gentner auf seine Spielidee einzuschwören. Durch die Länderspiele habe er mit dem kompletten Kader gerade zwei Tage trainieren können, „um unsere Abläufe reinzubekommen. Wir haben mehr Wert auf Offensive gelegt“, berichtete Weinzierl. Vor allem Torjäger Mario Gomez soll besser in Szene gesetzt werden, „da haben wir den Hebel angesetzt“.



Doch in der aktuellen Situation des VfB, „die nicht befriedigend ist“, gehe es in erster Linie „nicht um ein Offensiv-Spektakel. Basis ist immer die Defensive“, sagt Weinzierl. Und die wird am Samstag besonders gefragt sein. Vor dem bärenstarken Dortmunder Angriff um Marco Reus habe „jeder zurecht Respekt. Wir dürfen nicht ausgekontert werden“, fordert Weinzierl. Gleichzeitig wolle man aber „auch selbst agieren“. Das jüngste 4:3 des BVB gegen Augsburg habe gezeigt, „dass sie in der Defensive auch verwundbar sind“.

Über mehr will sich Weinzierl momentan keine Gedanken machen. Zumal sein ganzer Schreibtisch voll sei. „Es geht darum, was wir gegen Dortmund machen. Jetzt mittel- oder langfristige Ziele zu setzen, macht keinen Sinn. Ich denke bis zum nächsten Gegner. Die Frage stellen Sie mir noch mal in ein paar Wochen“, sagt er.

Verzichten muss er bei seinem Einstand auf Borna Sosa, der wegen einer Verletzung am Schambein mehrere Wochen ausfällt. Offen ist, ob Weinzierl auf Spielmacher Daniel Didavi zurückgreifen kann, der schon länger an Achillessehnenproblemen leidet. „Er hat individuell trainiert. Wir werden kämpfen und hoffen, dass er spielen kann“, sagt er. Aber man werde „keine unvernünftigen Dinge machen“.

Der letzte VfB-Trainer, der bei seinem Einstand gewonnen hat, war 2014 Huub Stevens (4:1 in Freiburg am 13. Spieltag). Danach setzte es für Alexander Zorniger, Jürgen Kramny und Hannes Wolf Niederlagen, Korkut war mit einem Remis gestartet. „Markus muss schnell merken, dass die Erwartungen in Stuttgart hoch sind“, sagt Stevens.