| 23:28 Uhr

Fußball-Bundesliga
Kießling droht eine künstliche Hüfte

Leverkusens Stefan Kießling hatte in den letzten Monaten nur noch selten Grund zum Jubeln.
Leverkusens Stefan Kießling hatte in den letzten Monaten nur noch selten Grund zum Jubeln. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Leverkusen. Der frühere Nationalspieler beendet am Samstag seine Karriere. Auf diese ist der Leverkusener „superstolz“.

Dass er in einigen Jahren wohl ein künstliches Hüftgelenk brauchen wird, ist Stefan Kießling bewusst. „Ich bin in jedem Fall gefasst darauf“, sagt der Ex-Nationalspieler im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: „Im Moment denke ich bewusst noch nicht darüber nach. Aber wenn die Schmerzen nach dem Karriereende nicht weniger werden sollten, muss ich mir darüber Gedanken machen.“

15 Jahre Profi-Fußball haben ihre Spuren hinterlassen. Kießling hat sich nie geschont. Zwischenzeitlich hatte er die meisten Zweikämpfe aller Spieler in den Top-5-Ligen Europas bestritten. Ein Knorpelschaden und Arthrose im Hüftgelenk quälen ihn heute. Nach hartem Training oder längeren Einsätzen kann er sich am nächsten Morgen vor Schmerzen kaum die Schuhe binden.

Und deshalb hält sich die Wehmut des 34-Jährigen vor seinem 403. und letzten Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Hannover 96 in Grenzen. „Ich werde alles in mich aufsaugen und es wird sicher hochemotional werden“, sagt der Bundesliga-Torschützenkönig von 2013: „Natürlich werde ich auch Dinge vermissen. Aber die schmerzende Hüfte sagt mir: Es ist der richtige Zeitpunkt.“



Viele haben ihm geraten, schon im vergangenen Sommer aufzuhören. „Aber da wäre es schwierig gewesen, weil es vorher nicht klar war und somit kein bewusster Abschied gewesen wäre.“ Deshalb hat er ein Jahr drangehängt, in dem er sportlich nur Ergänzungsspieler war, als Führungsspieler in der Kabine aber dennoch eine wichtige Rolle eingenommen hat. „Körperlich war das zusätzliche Jahr eine Quälerei, meinem Körper habe ich damit sicher keinen Gefallen getan“, sagt er.

Insgesamt ist er im Rückblick auf seine Karriere „superstolz. Ich habe zwölf Jahre in einem Top-Club gespielt, war mehr als zehn Jahre Stammspieler. Ich wurde Torschützenkönig, habe für mein Land bei einer WM gespielt und bin Dritter geworden, stand im Pokalendspiel, wurde Vizemeister - ich denke, auf all das darf man stolz sein.“

Doch ein Titel blieb ihm verwehrt und sechs Länderspiele sind für einen Torjäger mit seiner Vita wenig. Vor fünf Jahren forderten Fans, Experten und Medien lautstark seine Nominierung, doch für Bundestrainer Joachim Löw passte der Franke nicht ins System. „Es hat sich ehrlich gesagt durchaus auch gut angefühlt, dass die Menschen mich in der Nationalmannschaft sehen wollten. Nur der Bundestrainer wollte mich eben nicht“, sagt Kießling heute. Löws Ablehnung hat er akzeptiert: „Doof für mich war nur, dass er das nie öffentlich gesagt hat und das Thema immer wieder unnötig aufkam.“

Ob Löw ein Problem mit ihm hatte? „Da müssen Sie ihn fragen. Ich hatte keine Probleme mit ihm. Ich war ja auch nur ein kleiner Fisch im Teich, war nur selten dabei. Und ich war sicher kein Stinkstiefel“, beteuert Kießling. Gerüchte über einen Disput bei der WM 2010 bestreitet er nicht gänzlich. „Natürlich war ich unzufrieden, denn ich hätte gerne mehr gespielt“, sagt er: „Aber ich habe nichts angestellt oder gegen den Trainer geschossen.“

Auf die US-Reise 2013, für die er wohl nominiert worden wäre, verzichtete er freiwillig. Was er nicht bereut. „Warum auch?“, fragt er: „Als Notnagel ohne Aussicht auf eine Perspektive - das musste nicht sein. Da war der Urlaub schöner.“

Insgesamt galt Kießling immer als untadeliger Sportsmann. Nur nach seinem Phantomtor 2013 in Hoffenheim beschimpften ihn viele, weil er angeblich gesehen habe, dass der Ball nicht im Tor. „Da haben Leute in einer Art und Weise über mich geredet, das geht gar nicht“, sagt er und versichert: „Plötzlich lag der Ball im Tor – wie er dahingekommen ist, habe ich nicht gesehen.“

Nach Samstag will Kießling erst einmal eine Auszeit nehmen und reisen. Im Herbst fängt er dann wieder bei Bayer an. In welcher Funktion, ist noch offen. Ob ihm der Jubel der Fans fehlen wird, „kann ich in zwei, drei Jahren beantworten. Aber ich glaube nicht. Ich war immer fannah, aber ich brauche das Rampenlicht nicht. Ich habe nichts dagegen, in Zukunft ruhig zu leben.“