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Champions League
Enttäuscht über eigene Unzulänglichkeiten

 Konsterniert stehen die Spieler des FC Bayern München nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale auf dem Rasen des Bernabéu-Stadions, Joshua Kimmich (rechts), liegt sogar weinend am Boden.
Konsterniert stehen die Spieler des FC Bayern München nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale auf dem Rasen des Bernabéu-Stadions, Joshua Kimmich (rechts), liegt sogar weinend am Boden. FOTO: dpa / Francisco Seco
Madrid. Die Spieler des FC Bayern München zeigen sich nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale selbstkritisch.

Nach einer kurzen Nacht, die auch noch durch einen Feueralarm im Morgengrauen gestört wurde, schlichen die Stars von Bayern München mit hängenden Köpfen durch den Flughafen Barajas in Madrid. Anstatt die Heimreise als gefeierte Final-Helden anzutreten, stiegen Pechvogel Sven Ulreich und Co. am Mittwoch erneut als gefrustete Verlierer in den Sonderflieger nach München. Nach dem „Heldentod“ gegen Real schwankte die Stimmung bei der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes zwischen riesiger Enttäuschung und Wut über eigene Unzulänglichkeiten.

„In den Spielen, in denen wir ausgeschieden sind, leisten wir uns zu viele individuelle Fehler“, motzte ein frustrierter Kapitän Thomas Müller nach dem 2:2 (1:1) im Estadio Bernabéu mit finsterer Miene. Der FC Bayern müsse sich schon die Frage stellen, „warum es in diesen Spielen nicht reicht“. Auch Mats Hummels gab sich selbstkritisch. „Da ist auch Unvermögen dabei, wenn man beide Tore zum 2:1 sieht. Auf diesem Niveau ist das eklatant“, sagte der Weltmeister. Er zielte dabei auf den fatalen Patzer von Rafinha im Hinspiel ab und die „komödiantische Einlage“ (AS) von Torhüter Ulreich in Madrid. Den folgenschweren Aussetzer des 29-Jährigen nur wenige Sekunden nach der Pause nutzte der zweifache Torschütze Karim Benzema (11. und 46.) eiskalt aus. Toni Kroos habe ihm nach der Partie gesagt, berichtete Hummels, dass nicht Real das Duell gewonnen habe, „sondern wir uns das selbst zuzuschreiben haben“. Und er schlussfolgerte: „Da hat Toni leider recht. Wir haben sie eingeladen.“

Auch im fünften Jahr seit dem historischen Triple 2013 unter Heynckes bleibt den Bayern nur die bittere Zuschauerrolle, wenn Real am 26. Mai beim Finale in Kiew zum dritten Mal in Folge nach dem Henkelpott greift. Dies, so Hummels, werde „auch in zehn Jahren noch wehtun“. Da nutzte es auch nichts, dass Heynckes von „Werbung für den Fußball“ sprach und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Spieler sowie den Trainer nach dessen letztem Spiel auf der größten Bühne des europäischen Fußballs überschwänglich lobte. Er habe „das beste Spiel gesehen, das ich mit Bayern München in der Champions League seit fünf Jahren erlebt habe“. Er habe eine „unglaubliche Leidenschaft, aber auch Mut“ gesehen: „Ich habe jetzt leider keinen Hut auf. Wenn ich einen hätte, würde ich ihn ziehen und mich vor der Mannschaft verneigen.“



Rummenigges Worte führten den Profis noch einmal deutlich vor Augen, welch‘ große Chance sie im Bernabéu verpasst hatten. Umso mehr, als Rummenigge feststellte: „Wir hatten sie am Abgrund. Das einzig Traurige ist, dass wir Real nicht in den Abgrund hineingestürzt haben.“ Genau da lag das Problem. Während Real sich nicht lange bitten ließ, obwohl Superstar Cristiano Ronaldo erneut enttäuschte, waren die Bayern in den entscheidenden Momenten nicht auf der Höhe. „Weltklasse-Niveau“, wie Heynckes schwärmte, war das eben nicht.

Kroos erklärte den kleinen, aber feinen Unterschied. Real besitze nach zuletzt zwei Triumphen in der Königsklasse „ein Grundbewusstsein“. Ja, „die Bayern waren die bessere Mannschaft, ich habe aber nie Zweifel gehabt. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass wir auch noch ein Tor schießen können“, sagte der Weltmeister. Bei den Bayern hatte man dieses Gefühl trotz der Treffer von Joshua Kimmich (3.) und James (63.) zu selten, weil auch Torjäger Robert Lewandowski sich zwar mühte, aber erneut nie richtig gefährlich wurde.

Als Trostpreis bleibt jetzt neben der deutschen Meisterschaft noch der DFB-Pokal. „Es ist unser Ziel, zumindest das Double zu gewinnen“, sagte Rummenigge mit Blick auf das Endspiel am 19. Mai in Berlin.

 Madrids überragender Torwart Keylor Navas reißt nach dem Schlusspfiff jubelnd die Arme hoch, Thomas Müller liegt enttäuscht daneben.
Madrids überragender Torwart Keylor Navas reißt nach dem Schlusspfiff jubelnd die Arme hoch, Thomas Müller liegt enttäuscht daneben. FOTO: dpa / Paul White