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Fußball-Bundesliga
Hütter soll der Eintracht Flügel verleihen

Der neue Eintracht-Trainer Adolf „Adi“ Hütter gilt als Verfechter eines bedingungslosen Offensivfußballs.
Der neue Eintracht-Trainer Adolf „Adi“ Hütter gilt als Verfechter eines bedingungslosen Offensivfußballs. FOTO: dpa / Anthony Anex
Frankfurt. Die Verpflichtung des Österreichers verlief geräuschlos — und sie ergibt Sinn. Der 48-Jährige hat sich einen Namen gemacht.

Zwei Millimeter. Aber Adi Hütter hält nun mal Wort. „Das war eine Wette mit meinem Assistenten“, sagte der künftige Trainer von Eintracht Frankfurt über seine neue, raspelkurze Frisur. Die ist eigentlich gar nicht so gewöhnungsbedürftig, „denn ich habe ja ohnehin nicht mehr so viele Haare“ – und trotzdem zeichnet sie den Österreicher irgendwie aus.

Denn der 48-Jährige zieht knallhart durch, was er sich vornimmt. Auch deshalb wird er ab der kommenden Saison auf der Bank der Hessen sitzen, die er im Falle eines Triumphs am Samstagabend gegen den FC Bayern München (20 Uhr/Sky und ARD) als DFB-Pokal-Sieger und Europa-League-Teilnehmer übernimmt. „Ich hatte mir geschworen“, verriet der 48-Jährige, „nie mehr ein passendes Angebot aus der Fußball-Bundesliga abzulehnen“. Gesagt, getan.

Am Main unterzeichnete Hütter, der als Spieler einmal eine lukrative Offerte des damaligen Erstligisten 1860 München ausgeschlagen hatte, einen Vertrag bis zum 30. Juni 2021. Der Weg nach Deutschland war vorgezeichnet – nicht unbedingt seiner Geradlinigkeit, sondern vielmehr seiner Erfolge wegen. Im Profibereich machte der ehemalige Nationalspieler erstmals beim SV Grödig auf sich aufmerksam, den er nach dem Aufstieg sensationell in den Europacup führte. Danach ging es zu RB Salzburg, Hütter holte das Double und überwarf sich mit einem gewissen Ralf Rangnick wegen dessen Personalpolitik. „Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer“, schimpfte Hütter damals. Rangnick ist heute Sportchef bei RB Leipzig und gilt immer noch als schwierig. Die gerade erst vollzogenene Trennung von Trainer Ralph Hasenhüttl unterstreicht das.



Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Young Boys Bern benötigte Adi Hütter drei Jahre Anlauf, um Geschichte zu schreiben. „Ich habe bei den Young Boys drei wunderbare Jahre erlebt und mich extrem wohl gefühlt. Ich werde diese Zeit immer in bester Erinnerung behalten“, sagte Hütter. Die Meisterschaft in dieser Saison war für die Berner die erste seit 32 Jahren, zudem steht der Verein im Finale des Pokalwettbewerbs (am 27. Mai gegen den FC Zürich). In der Hauptstadt wird Hütter verehrt, die Fans sehen in ihm den „Trainer-Gott“, die Verantwortlichen bedauern seinen Abgang.

„Emotional habe ich immer gehofft, dass wir ihn halten können. Rational habe ich aber gewusst, dass es schwierig wird, wenn so ein Traditionsverein kommt“, sagte Berns Sportdirektor Christoph Spycher, der selbst fünf Jahre das Adler-Trikot trug und Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic gratulierte: „Adi ist eine sehr gute Wahl.“

Sehr gut war auch das Vorgehen von Bobic, der bis zuletzt keinerlei Namen kommentiert hatte und mit der Verpflichtung von Hütter in gewisser Weise einen Coup landete. Nach der geräuschvollen Bekanntgabe des Wechsels von Niko Kovac nach München vollzog sich der Hütter-Transfer diskret, letzte Details hatten die Parteien wohl erst unlängst geklärt. „Adi ist ein echter Fußball-Fachmann, der diesen Sport durch und durch lebt. Seine Vita ist beeindruckend, denn er hat nachhaltig bei mehreren Clubs bewiesen, dass er mit harter Arbeit auch aus geringen Möglichkeiten das Optimum herausholen kann. Er passt daher perfekt zu unserem Club“, sagte Bobic.

Als die Berner Spieler ihre Meisterschaft in Barcelona feierten, reiste Hütter nach Berlin. Zu Bobic? „Es war ein schöner Ausflug, ich möchte kein Geheimnis draus machen“, verriet Hütter. Amsterdam und Mallorca standen (als Reiseziele) ebenfalls zur Debatte, doch am Ende wurde es Deutschland. „Wenn man A sagt“, meinte Hütter einmal, „muss man auch B sagen.“ Das hat er nun getan.