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Philippe Coutinho beim FC Bayern
Alle wollen den „kleinen Magier“ sehen

 Bayerns neuer Brasilianer Philippe Coutinho macht nach dem Training bei den Bayern Selfies mit den vielen Anhängern, die zum Training kamen.
Bayerns neuer Brasilianer Philippe Coutinho macht nach dem Training bei den Bayern Selfies mit den vielen Anhängern, die zum Training kamen. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. 1500 Zuschauer kommen zum ersten Training von Philippe Coutinho beim FC Bayern München. sid

Philippe Coutinho hatte auch im heftigen Münchner Dauerregen großen Spaß. Der „kleine Magier“ verzauberte mit seinem außergewöhnlichen Ballgefühl und seiner Eleganz gleich im ersten Training am Dienstag die etwa 1500 Zuschauer an der Säbener Straße. Auch Niko Kovac beobachtete die Künste und die ersten Tore seines neuen Topstars in der 85-minütigen Einheit mit viel Freude.

Mit der spektakulären Verpflichtung des 27 Jahre alten Brasilianers, der nach seinem Einstand fleißig Autogramme schrieb, steigt auch der Druck auf den Trainer des FC Bayern. Nach der Niederlage im Supercup (0:2) bei Borussia Dortmund und dem Bundesliga-Stolperstart gegen Hertha BSC (2:2) müssen Kovac und sein Starensemble schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) im Auswärtsspiel bei Schalke 04 liefern – ansonsten könnte die aktuelle Aufbruchstimmung schnell kippen.

Die Erwartungshaltung ist riesig, die Bosse fordern nicht nur gute Ergebnisse, sondern auch Spektakel. Er sei „überzeugt, dass wir mit diesem Kader eine erfolgreiche Saison sehen werden. Die Fans werden Spaß haben, speziell mit der Offensive“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, bei dem Kovac weiter unter besonderer Beobachtung steht. Coutinho werde dem Bayern-Spiel „die spektakuläre Note geben“, ergänzte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.



Die Botschaft an Kovac, der bislang nicht unbedingt für begeisternden Offensivfußball stand, ist unmissverständlich. Salihamidzic bezeichnete es wohl auch deshalb als „große Aufgabe, den Trainer zu unterstützen, damit er den Kader dahin führt, wo wir hinwollen. Wir haben sehr große Ziele“. Und inzwischen auch einen ausreichend großen Kader, um diese Titelträume zu realisieren. „Wir sind total zufrieden mit dem Transfermarkt: Wir haben zwei Weltmeister aus Frankreich, einen Vizeweltmeister, einen frisch gebackenen Sieger der Copa América, dazu zwei talentierte Spieler“, betonte Rummenigge. Heißt: Alle Wünsche sind erfüllt, nun liegt es alleine an Kovac, diesen Luxuskader in Titelform zu bringen und die vielen Stars bei Laune zu halten.

Hatte sich der Trainer lange über zu wenige Feldspieler beklagt, so hat er nach den Transfers von Coutinho, Ivan Perisic von Inter Mailand und Mickaël Cuisance von Borussia Mönchengladbach gerade im Mittelfeld ein Überangebot. Für maximal fünf Positionen gibt es in Thiago, Javi Martínez, Kingsley Coman, Serge Gnabry, Coutinho, Perisic, Thomas Müller, Corentin Tolisso, Leon Goretzka, Renato Sanches, Cuisance und Alphonso Davies zwölf (!) Kandidaten. Da sind Konflikte programmiert.

Schon nach dem Bundesliga-Auftakt hatte Sanches seinen Unmut über zu wenig Spielzeit öffentlich gemacht – und war daraufhin von Rummenigge abgewatscht und mit einer Geldstrafe belegt worden. Es dürfte spannend werden, wie sich Cuisance verhält: Der 20 Jahre alte Franzose forderte in Gladbach eine Stammplatzgarantie, bekam diese aber nicht und provozierte daraufhin seinen Abschied. In München dürfte Cuisance von einem festen Platz jedoch weiter entfernt sein als je zuvor bei der Borussia.

Coutinho, der am Dienstag um 11.23 Uhr erstmals den Trainingsplatz in München betrat, ist dagegen gesetzt – am liebsten wäre er es auf der „Zehn“. Diese Position gibt es im von Kovac bevorzugten 4-1-4-1 oder 4-3-3 allerdings nicht. Coutinho wollte sich damit aber nicht groß befassen. Er stehe auf allen Positionen „zur Verfügung“, sagte er vielmehr bescheiden und versprach: „Ich werde immer mein Bestes geben.“ Ein Attribut, das auch Liverpools Trainer Jürgen Klopp an Coutinho zu schätzen wusste. „Er ist ein Superspieler und ein Supertyp. Wir haben ihn damals nur sehr ungern abgegeben“, sagte Klopp beim Sport Bild Award und fügte schmunzelnd an: „Barcelona hat uns sozusagen mit Geld gezwungen. Es klingt komisch, aber wir konnten ihn uns nicht leisten.“