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FC Bayern München
Mindestens acht Spiele mit Hansi Flick

 Mehr als eine Übergangslösung? Münchens Interimstrainer Hansi Flick.    Foto: Balk/dpa
Mehr als eine Übergangslösung? Münchens Interimstrainer Hansi Flick. Foto: Balk/dpa FOTO: dpa / Matthias Balk
München. Hansi Flick wird bis Weihnachten als Cheftrainer auf der Bayern-Bank sitzen – „mindestens“. Der neue Präsident beauftragt den Vorstand, „in Ruhe den richtigen Trainer“ zu suchen. Im Raum steht auch Pep Guardiola.

Am Länderspiel-Wochenende konnte Hansi Flick nochmal durchpusten. Auf den akribischen Arbeiter kommt beim FC Bayern eine intensive Zeit zu, nachdem ihn Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem „spektakulär gelungenen Neustart“ nach der Trennung von Niko Kovac beim Uli-Hoeneß-Abschied unter dem Beifall der Mitglieder zum Cheftrainer für mindestens acht weitere Spiele ausrief. Mit dieser Entscheidung verschafft sich der deutsche Fußball-Rekordmeister Zeit bei der schwierigen Trainersuche. Sogar eine Zusammenarbeit mit Flick als Chefcoach bis Saisonende ist zu einer Option geworden.

Flicks Bis-auf-Weiteres-Status wurde neu definiert. „Wir haben entschieden, dass bis auf Weiteres mindestens bis Weihnachten heißt und möglicherweise darüber hinaus“, verkündete Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung.

Es war eine logische Ankündigung, da große Lösungen für eine dauerhafte Kovac-Nachfolge kurzfristig nicht zu realisieren sind. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Sogar eine spektakuläre Rückholaktion von Pep Guardiola steht im Raum. Der neue Präsident Herbert Hainer bezeichnete den bei Manchester City beschäftigten Katalanen nach seiner Wahl als „super Trainer“.



Guardiola tauchte sogar plötzlich auf der Versammlung auf – in einem Videoeinspieler. „Du bist jetzt schon eine Legende in diesem Club. Dein Pep. Uli. Servus“, sprach Guardiola. Hoeneß hatte den Spanier 2013 nach München gelotst. Angesprochen auf Guardiola verordnete sich Hoeneß als Ex-Präsident Zurückhaltung: „Vor drei Tagen hätte ich die Frage vielleicht noch beantwortet. Jetzt werde ich so etwas überhaupt nicht beantworten. Ich fühle mich nicht autorisiert, in der Position, die ich jetzt habe, solche Gedanken zu artikulieren.“

Rummenigge, Salihamidzic und der offiziell am 1. Januar 2020 beginnende Vorstands-Neuzugang Oliver Kahn sind am Zug. Den Wunsch eines Mitglieds, Guardiola zurückzuholen, kommentierte Hainer aber bemerkenswert. „Der Vorstand wird versuchen, den besten Trainer zu bekommen.“ Der müsse „aber auch verfügbar sein“, schränkte der Präsident ein. Guardiola habe „bei Manchester City einen Vertrag“.

Der läuft bis 2021. Die Verfügbarkeit ist auch bei weiteren Trainern auf der Shortlist wie Erik ten Hag (Ajax Amsterdam/Vertrag bis 2022) oder Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain/2021) eine Hürde. In der schnelllebigen Fußballwelt verändern sich Dinge aber oft rasant.

Siehe Flick. „Hansi hat etwas geschafft, was nicht so einfach ist, wenn man tief im Schlamassel steckt“, lobte Rummenigge nach den zwei Zu-Null-Siegen gegen Olympiakos Piräus (2:0) und besonders Borussia Dortmund (4:0). „Ich finde, Hansi hat eine imponierende Vorstellung von Training, von Taktik. Und er hat einen sehr guten Umgang mit den Spielern. Er ist empathisch. Mir gefällt sein sympathisches Auftreten. Ich sage voller Überzeugung: Wir vertrauen Hansi Flick.“

Der einstige Joachim-Löw-Assistent mochte sich zu seiner längeren Beförderung und Rummenigges Lob am Wochenende nicht äußern. Er konzentriert sich weiter entspannt auf seine Arbeit, die ihm viel Spaß bereitet. Er spürt einen großen Hunger im Team. Allerdings geht sein Cheftrainer-Alltag erst jetzt richtig los. Rummenigge mahnte, „dass wir mit der Situation nicht zu euphorisch umgehen. Wir sind nicht über Nacht in den Schlamassel hineingeraten.“

Fortuna Düsseldorf, Roter Stern Belgrad, Bayer Leverkusen und das Topspiel beim Liga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach lauten die nächsten Aufgaben.