| 21:20 Uhr

Münchner können zuhause nicht mehr gewinnen
Bei den Bayern geht die Angst um

Die Blicke sagen alles: Während sich Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (li.) mit verkrampftem Gesichtsausdruck bei den Fans bedankt, verrät Thomas Müllers Miene nach dem 1:1 gegen den SC Freiburg fast schon Empörung.
Die Blicke sagen alles: Während sich Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (li.) mit verkrampftem Gesichtsausdruck bei den Fans bedankt, verrät Thomas Müllers Miene nach dem 1:1 gegen den SC Freiburg fast schon Empörung. FOTO: dpa / Matthias Balk
München. Eine Woche vor dem Spitzenspiel in Dortmund muss den Münchnern bange werden: Auch beim 1:1 gegen Freiburg findet das Team nicht aus der spielerischen Krise. Und dann kritisiert noch Thomas Müllers Frau Lisa Trainer Kovac. sid

Nach einem weiteren Offenbarungseid verließen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß beinahe fluchtartig ihre Logenplätze. Ein paar Minuten später tauchten die beiden Bosse von Bayern München im Kabinengang auf – mit versteinerter Miene. Einlassungen zum erschütternden 1:1 (0:0) gegen den SC Freiburg verkniffen sie sich. Tatsächlich muss Rummenigge und Hoeneß beim Anblick der Mannschaft zunehmend angst und bange werden.

Die, die redeten beim FC Bayern, klangen wie Spieler eines Abstiegskandidaten, denen außer Durchhalteparolen nicht mehr viel einfällt. „Es hilft nichts“, sagte Thomas Müller, „wenn wir jetzt auseinanderfallen. Wir müssen Flagge zeigen und uns zusammenreißen.“ Eine Woche vor dem Spitzenspiel bei Borussia Dortmund wissen die Münchner offensichtlich nicht mehr weiter: Die Selbstzweifel nehmen zu. „Das tiefe Selbstvertrauen, das fehlt uns im Moment“, bekannte Müller. Seine Frau sorgte für zusätzlichen Gesprächsstoff, als sie im sozialen Netzwerk Instagram gegen Trainer Niko Kovac stichelte. „Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat“, schrieb sie, als ihr Mann in der 71. Minute eingewechselt wurde.Thomas Müller fand die Aktion seiner Frau „nicht unbedingt super“, sagte er diplomatisch. „Es war aus der Emotion heraus. Sie liebt mich halt, was soll ich machen?“, ergänzte Müller. Kovac wollte sich nicht dazu äußern.

Am Sonntag berichtete der FC Bayern auf seiner Internetseite, dass Lisa Müller direkt nach der Partie auf Kovac noch in der Arena zugegangen sei, um sich für ihren Post zu entschuldigen. Kovac habe „die Entschuldigung angenommen“.



Seit inzwischen vier Pflichtspielen warten die Münchner auf einen Sieg in der heimischen Arena, nur die ersten beiden von sechs Liga-Heimspielen wurden gewonnen. Eventuelle Gedanken an eine europäische Super League sollten sich erst einmal erledigt haben – der FC Bayern verbreitet in seiner derzeitigen Verfassung nicht mal bei den vermeintlich Kleinen der Bundesliga Angst und Schrecken. Der ganze Wirbel scheint sowieso zumindest vorerst ein Sturm im Wasserglas. Bayern und Borussia Dortmund bestritten am Wochenende vehement, mitmachen zu wollen – vor allem widersprachen sie dem Eindruck, sie wollten dafür die Bundesliga verlassen. Von einer Absichtserklärung, die sie angeblich im November unterschreiben würden, wissen sie nach eigenen Angaben nichts.

Gegen Freiburg zeigten sich die Bayern einfallslos im Spielaufbau, es gibt keinen Masterplan – das Gefüge schien erschreckend instabil. Selbst Sportdirektor Hasan Salihamidzic konnte und wollte die offensichtlichen Defizite nicht kleinreden. „Träge ausgesehen“ habe das Spiel, „die Spritzigkeit, die Freude fehlt irgendwie“, zugleich beschleiche alle stets das „Gefühl, wenn der Gegner in unsere Hälfte kommt, dann ist das gefährlich“. Häufig trifft der Gegner auch, zu beobachten beim Tor von Nicolas Höler (89.) keine zehn Minuten nach der Führung der Münchner durch Serge Gnabry (80.).

Der Vorfall mit Müllers Frau passte ins Bild, bei Bayern stimmt derzeit wenig bis nichts. Sportdirektor, Trainer und Spieler scheinen überfordert mit der Aufgabe, die strukturellen und spielerischen Defizite abzuarbeiten, ratlos sind sie allemal. Auf die Frage, warum von den Fortschritten, die Kovac Woche für Woche in Aussicht stelle, nichts zu sehen sei, sagte Salihamidzic: „Das frage ich mich auch, das ist so leicht nicht zu beantworten.“ Tatsache ist: Kovac kann derzeit keine Lösungen für die Probleme anbieten.