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Fußball-Bundesliga
Die erste große Coutinho-Show

 Die Kollegen versammeln sich um den Dreifach-Torschütze Philippe Coutinho (Mitte), lassen ihn hochleben.
Die Kollegen versammeln sich um den Dreifach-Torschütze Philippe Coutinho (Mitte), lassen ihn hochleben. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Der Brasilianer präsentiert sich beim 6:1 des FC Bayern gegen Bremen zum ersten Mal als echter Weltklassespieler. sid

Mit Töchterchen Maria auf dem Arm schritt Philippe Coutinho über den Rasen und ließ die Begeisterung über seinen Gala-Auftritt auf sich wirken, strahlte übers ganze Gesicht. Endlich hatte der Brasilianer einen echten Nachweis dafür geliefert, warum Bayern München ihn im Sommer als Ausnahmespieler ankündigte. Drei Treffer, einer schöner als der andere, dazu zwei Torvorlagen: Das 6:1 (2:1) gegen ein hilfloses Werder Bremen war eine wahre Coutinho-Show.

In den Mittelpunkt stellen wollte sich der 27-Jährige allerdings nicht. „Es war eine starke Leistung von uns allen. Jeder kann stolz darauf sein, was wir gezeigt haben“, sagte Coutinho. Dagegen trat Robert Lewandowski trotz seiner Saisontore 17 und 18 (45.+4 und 72. Minute), mit denen er in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste mit Jupp Heynckes (220) gleichzog, freimütig einen Schritt zurück: „Das war sein Spiel, das war überragend.“

Allgemein war beim Rekordmeister die Erleichterung darüber spürbar, dass der Königstransfer des Sommers nun die Dividende abzuwerfen scheint, die man sich vom einjährigen Leihgeschäft mit dem FC Barcelona über 8,5 Millionen Euro erwartet hat. „Ich freue mich unheimlich für ihn, dass der Knoten geplatzt ist“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Vorerst rückte der Brasilianer nur wegen der Verletzung von Kingsley Coman (Kaspeleinriss im Knie) in die Mannschaft, Lewandowski aber betonte: „Wir brauchen so einen Spieler.“



Vor allem wird der FC Bayern Coutinho in einer solchen Verfassung im Frühjahr benötigen – dann, wenn die Titel vergeben werden. Und erst dann wird vermutlich auch die Entscheidung darüber fallen, ob die Münchner tatsächlich 120 Millionen Euro locker machen, um den Offensiv-Star fest zu verpflichten. Oder kommt Barça den Bayern bei der Kaufsumme entgegen, weil die Katalanen keine Verwendung für Coutinho haben, wie die Bild am Sonntag nun spekulierte?

„Wir haben eine Klausel im Vertrag, die wir bis Ende Mai ziehen müssen. Die Zeit nehmen wir uns“, sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Sollte Coutinho aber konstant jenen kreativen Weltklassespieler verkörpern, der er am Samstag war, müssen die Bayern wahrscheinlich nicht lange überlegen. „Wenn man sich das Spiel anschaut, würde ich empfehlen, dass wir ihn holen“, sagte David Alaba.

Coutinho mag sich mit seiner Zukunft noch nicht beschäftigen, jedenfalls nicht öffentlich. „Es ist dafür nicht der richtige Zeitpunkt. Jetzt geht’s darum, bereit für die Spiele zu sein“, sagte er ausweichend. Im Moment zählen Taten für ihn mehr als Worte. Kapitän Manuel Neuer kann sich zumindest vorstellen, dass Coutinho gerne sesshaft werden würde: „Ich glaube, dass er sich beim FC Bayern sehr wohl fühlt.“

Gegen Bremen gelang ihm als erstem Brasilianer seit Giovane Elber im Mai 2003 ein Dreierpack (45./63./78.) beim FC Bayern. Insbesondere der elegante Heber zum 3:1 und der formvollendete Schlenzer zum 6:1 hinterließen Eindruck. Doch nicht nur seine Abschlüsse überzeugten, er legte einmal für Lewandowski und auch für Thomas Müller (75.) auf. Unter Trainer Hansi Flick, dessen Engagement mindestens bis zum Sommer mit Leistungen wie gegen Werder immer wahrscheinlicher wird, hat Coutinho bereits mehr Torbeteiligungen geliefert als in deutlich mehr Spielen zuvor unter Niko Kovac.