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Hoffenheim im Ergebnistief
Und plötzlich Krisenmanager

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann muss sich nach drei Niederlagen in Folge warm anziehen. Viele seiner Spieler sind derzeit außer Form.
Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann muss sich nach drei Niederlagen in Folge warm anziehen. Viele seiner Spieler sind derzeit außer Form. FOTO: dpa / Peter Steffen
Sinsheim. Trainer Julian Nagelsmann hat mit Hoffenheim erstmals drei Spiele in Folge verloren. dpa

Im Sommer schienen die positiven Schlagzeilen rund um Julian Nagelsmann kaum abzureißen. Nagelsmann führt die TSG Hoffenheim erstmals in die Fußball-Champions-League, Nagelsmann übernimmt 2019 bei RB Leipzig, Nagelsmann schlägt Angebot von Königsklassen-Gewinner Real Madrid aus, Nagelsmann sagt FC Bayern den Kampf an: Dem 31-Jährigen, der sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League zum jüngsten Trainer der Geschichte wurde, ließ alles leicht aussehen. Drei Monate später ist die Realität des gebürtigen Bayern eine andere.

„Gerade macht es wenig Spaß“, sagte ein konsternierter Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt am Sonntagabend. Erstmals in seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim hat der Jung-Coach dreimal in Serie verloren, dazu auch noch drei Heimspiele. Von der Situation wirkt er zunehmend angegriffen, der plötzliche Misserfolg nervt den hochehrgeizigen Fußballlehrer.

Wie angewurzelt stand der bedient wirkende Nagelsmann deshalb nach Spielschluss in seiner Coaching Zone und bewegte sich keinen Schritt in Richtung seiner Spieler. Darauf angesprochen, versuchte er zu scherzen. „Weiße Schuhe. Da ist es schwer, die Grasflecken rauszumachen.“ Kaum einer der Journalisten in der Pressekonferenz lachte, Nagelsmann schaute etwas verdutzt. Nicht einmal dieser Witz schien ihm zu gelingen.



Große Belastung, Englische Wochen, viele Verletzte, wenig Glück: Den Hoffenheimern mangelte es in den vergangenen Wochen nicht an Gründen, warum es nicht wie geplant läuft. Das aber ist Nagelsmann zu einfach. „Jeder, der von Glück spricht, ist immer in der Opferrolle. Und da begebe ich mich sehr, sehr selten und sehr ungern rein“, sagte der Coach. Für Nagelsmann steht fest: „Die Leistung passt derzeit absolut nicht mit den Ergebnissen überein.“

Nichtsdestotrotz ist gerade der Trainer in der schwierigen Situation bei den Kraichgauern gefordert. Nagelsmann hat über mehrere Jahre stets das Maximum aus seinen Spielern herausgeholt und ein funktionierendes Kollektiv gebildet. Im Herbst 2018 sieht das etwas anders aus: Vize-Weltmeister Andrej Kramaric zum Beispiel ist völlig außer Form, sitzt derzeit nur auf der Bank. Andere wie Adam Szalai oder Florian Grillitsch wirken überspielt, weil sie zuletzt kaum Pausen bekamen.

Nach dem vermeidbaren 1:2 durch Tore von Ante Rebic und Luka Jovic müssen sich Trainer und Team mehr denn je an den geäußerten Zielen vor Saisonstart messen lassen. „Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel. Aber es wird schwer“, hatte Nagelsmann im Sommer beispielsweise gesagt. Gut zwei Monate später hat die Realität den Verein eingeholt. Die Tabellenführung ist weit weg, gerade einmal zwei Zähler trennen die TSG von den Abstiegsplätzen. „Sieben Punkte, das ist gar nichts. So dürfen wir uns nicht präsentieren“, stellte Kapitän Kevin Vogt klar. Der Trainer vermisst bei seiner Mannschaft vor allem die Effizienz: „Der Gegner kommt mit sehr wenigen Chancen zu meist doppelt so vielen Toren wie wir mit sehr vielen Chancen.“ Es wäre also mal wieder Zeit für positive Botschaften.