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Hamburger SV
Mit Brühwurst zum Befreiungsschlag

Trainer Bernd Hollerbach hat beim HSV einen schwierigen Job übernommen.
Trainer Bernd Hollerbach hat beim HSV einen schwierigen Job übernommen. FOTO: Daniel Reinhardt / dpa
Hamburg. (sid) Für einen Knochenjob im Abstiegskampf braucht man richtig Schmackes – dachte sich auch Rudi Hollerbach, der Vater von Bernd Hollerbach. Und schickte seinem Filius aus der familieneigenen Metzgerei in Franken einen frischen Ring Brühwurst zur Stärkung ins ferne Hamburg. Ein Edel-Fan überreichte die „zünftige Überraschung“ (Hamburger Morgenpost) nach einer intensiven Trainingseinheit, in der der 48 Jahre alte Trainer sein abstiegsgefährdetes Team auf das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund vorbereitet hatte.

Frische Energie können Hollerbach Junior und der HSV bestens gebrauchen. Beim BVB soll an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) endlich der Knoten platzen, die wieder ernsthaft abstiegsbedrohten Hamburger warten mittlerweile schon seit acht Partien auf einen Sieg. „Ich denke, man hat in jedem Spiel eine Chance“, sagte der HSV-Coach mit einem Funken Optimismus in der Stimme. In den vergangenen Jahren haben die Norddeutschen schon wichtige Erfolge gegen Dortmund eingefahren. 2014, damals nach sechs Spieltagen noch komplett ohne Sieg, entführte der Bundesliga-Dino mit einem 1:0 alle drei Punkte aus Westfalen. 2015 gelang ein befreiendes 3:1 vor eigenem Publikum. Doch zuletzt siegte der BVB viermal. Eine Fortsetzung der Negativserie würde die stark angespannte Situation beim Tabellen-17. noch einmal verschärfen. Schon jetzt beträgt der Rückstand des Vorletzten auf den Relegationsplatz drei Punkte. „Ich bin erst seit zwei Wochen da“, sagte der HSV-Trainer: „In dieser Zeit haben wir zwei Punkte geholt. Natürlich hat die Mannschaft nicht vor Selbstvertrauen gestrotzt, aber sie glaubt an sich und hat auch nach einem Rückstand gefightet.“

Sportlich läuft es bei den Hamburgern weiter alles andere als rund, hinzu kamen in den vergangenen Wochen einmal mehr Schlagzeilen aus dem Club-Inneren. Die als „Putschversuch“ oder „E-Mail-Affäre“ bekannt gewordene Posse um Aufsichtsrat Felix Goedhart spielte Club-Boss Heribert Bruchhagen am Donnerstag herunter.

„Welcher Aufsichtsrat stellt sich nicht die Frage: ‚Haben wir den richtigen Trainer, den richtigen Sportchef, den richtigen Vorstandschef?’“, sagte der 69-Jährige, der sich am Montag mit Goedhart „ausgetauscht“ hat. In der Vorwoche war bekannt geworden, dass Goedhart per E-Mail versucht hatte, eine Mehrheit im Aufsichtsrat für eine Ablösung von Bruchhagen und Sportchef Jens Todt zu bekommen. Dies gelang trotz der schwachen Zwischenbilanz nicht.



Produktive Ruhe wird rund um den Volkspark aber erst wieder bei einem sportlichen Aufwärtstrend einkehren. Diesen hofft Bernd Hollerbach mit seinem Team schon am Samstag anstoßen zu können. Gut gestärkt für die Aufgabe ist er ja – dank der Brühwurst von Papa Rudi.