| 20:40 Uhr

FSV Mainz 05
Mainz 05 kämpft um Vereinsstatus

Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder fordert mehr Selbstbewusstsein auf allen Vereinsebenen.
Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder fordert mehr Selbstbewusstsein auf allen Vereinsebenen. FOTO: dpa / Timm Schamberger
Mainz. Wirtschaftlich geht es für Mainz 05 immer weiter nach oben, sportlich droht vor dem Gastspiel der Bayern die Fortsetzung der Ergebniskrise. Die Drohung des Amtsgerichts Mainz, dem Verein die Gemeinnützigkeit zu entziehen, sorgt zudem für Unruhe.

Den nötigen Zuspruch in der Ergebniskrise bekamen Sandro Schwarz und der versammelte Profikader von Mainz 05 bei der Mitgliederversammlung. „Die Jungs zerreißen sich, sie verausgaben sich komplett“, rief der 40-jährige Chefcoach den rund 400 gekommenen Mitgliedern zu und erntete viel Applaus. Trotz der der sportlich nicht befriedigenden Situation freut sich Schwarz auf die auf die Partie am Samstag (15.30 Uhr) gegen den deutschen Meister Bayern München. „Das ist der richtige Gegner. Die Außenseiterrolle reizt uns“, betonte er.

Die Bilanz von fünf sieglosen Spielen ohne eigenen Treffer passt nicht so recht zum unerschütterlichen Optimismus des 05-Trainers. „Wir alle müssen die tiefe Überzeugung vorleben“, sagte Schwarz und fordert Geduld, aber auch Unterstützung ein. Die kommenden Aufgaben sind anspruchsvoll. Nach Bayern geht es im DFB-Pokal am kommenden Dienstag nach Augsburg. Den Oktober beschließen die Mainzer mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen.

Der sportliche Erfolg hinkt momentan dem wirtschaftlichen Aufschwung hinterher. Mit dem Rekordumsatz von 114,1 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von 3,3 Millionen Euro nach Steuern präsentierte sich der FSV als kerngesundes Mitglied der Fußball-Bundesliga. Der Ausblick des kaufmännischen Vorstandes Jan Lehmann auf das laufende Geschäftsjahr sorgt für noch mehr Freude. Auch durch Transfererlöse für Abdou Diallo (28 Millionen Euro), Yoshinori Muto (12) und Suat Serdar (10) wird den Umsatz auf über 140 Millionen Euro ansteigen.



Derart gute Zahlen schmecken nicht allen. Der Aufsichtsratschef Detlev Höhne verriet, dass das Amtsgericht Mainz dem FSV eine Frist bis Mitte November gesetzt hat, um einen Ausgliederungsplan für die Profis vorzulegen. Bei Nichterfüllung wird die Löschung aus dem Vereinsregister angedroht. Höhne nennt das Ansinnen einen „unglaublichen Angriff auf die Selbstständigkeit der Mitglieder“.

„Wir Mitglieder sind die Eigentümer des Vereins, wir entscheiden über eine Ausgliederung“, betonte der Chef des Kontrollgremiums. Vorstand und Aufsichtsrat ließen sich diesen Angriff auf die Vereinsstruktur nicht gefallen, kündigte Höhne Widerstand an. „Wenn das Amtsgericht Mainz an seiner Auffassung festhält, stehen uns jede Menge rechtlicher Möglichkeiten zur Verfügung, bis hin zum Bundesverwaltungsgericht.“ Die Mainzer erwarten bei einem eventuellen Rechtsstreit die Unterstützung des DFB und der DFL.

Ins kämpferische Bild passt die Forderung von Sportchef Rouven Schröder nach mehr Selbstbewusstsein. „Der Verein hat viel geleistet in den letzten Jahren. Wir sind nicht mehr die kleinen Mainzer, wir müssen uns nicht verstecken. Das muss rein in die Köpfe“, sagte der 43-Jährige, der die Zusammenarbeit mit Trainer Schwarz hervorhob: „Er ist genau der Richtige.“

Zehn Jahre Bundesliga am Stück sorgen aber nicht für eine stets gut gefüllte Arena. Der Vereins- und Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann beklagte, dass seit dem Umzug 2011 kaum neue Fans gewonnen wurden. „Das ist eine erschütternde Erkenntnis.“ Für ein klares Leitbild seien Aussagen wie „wer wir sind, wofür wir stehen“ unerlässlich. Aus wenig viel zu machen sei eine der 05-Fähigkeiten. „Wir müssen anfangen, an unserer Tradition zu arbeiten“, sagte Hofmann.

Der Vereinsboss darf auf zusätzliche Einkünfte neben der Aufwandsentschädigung fürs Ehrenamt (3000 Euro) hoffen. Mit Zweidrittel-Mehrheit genehmigten die Mitglieder eine Satzungsänderung. Danach kann (nicht muss) der Aufsichtsrat dem Vorstandsvorsitzenden eine Vergütung genehmigen, wenn er Arbeitsleistungen im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb erbringt. Die Höhe liegt allein im Ermessen des Kontrollgremiums.