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Eine neue Ära beginnt

 Lächeln fürs Mannschaftsfoto: Die neue Bundestrainerin Steffi Jones steht vor ihren ersten Länderspielen. Foto: rumpenhorst/dpa
Lächeln fürs Mannschaftsfoto: Die neue Bundestrainerin Steffi Jones steht vor ihren ersten Länderspielen. Foto: rumpenhorst/dpa FOTO: rumpenhorst/dpa
Moskau. Steffi Jones feiert heute ihr Debüt als Frauenfußball-Bundestrainerin. Die Nachfolgerin von Silvia Neid ist aufgeregt – obwohl sie das eigentlich nicht sein muss. sid

Steffi Jones will sich auf keinen Fall in die Hose machen. "Vor meinem ersten Spiel als Spielerin war ich fünfmal auf dem Klo und habe Gänsehaut bekommen. Ich weiß nicht, wie oft ich jetzt muss, aber ich werde sicher Gänsehaut haben", sagte die neue Frauenfußball-Bundestrainerin vor ihrem Debüt an diesem Freitag in Moskau gegen Russland (18 Uhr/ARD): "Die Vorfreude ist groß. Aber ich werde mit Demut reingehen."

Dabei könnte Jones ("Die Situation ist schon etwas Besonderes") völlig entspannt auf das vorletzte EM-Qualifikationsspiel blicken. Schließlich haben sich die zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameisterinnen schon lange vor ihrem Olympiasieg von Rio für die Endrunde in den Niederlanden (16. Juli bis 6. August 2017) qualifiziert. Nach sechs Siegen in sechs Spielen lösten die Deutschen bereits im April ihr EM-Ticket.

Deshalb spielt es auch keine große Rolle, dass die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 28 Tage nach dem Triumph vom Maracana mit einem Rumpfteam antreten wird. Trotz der Rücktritte von Spielführerin Saskia Bartusiak, Melanie Behringer und Annike Krahn werden die Olympiasiegerinnen Laura Benkarth, Sara Däbritz, Melanie Leupolz und Alexandra Popp in Russland wie auch im letzten Qualifikationsspiel am Dienstag in Ungarn (16 Uhr/ZDF) geschont. Außerdem fehlen Dzsenifer Marozsan, Simone Laudehr , Pauline Bremer, Felicitas Rauch, Lina Magull und Mandy Islacker (alle verletzt oder krank).



Trotz der personellen Probleme peilt Jones in beiden Partien Erfolge an. "Ich erwarte zwei Siege", sagte die 43 Jahre alte Trainer-Novizin, die seit dem Herbst des vergangenen Jahres als Assistentin ihrer Vorgängerin Silvia Neid erste Praxiserfahrung gesammelt hat: "Hohe Erwartungen sind immer da, auch zu Recht. Das ist unser Anspruch. Wir wollen erfolgreich bleiben, keine Frage. Wir wollen Europameister werden. Das ist der nächste Schritt."

Auf dem Weg dahin wird zunächst Anja Mittag die Mannschaft anführen. Die 31-Jährige (144 Länderspiele/46 Tore) wurde von ihrer früheren Mitspielerin Jones ("Anja wird das gut machen") für den Quali-Abschluss zur Kapitänin ernannt. Erst vor den kommenden Spielen im Oktober wird der Mannschaftsrat endgültig entscheiden.

Wer auch immer die DFB-Auswahl zukünftig anführen wird - die neue Kapitänin wird zumindest sprachlich keine große Distanz zu ihrer Trainerin haben. "Alle sagen Steffi zu mir, mich dürfen alle duzen", äußerte die 111-malige Nationalspielerin: "Einige kamen an und haben ‚Sie' gesagt. Ich habe ihnen dann erklärt, dass wir uns duzen."

Völlig unabhängig von den Umgangsformen will Jones ihre Handschrift vor allem auf dem Platz erkennen. "Die Philosophie soll sein, dass wir nicht so leicht auszurechnen und vorne effizienter sind", sagte die Frankfurter Frohnatur: "Mir ist es zudem wichtig, dass wir die Jüngeren langsam integrieren - auch in Abstimmung mit den Vereinen."