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Fußball
Mit den Erwartungen geht Haaland entspannt um

 Dortmunds Trainer Lucien Favre spricht mit seinem Neuzugang Erling Haaland.
Dortmunds Trainer Lucien Favre spricht mit seinem Neuzugang Erling Haaland. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Marbella. Der 19-jährige Norweger, seit wenigen Tagen neu bei Borussia Dortmund, wird teilweise bereits als „Superstar“ tituliert. sid

Erling Haaland wendet an einem Grill virtuelle Burger, er tanzt und rappt auf einem Spielplatz. Wenn das drei Jahre alte Musik-Video eines ungelenken Teenagers im Stimmbruch mit den „Flow Kingz“ nicht sehr täuscht, ist es ganz gut, dass der Winter-Zugang von Borussia Dortmund doch Fußballer geworden ist. „Ich mag die Musik und auch den Rap“, berichtet der norwegische Stürmer: „Aber ich bin Fußball-Profi und liebe diesen Beruf.“ Beim BVB lieben alle Erling Haaland – bevor dieser seinen ersten Schuss in Schwarz-Gelb abgegeben hat.

Marco Reus jedenfalls griff sofort ins höchste Regal der Vergleiche. „Ich glaube, seit Robert Lewandowski hatten wir so einen Spielertypen nicht mehr“, sagte der BVB-Kapitän am Freitag: „Für mich und andere Spieler haben wir mit Haaland ganz neue Optionen.“

Die Begeisterung über diesen 19-Jährigen ist auch ein Lehrstück darüber, wie schnell ein talentierter junger Mann im Fußball hochgejazzt wird. Haaland hat zwei Mal für Norwegen gespielt und sich in Österreich bewiesen, seine Champions-League-Saison war mit acht Toren für Red Bull Salzburg absolut vielversprechend. Schon ist er „der neue Dortmunder Superstar“, schreibt etwa die Bild-Zeitung.



Es wirkt allerdings nicht, als belaste ihn dies sonderlich. Ihm scheint eine ruhige, geradezu nordische Art geschenkt zu sein. „Was die Erwartungen angeht, mache ich mir keinen Kopf“, sagt Haaland, das sei normal bei einem Club wie dem BVB. Und: „Natürlich will ich mittelfristig auch etwas gewinnen. Ich will mich in allem verbessern, das Tor finden – und treffen.“

Der junge Norweger weiß also, was sich gehört. Im Interview mit dem BVB-TV kam ihm der vorgelegte Ruhrpott-Slang wie „Kawenzmann“ oder „Malocher“ recht flott über die Lippen, auch vom brisanten Derby im Revier hat er bereits gehört: „Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass ich Dortmund viel mehr mag als Schalke.“ Wie ist sein Deutsch bisher? „Sehr gut, oder?“, fragt er spontan zurück.

Erstaunlich ist, dass viele schon darüber reden, wann Haaland wieder weg sein wird. Der BVB war zuletzt häufig der Durchlauf-Erhitzer für Jungtalente wie Ousmane Dembele oder Christian Pulisic, bei Jadon Sancho könnte es ebenso kommen. Haaland soll eine Ausstiegsklausel für 2022 besitzen, obwohl der BVB ebendiese Klauseln nicht mehr einräumen wollte. „Ich sage nichts zu Vertragsdetails“, erklärt Haaland dazu: „Ich habe gerade beim BVB unterschrieben.“

Bleibt die Frage: Wann spielt er das erste Mal? Bis zum Rückrundenstart beim FC Augsburg waren es am Freitag, an dem sich Haaland erstmals in einer Medienrunde präsentierte, noch acht Tage. Er „hoffe doch“, dann nach Knieproblemen spielen zu können: „Ich fühle mich gesund. Ich werde alles geben, um dabei zu sein.“ Dann wird der Hype womöglich erst richtig losgehen.