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Skispringen
Eisenbichler fliegt allen auf und davon

 Die deutschen Skispringer Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Stephan Leyhe (von links) schreien ihre Freude heraus.
Die deutschen Skispringer Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Stephan Leyhe (von links) schreien ihre Freude heraus. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Innsbruck. Bis zum Wochenende hatte der 27-Jährige noch kein Skispringen gewonnen. Bei der WM holt er Gold im Einzel und mit der Mannschaft. sid

Markus Eisenbichler tanzte mit seinen Teamkollegen durch den Schnee, auf dem Trainerturm platzte Werner Schuster beinahe vor Stolz: Nur 24 Stunden nach Eisenbichlers grandiosem Einzel-Triumph hat der Bayer die deutschen Adler auch zur ersten Team-Goldmedaille bei einer WM seit 2001 geführt. „Wahnsinn, einfach Wahnsinn“, sagte der überragende Doppel-Weltmeister nach den vielleicht besten 24 Stunden der deutschen Skisprung-Geschichte.

Angeführt von Eisenbichler und Karl Geiger, die am Samstag sensationell für den ersten deutschen WM-Doppelsieg seit 1999 gesorgt hatten, erteilten die „Fantastischen Vier“ der Konkurrenz eine Lehrstunde. Eisenbichler, Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe siegten am Sonntag am Bergisel in Innsbruck nach acht Sprüngen mit 987,5 Punkten klar vor Gastgeber Österreich (930,9) und Japan (920,2).

„Das war eine Flugshow vom ersten Sprung weg. Ich bin sehr dankbar, dass ich dabei war. Dieser Titel bedeutet mir total viel. Das ist das, was wir nie erreicht haben – ein kleines Märchen“, sagte Bundestrainer Schuster, der nach der Saison sein Amt nach elf Jahren niederlegt. Die ersten goldenen Abschiedsgeschenke gab es ausgerechnet in Innsbruck, wo der Österreicher einst studierte.



Der Sieg im Teamspringen war von Beginn an eine deutliche Angelegenheit. Geiger, einen Tag zuvor überraschend WM-Zweiter im Einzel, brachte das Team mit einem Traumsprung auf 129,0 Meter sofort klar in Führung, die bis zu Eisenbichlers letztem Flug hielt. „Beim letzten Sprung war ich nervös, musste ihn sauber runterbringen. Ich freue mich für das ganze Team“, sagte Eisenbichler. Auch der schwächelnde Olympiasieger Andreas Wellinger, der seinen Platz im Team kurzfristig an Leyhe abgeben musste, jubelte mit.

Nach Geigers Traumstart sorgten Freitag (121,0 Meter), Leyhe (126,0) und Eisenbichler (128,0) schon zur Pause für eine beruhigende Führung. „Das waren zwei herausragende Sprünge von Markus und Karl“, sagte Schuster zur Halbzeit. Im zweiten Durchgang bauten der überragende Geiger (130,0), Freitag (120,0) und Leyhe (128,5) die Führung aus, Eisenbichler (128,5) brachte Gold mit dem letzten Berg­isel-Sprung der WM nach Hause.

Eisenbichler trat somit in die Fußstapfen von Martin Schmitt, der ebenfalls 2001 als bislang letzter deutscher Adler Weltmeister sowohl im Einzel als auch mit dem Team geworden war. Gleichzeitig endete eine lange Durststrecke: Bei den vergangenen elf WM-Teamspringen inklusive Normalschanze hatte Deutschland immer den Titel verpasst, sieben Mal sogar das Podest.

Für Eisenbichler war es zudem die Krönung eines grandiosen Wochenendes: Als siebter Skispringer aus einer deutschen Mannschaft holte er am Samstag Einzelgold. Ohne einen einzigen Weltcup-Sieg war er nach Tirol gereist, nun stand er ausgerechnet am bei den Deutschen zuletzt so ungeliebten Bergisel ganz oben auf dem Podest. „Wie soll man das verdauen, wenn man noch nie gewonnen hat und auf einmal WM-Gold hat?“, sagte „Eisei“.

Zuletzt hatte Severin Freund 2015 in Falun ebenfalls von der Großschanze triumphiert, ein Doppelsieg war letztmals Martin Schmitt und Sven Hannawald 1999 in Ramsau gelungen. Aus dem Häuschen war auch Eisenbichlers Zimmerkollege, Vize-Weltmeister Geiger. „Das ist so genial“, sagte der Oberstdorfer: „Dass ich hier etwas holen kann, habe ich irgendwie gerochen.“

Das „Märchen des fliegenden Doppelzimmers“ ist derweil noch nicht beendet: Am Freitag geht es auf der Normalschanze in Seefeld erneut um Gold, einen Tag später folgt das Mixed. Und Markus Eisenbichler hat noch lange nicht genug.