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Formel 1
Erst noch „abwarten und Tee trinken“

An Selbstbewusstsein hat es dem Niederländer Max Verstappen vom Team Red Bull Racing noch nie gemangelt. Und auf der Strecke kennt das 20-jährige Rauhbein keine Freunde.
An Selbstbewusstsein hat es dem Niederländer Max Verstappen vom Team Red Bull Racing noch nie gemangelt. Und auf der Strecke kennt das 20-jährige Rauhbein keine Freunde. FOTO: Vincent Thian / dpa
Melbourne. Der 20-jährige Max Verstappen gilt als legitimer Nachfolger der Formel-1-Giganten Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Für viele Experten ist der junge Niederländer nun reif für den WM-Titel. Falls sein Renault-Motor mitspielt.

(sid) Max Verstappen hat in der Formel 1 einen Ruf wie Donnerhall. Wüsste man es nicht besser, müsste man annehmen, der Niederländer wäre bereits vielmaliger Weltmeister und nicht erst auf dem Weg dorthin. Verstappen hat mit seinen zarten 20 Jahren bereits 60 Formel-1-Rennen und bemerkenswerte drei Grand-Prix-Siege auf dem Konto. Am stets kompromisslos schnellen und bisweilen auch kompromisslos rüden „Mad Max“ dürfte mittelfristig in der Motorsport-Königsklasse kein Weg vorbeiführen.

Die jeweils viermaligen Weltmeister Lewis Hamilton (33) und Sebastian Vettel (30) haben den ehrgeizigen Red-Bull-Piloten bereits für die am Sonntag (7.10 Uhr MESZ/RTL) beginnende Saison 2018 dick auf dem Zettel. So erklärte Hamilton zuletzt: „Jeder hat gesehen, dass Max das Zeug zum Weltmeister hat.“

Doch trotz solcher Lobeshymnen von höchster Stelle stapelt Verstappen bei jeder Frage nach seinen Titelchancen tief. Den Satz „We have to wait and see“ (frei übersetzt: „Abwarten und Tee trinken“) sagte er in Melbourne sogar noch ein wenig häufiger als üblich.



Dabei ist Abwarten eigentlich nicht seine Stärke: Verstappen ist der jüngste Rennsieger der Formel-1-Geschichte, selbst bei einem erstmaligen Titelgewinn „erst“ im Jahr 2020 würde er Vettel als jüngsten Champion ablösen. „Zehn dominante Jahre für mich. Der Rest ist nicht so wichtig“, sagte Verstappen zuletzt zu seinen Wünschen.

Doch der Sohn von Michael Schumachers einstigem Teamkollegen Jos Verstappen hat auch in diesem Jahr die große Sorge, dass sein Auto vielleicht nicht stark genug ist für den großen Wurf. Deswegen machte er schon vor dem ersten Training im Albert Park ordentlich Druck auf Red Bulls Motorenpartner Renault.

Insgesamt glaube er nicht, dass Renault mit dem Motor genauso große Fortschritte erzielt habe wie Red Bull mit dem Chassis, sagte er. „Das Einzige, das du dann tun kannst, ist, stark in den Kurven zu sein. Und unser Auto ist in den Kurven gut. Strecken mit weniger Geraden und mehr Kurven sollten weiter besser für uns sein.“

Die Basis für den Erfolg scheint trotz alledem gelegt: Im freien Training am Freitag musste Verstappen auf einer Runde nur Weltmeister Hamilton den Vortritt lassen – um gerade einmal 0,127 Sekunden. „Das war ein positiver Start ins Wochenende“, resümierte Verstappen zufrieden nach 180 Minuten, in denen augenscheinlich alle Teams und Fahrer ihre Karten offengelegt hatten.

Am liebsten sei ihm nun, „wenn wir im Qualifying nicht so gutes Wetter haben. Auf nasser Bahn spielt die Motorleistung eine weniger große Rolle“. Und Petrus meint es tatsächlich gut mit ihm: Das Sommerwetter über Melbourne soll in der Nacht zu Samstag verschwinden und teils kräftigem Regen weichen.