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Fußball
Der Schalker ist voll im Derby-Modus

 Daumen hoch für seine Mannschaft: Der neue Trainer David Wagner ist mit dem bisherigen Saisonverlauf seiner Schalker zufrieden, glaubt aber nicht an eine Europapokal-Qualifikation.
Daumen hoch für seine Mannschaft: Der neue Trainer David Wagner ist mit dem bisherigen Saisonverlauf seiner Schalker zufrieden, glaubt aber nicht an eine Europapokal-Qualifikation. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Gelsenkirchen. Trainer David Wagner hat den strauchelnden Bundesligisten wieder zum Leben erweckt. Dafür kriselt es beim BVB. sid

Das Derby-Fieber schüttelt David Wagner seit Tagen durch. „Ich muss aufpassen, dass sich mir nicht die Nackenhaare aufstellen, wenn ich nur darüber rede“, sagt der Trainer des FC Schalke 04: „Ich muss mal gucken, wie ich uns alle runterkriege.“

Der Mann, der Schalke derzeit wiedererweckt, ist so emotional, weil er beide Extreme des Fußballs im Revier bestens kennt. 1997 gehörte er in Königsblau zu den Eurofightern, die den Uefa-Cup gewannen. 2011 holte ihn sein Freund Jürgen Klopp für vier Jahre zu den Schwarz-Gelben – als Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund. „Die Dortmunder haben mich damals – die ersten sechs Monate oder vielleicht noch länger – nur den Schalker gerufen“, berichtet Wagner. Aber: „Ich habe als Trainer der zweiten Mannschaft alle meine Derbys gewonnen, einmal hier auswärts 4:0, einmal zu Hause 2:1.“

Beste Voraussetzungen also, um diesmal wieder als Schalker an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Heimspiel den BVB zu ärgern. Da besteht durchaus Nachholbedarf: Als Schalker Profi brachte er es 1996 bei seinem einzigen Derby-Einsatz auf ganze sieben ereignisarme Minuten. Das Spiel endete 0:0.



Wagners Einfluss als Schalke-Trainer erscheint jetzt schon wichtiger als jener, den er einst als Spieler hatte. In gut 100 Tagen als Chefcoach hat er eine total verunsicherte Mannschaft aufgepäppelt, Transferflops wie Amine Harit in Leistungsträger verwandelt, den Beinahe-Absteiger mit jenem Vollgas-Fußball, den er von Klopp in Dortmund und Ralf Rangnick in Hoffenheim lernte, zum Beinahe-Tabellenführer geformt. Ein 0:2 in Hoffenheim am Wochenende verhinderte den Sprung an die Spitze. Dennoch: Schalke lebt!

Wagner will sich der neuen Euphorie im Verein aber nicht hingeben. Die Rückkehr in den Europapokal, sagt der 48-Jährige vor dem Revier-Derby, sei für Schalke in dieser Saison „im Prinzip unmöglich“. Dies allerdings hatten Experten auch über Wagners sensationellen Aufstieg in die Premier League mit dem englischen Außenseiter Huddersfield Town gesagt. Für Vergleiche ist es dem Trainer zu früh: „Man schnippt nicht einmal mit dem Finger, und die Geschichte passiert plötzlich noch einmal.“

David Wagner weiß schließlich, dass er sich nicht den ruhigsten aller deutschen Vereine ausgesucht hat. „Konstanz auf führenden, den Verein entwickelnden Positionen“ sei das, was der BVB den Königsblauen derzeit noch voraushabe, findet er: „Das hat Schalke in den letzten Jahren leider nicht hinbekommen.“

Konstanz basiert meist auf Erfolg–- insofern kann Wagner selbst ein wenig daran schrauben, dass sich das ändert. Zudem kann er an den Grundfesten der Dortmunder rütteln: Eine Pleite auf Schalke würde den BVB-Trainer Lucien Favre in arge Bedrängnis bringen und jene Unruhe auslösen, die es sonst meist in Gelsenkirchen gibt.

Michael Zorc hat 23 Derbys bestritten und mehr gewonnen als jeder andere Spieler (10). Der Sportdirektor des BVB bemüht sich in dieser vertrackten Lage intensiv um Ruhe. „Das entbehrt jeder Grundlage. Wir führen keine Trainerdiskussion. Wir sind froh, dass wir Lucien haben“, beteuerte der Sportdirektor nach der Champions-League-Niederlage bei Inter Mailand (0:2). Und dennoch wollte er Favres eher wunderliche Analyse, der harmlos-uninspirierte BVB habe „gut gespielt“, keineswegs teilen. „Wir hätten deutlich konsequenter und zielstrebiger agieren müssen“, sagt er. Offensivspieler Marco Reus (nach Erkältung) kann wohl wieder auflaufen. Die Bühne für ein Spektakel ist bereitet.