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Bundesliga
Trotz 0:19 Ecken: Kumpel Schreuder klaut Bosz die Punkte

 Leverkusens Kai Havertz (r) umdribbelt Hoffenheims Ihlas Bebou (l). Foto: Revierfoto
Leverkusens Kai Havertz (r) umdribbelt Hoffenheims Ihlas Bebou (l). Foto: Revierfoto
Leverkusen. Schadenfreudig war Alfred Schreuder nicht. Dazu sind er und Peter Bosz zu gut befreundet. Die Freude darüber, dass sein ungewöhnlicher Plan aufgegangen war, war dem Trainer der TSG 1899 Hoffenheim nach dem 0:0 bei Bayer Leverkusen aber doch anzumerken. Von Holger Schmidt, dpa

Die neu zusammengesetzte Mannschaft und die Tatsache, dass einige Spieler nach Verletzungen zurückkamen, seien die Gründe für die extrem defensive Ausrichtung seiner sonst so offensiven Mannschaft gewesen. Aber eben auch der Respekt vor der Offensivkraft von Bosz' Mannschaften.

„In unserer Situation können wir nicht voll offensiv spielen und Peter Bosz angreifen. Dann wäre es ganz anders ausgegangen“, sagte Schreuder, dessen Team durch diese taktische List als erstes in dieser Saison gegen Bosz und Leverkusen punktete. Deshalb hatte auch Bosz gemischte Gefühle nach dem ersten Bundesliga-Treffen der niederländischen Kumpels. „Es macht Spaß, ihn wiederzusehen. Es macht Spaß, mit ihm über Fußball zu reden. Aber ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte der Bayer-Coach.

Die beiden Trainer sind nur 30 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsenen. Sie spielten einst zwei Jahre bei Feyenoord Rotterdam und eine Saison bei NAC Breda zusammen. In Breda bildeten sie sogar eine Fahrgemeinschaft. Später war Bosz Technischer Direktor bei Feyenoord mit dem Spieler Schreuder.



Die überraschend defensive Ausrichtung und die disziplinierte Umsetzung der Hoffenheimer hatten Anteil am torlosen Remis. Das die Gäste aber auch der Leverkusener Standard-Schwäche zu verdanken hatten. Unglaubliche 19:0 Ecken hatte Bayer. Die meisten davon erzeugten gar keine Gefahr. Und als Lars Bender im Anschluss an den 18. Eckball in der Nachspielzeit einköpfte, hatte Schiedsrichter Felix Zwayer zuvor abgepfiffen.

„Diese Woche werden einige rausgehen“, sagte Kapitän Bender mit Blick auf die Länderspiel-Pause vor dem Top-Spiel bei Borussia Dortmund am 14. September: „Und die anderen werden wahrscheinlich die ganze Woche Standards üben.“ Genau den gegenteiligen Schluss zog Schreuder. „19 Standards zu verteidigen, reicht für diese Woche“, sagte er ironisch. „Im Training müssen wir keine mehr üben.“ Kumpel Bosz wird das mit verbleibenden Personal sicher tun. „Da müssen wir uns verbessern. Ganz klar“, sagte er.

Dennoch war der Bayer-Coach „stolz“ auf sein Team, auch wenn es den dritten Drei-Siege-Start in der 41. Leverkusener Bundesliga-Saison verschenkte. „Für mich war das unser bestes Spiel in dieser Saison“, sagte der 55-Jährige. So sah es auch Lars Bender und begründete: „Diesmal haben wir 90 Minuten gut nach vorne gespielt und nicht nur 75 wie in Düsseldorf. Wir waren geduldiger als sonst. Und wir haben endlich mal zu Null gespielt.“

Letzteres müsse vor allem Torhüter Lukas Hradecky freuen. „Ich muss ihm mal sagen, dass er sich diesen Hinweis im nächsten Interview sparen kann“, sagte Bender schmunzelnd. „Ich war heute fast nur Zuschauer“, antwortete der Finne lässig. Und freute sich: „Wenn Du 19 Ecken hast und keine nutzt, läuft es oft so, dass der Gegner eine hat und dann das Tor macht. Das ist zum Glück nicht passiert.“ Immerhin.

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