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Klassiker Schalke-Bayern steht an
Aufbruchstimmung darf nicht umkippen

München. FC Bayern braucht im Klassiker bei Schalke 04 einen Sieg. Neue Liga-Attraktion Coutinho wohl nur mit Kurzeinsatz. sid

Die lustigen Münchner Reise-Tipps „unter uns Brasilianern“ kamen aus dem fernen Rio de Janeiro. „Zieh dich warm an im Winter. Lerne ‚Mia san mia‘ zu sagen. Und kauf dir eine gute Lederhose“, riet Rafinha seinem Landsmann Philippe Coutinho schmunzelnd.

Viel Zeit, die vielen Ratschläge des langjährigen Bayern-Profis umzusetzen, dürfte der neue Topstar des deutschen Fußball-Rekordmeisters erst einmal nicht haben. Der 27 Jahre alte Brasilianer hat nach seinem spektakulären Wechsel vom FC Barcelona nach München noch einigen Nachholbedarf in Sachen Fitness.

Deswegen werden die Fans an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) wohl auch nur einen Kurzauftritt von Coutinho zu sehen bekommen. Trainer Niko Kovac (47) zog im Hype um die neue Liga-Attraktion schon am Donnerstag die Bremse – und dämpfte die riesigen Erwartungen an den „kleinen Magier“. „Auch wenn viele wollen, dass er gleich spielt: Wir werden ihn nicht verheizen“, betonte er vor dem Auswärts­spiel der Münchner beim FC Schalke 04. Zwar steht Coutinho erstmals im Kader des deutschen Rekordmeisters. Aber er sei „noch nicht auf dem Fitnessniveau, das er braucht, um von Beginn an oder 90 Minuten zu spielen. Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagte Kovac.



Erst am Dienstag absolvierte der prominente Zugang sein erstes Training bei den Bayern. Zuvor hatte er durch seine Teilnahme an der Copa América große Teile der Vorbereitung verpasst und war erst vor zwei Wochen in die Saison gestartet. Das reicht Kovac nicht. Ärger droht deshalb nicht. Coutinho sei „nicht der Typ, der eine Sonderstellung möchte. Er ist ein Weltklasse-Fußballer, aber auch ein sehr ruhiger, bescheidener und demütiger junger Mann“, schilderte der Bayern-Coach seine ersten Eindrücke. Coutinho brauche auch „keinen Glamour. Wir müssen nichts für ihn implementieren, sondern ihn integrieren“.

Und das soll nach und nach geschehen. Auch die damit verbundene Umstellung des Systems, in dem ein klassischer Zehner bisher nicht vorgesehen war, stellt für Kovac kein Problem dar. „Wir können das anpassen. Wir werden das schon hinbekommen, dass wir in jedem Spiel die richtige Mannschaft und das richtige System haben“, sagte er mit einem Lächeln.

Mit der spektakulären Verpflichtung von Coutinho steigt jedoch auch der Druck auf den Trainer. Nach der Niederlage im Supercup (0:2) bei Herausforderer Borussia Dortmund und dem Bundesliga-Stolperstart gegen Hertha BSC (2:2) muss Kovac schnell liefern - ansonsten könnte die aktuelle Aufbruchstimmung schnell kippen.

Ausreden gibt es keine mehr. Rafinha sieht die Bayern mit Coutinho nun „näher dran an den vielen Top-Teams in Europa“. Coutinho sei nach dem Aus von James genau „der Topstar im Mittelfeld, den die Bayern brauchen“, sagte er. Auch Kovac zeigte sich mit seinem Kader „sehr zufrieden. Das haben die Chefs sehr gut gemacht. Jetzt müssen wir schauen, dass wir mit diesem Kader die Ziele verwirklichen können“, sagte der Kroate.

An Kovac liegt es nun, die vielen Stars bei Laune zu halten. Gerade im Mittelfeld herrscht großes Gedränge – Konfliktpotenzial inklusive. Den unzufriedenen Renato Sanches sind die Bayern zumindest schon los. Sein Wechsel zum OSC Lille ist seit gestern perfekt. Die Zukunft von Verteidiger Jérôme Boatengs ist unterdessen weiter offen.

Neben Coutinho stehen auf Schalke erstmals auch Ivan Perisic und Michael Cuisance zur Verfügung. Zudem drängt der lange Zeit verletzte Weltmeister Lucas Hernández ins Team. Verzichten müssen die Bayern weiter auf Nationalspieler Leon Goretzka, zudem fehlen die erkrankten Boateng und Jann-Fiete Arp.