| 21:52 Uhr

FSV mit Remis gegen Hertha BSC
Mainzer Torlos-Fluch hält gegen die Hertha an

Wie will FSV-Trainer Sandro Schwarz die Torflaute beheben?
Wie will FSV-Trainer Sandro Schwarz die Torflaute beheben? FOTO: dpa / Thomas Frey
Mainz. Der FSV bleibt im eigenen Stadion ungeschlagen. Tore aber blieben beim 0:0 gegen Hertha BSC zum vierten Mal in Folge aus.

Langsam ist Sandro Schwarz als Psychologe gefragt. Vier Spiele ist der FSV Mainz 05 nach dem 0:0 am Samstag gegen Hertha BSC Berlin ohne eigenen Treffer. Insgesamt schossen die Rheinhessen in sieben Bundesligapartien nur vier Tore. 22 Torschüsse bilanzierte die Spielstatistik gegen die Berliner – wieder ohne Ertrag. Das nagt am Selbstvertrauen des stürmenden Personals. „Wir müssen geduldig bleiben. Wir müssen den Jungs Erfolgserlebnisse im Training schaffen“, sagte der 39-jährige Cheftrainer. Erster Gegner ist nach der Länderspielpause am 21. Oktober der nächste Bayern-Bezwinger: Borussia Mönchengladbach.

Zum Schwarzsehen hat Schwarz bei neun Punkten keinen Grund, wenngleich die Tordifferenz von 4:4 außergewöhnlich ist. Mainz stellt die beste Abwehr der Liga, aber auch den schwächsten Angriff. Es fehlt die Präzision, die Kaltschnäuzigkeit, vielleicht die Qualität. „Den Offensivgedanken, den wir hatten, und trotzdem den Laden hinten zusammen zu halten, das zeichnet uns aus“, lobte Schwarz. Dafür erhielt er Zuspruch von Kapitän Stefan Bell: „Es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir hinten so stabil sind. Wir haben den Gegner sehr weit von unserem Tor weggehalten.“ Ganz zur Freude von Robin Zentner, der den verletzten Florian Müller im Tor ersetzte.

Berlins Trainer Pal Dardai, der mit der „Alten Dame“ in der Vorwoche noch Meister Bayern München 2:0 bezwingen konnte, nahm den einen Punkt gerne mit, blieb aber im vierten Spiel gegen die 05er erneut torlos. „Pals Zufriedenheit ist das größte Kompliment“, meinte Schwarz. Der 05-Coach hatte sich für eine Mittelfeldraute mit dem als Ballfänger und -verteiler überragenden Pierre Kunde als Sechser entschieden, der ähnlich starke Ridle Baku und Jean-Philippe Gbamin besetzten die Halbpositionen und Jean-Paul Boetius gab in seinem ersten Einsatz von Beginn an den vielversprechenden Zehner.



In dieser Konstellation und mit den Spitzen Jean-Philippe Mateta und Jonathan Burkardt entwickelte das Mainzer Angriffsspiel vor nur 22 405 Zuschauern viel Dynamik und große Wucht – fußballerisch war es das Beste, was die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf bot, aber meist nur bis zur Strafraumgrenze. „Wir haben auch nicht die Brechstange ausgepackt, sondern weiter geduldig gespielt“, betonte Schwarz und beklagte: „Für den Aufwand, den wir betreiben, könnten es jetzt mehr als neun Punkte sein.

Die Chance, einmal aus elf Metern frei aufs Tor schießen zu können und damit den Torlos-Fluch zu beenden, wurde den Mainzern genommen. Ein klares und vom Berliner Verursacher Per Skjelbred eingeräumtes Foul („Ich treffe ihn zu 100 Prozent) an Burkardt (43. Minute) übersah der junge Schiedsrichter Daniel Schlager. Video-Assistent Benjamin Cortus meldete sich nicht aus dem Kölner Keller.

Schwarz war aufgebracht. „Wenn du diese Situation nicht siehst, dann brauchst du den Video-Assistenten auch nicht. Sonst regst du dich nur darüber auf. Das ist eine glasklare Fehlentscheidung“, sagte Schwarz und forderte eine deutlichere Regelung für die Interventionen aus der Zentrale der Video-Assistenten. „Fehler macht jeder. Aber es war halt ein Fehler. Da reicht die erste Einstellung, um das zu entscheiden“, meinte Sport-Vorstand Rouven Schröder und fügte an: „Den Strafstoß hätten wir aber auch erst noch verwandeln müssen.“