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Nach Sieg bei Ex-Club
Erleichterter Stöger: „Froh, dass es vorbei ist“

Hat nach dem Sieg bei seinem Ex-Club Köln gut Lachen: BVB-Coach Peter Stöger. Foto: Marius Becker
Hat nach dem Sieg bei seinem Ex-Club Köln gut Lachen: BVB-Coach Peter Stöger. Foto: Marius Becker FOTO: Marius Becker
Köln. Nach dem emotional schwersten Spiel seiner Karriere war Dortmunds Trainer Peter Stöger wieder ganz Kölner und stürzte sich in den Karneval. Von Holger Schmidt und Dietmar Fuchs, dpa

Rund 15 Stunden nach dem 3:2 (1:0)-Sieg mit dem BVB bei seiner alten Liebe 1. FC Köln feierte Stöger mit gelber Narrenkappe in einem Festzelt in der Südstadt beim „Kölschfest Viva Colonia“.

Der Österreicher, der als Schirmherr Spenden für krebskranke Kinder sammelte, wirkte entspannt und gelöst. Und hatte vielerlei Gründe dafür: Den erlösenden ersten Sieg 2018. Das überragende Debüt von Aubameyang-Nachfolger Michy Batshuayi. Die sportliche Wiederauferstehung von Weltmeister André Schürrle. Und vor allem die Tatsache, dass er die ungemein schwere Rückkehr ins Kölner Stadion, nur wenige Hundert Meter von seinem Haus entfernt, hinter sich gebracht hatte.

Am Vorabend wirkte Stöger sichtlich erschöpft und ausgelaugt. Gespielte Normalität kann eben ganz schön anstrengend sein. „Ich komme immer gerne hierher, aber heute war es schwierig“, sagte er mit brüchiger Stimme: „Und ich bin froh, dass das Spiel vorbei ist.“



Den ganzen Abend über hatten sich sowohl Stöger als auch alle Kölner Mühe gegeben, das „ganz besondere“ Spiel so normal wie möglich erscheinen zu lassen. Die nicht all zu lauten, aber doch deutlich vernehmbaren Pfiffe gegen ihn trafen den empathischen Stöger dann doch ins Herz. „Einige sind offenbar froh, dass ich weg bin“, sagte er: „Aber ich habe niemandem etwas gestohlen.“

Nach dem erlösenden Schlusspfiff des packenden Spiels beim Tabellenletzten jubelte Stöger nicht. Er klatschte artig jeden ab und ging sofort in die Kabine, wo er sich erst einmal sammeln musste. „Das war kein Spiel für schwache Nerven“, sagte er. Und sprach sicher nicht nur von der außergewöhnlichen Dramaturgie.

Zweimal hatten die Dortmunder durch den erst zwei Tage zuvor vom FC Chelsea geliehenen Batshuayi geführt (35./62. Minute), zweimal hatten die Kölner durch Simon Zoller (60.) und Jorge Meré (69.) ausgeglichen. Ehe ausgerechnet der zuletzt so enttäuschende Schürrle zum Matchwinner wurde (84.). Von Torschützenkönig Aubameyang, der mit ständigen Provokationen seinen Wechsel zum FC Arsenal durchgesetzt hatte, sprach am Freitag in Köln kaum noch jemand.

Seinem Neuzugang Batshuayi konstatierte Stöger „ein gutes Gesamtpaket“. Der Belgier sah in seinen Toren keine hohe Kunst. „Das muss ein Stürmer können“, sagte er. Und hatte eine ebenso lapidare Erklärung, warum es zwischen ihm und dem BVB offenbar gut passt: „Schwarz und Gelb - das sind meine Lieblingsfarben. Denn ich liebe Batman und Spongebob.“ Schürrle erklärte derweil, von ihm sei nach dem ersten Saisontor „eine Menge Ballast“ abgefallen.

Das galt auch für Stöger. Die Fragen nach vielen Nebenschauplätzen wie dem schwierigen Verhältnis zu Nachfolger Stefan Ruthenbeck „haben viel Platz eingenommen“, sagte er. Nun kann sich der 51-Jährige auf seine Hauptaufgabe konzentrieren: Den BVB in die Champions League führen. Unabhängig davon, ob er dann in der nächsten Saison noch dabei sein wird.

Dem FC wünschte er zum Abschied alles Gute. „So spielt definitiv kein Absteiger“, sagte er, bewusst und fast ein wenig beschämt über die schwere Hypothek, die er nach vier erfolgreichen Jahren hinterlassen hat: „Sie hatten ja leider einiges aufzuholen.“

Das wurde den Kölnern auch zum Verhängnis. Denn nach dem zweiten Ausgleich setzten sie voll auf Sieg - und liefen ins offene Messer. „Wir waren zu euphorisch. Und Dortmund hat das brutal bestraft“, erklärte Ruthenbeck. Der am Samstag den nächsten Nackenschlag hinnehmen musste: Durch den 2:1-Sieg von Bremen auf Schalke ist der Rückstand auf Relegationsrang 16 auf sieben Punkte angewachsen.

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