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Eine historische Chance

 Weltmeister André Schürrle (links) verspricht ein „geiles Spiel“, wenn er mit seinem VfL Wolfsburg heute Abend im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid antritt. Foto: steffen/dpa
Weltmeister André Schürrle (links) verspricht ein „geiles Spiel“, wenn er mit seinem VfL Wolfsburg heute Abend im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid antritt. Foto: steffen/dpa FOTO: steffen/dpa
Madrid. Beim VfL Wolfsburg herrscht angespannte Vorfreude angesichts der wohl historischen Chance, ins Champions-League-Halbfinale einzuziehen. Angst vor dem „Mythos Bernabeu“ hat angeblich aber niemand. Dpa-Mitarbeitercarsten Lappe

Die Taktik für die große Champions-League-Sensation des VfL Wolfsburg beim Real Madrid ist für Dieter Hecking ziemlich simpel. "Gar nicht drüber sprechen", brummte der VfL-Trainer vor dem Abflug gestern Vormittag aus Braunschweig nach Madrid, wo der Vizemeister heute Abend im Viertelfinal-Rückspiel (20.45 Uhr/Sky) Geschichte schreiben will.

Die Euphorie nach dem nicht für möglich gehaltenen 2:0 im Hinspiel ist riesig, der Glaube an eine Fortführung des größten VfL-Erfolges im Europapokal vorhanden. Das Schlimmste, was Hecking nun passieren kann, ist die Angst vor der eigenen Courage aus Ehrfurcht vor dem berüchtigten Estadio Santiago Bernabeu und der hitzigen Atmosphäre. "Wir wissen doch was kommt, das brauchen wir nicht zu thematisieren. 90 000 Zuschauer sind da. Die werden Real nach vorne treiben", meinte Hecking, der ungewollt seinen Beitrag zum "Mythos Bernabeu" leistete, in dem er das Fassungsvermögen um 10 000 Menschen erhöhte.

Sportchef Klaus Allofs äußerte sich kurz vor dem Abflug ähnlich: "Wir sind keine blutigen Anfänger, dass wir da mit feuchten Händen Richtung Madrid fahren." Allofs betonte, der Druck laste auf dem großen Favoriten, für Real sei es von "elementarer Bedeutung ins Halbfinale und dann ins Finale zu kommen".

Entsprechend erwartbar war die Reaktion der gekränkten Madrilenen vor dem heutigen Duell. Real sendete beim 4:0 gegen das Team aus Eibar am Wochenende ein Signal der Stärke und danach deftige Worte. "Am Dienstag ist Krieg. Wir werden aufs Feld laufen, um Wolfsburg zu überrollen", kündigte Reals früherer Leverkusener Dani Carvajal. Der im Hinspiel so böse enttäuschende Superstar Cristiano Ronaldo prophezeite dem Real-Anhang eine "magische Nacht".

Dies wollte Allofs nicht überbewerten: "Es wird ein harter Kampf mit allen erlaubten Mitteln, darauf sollten wir vorbereitet sein. Dazu gehört, dass man den Gegner einschüchtern möchte." Die Reaktion der VfL-Profis fiel tollkühn aus. "Wir haben am Mittwoch keinen Respekt gehabt und werden ihn auch am Dienstag nicht haben", tönte Stürmer Bas Dost. Weltmeister André Schürrle prophezeite ein "geiles Spiel" und hielt den Tönen aus Madrid entgegen: "Wir werden um unser Leben rennen."

Der Plan lautet, möglichst ein Tor zu schießen. Dies gelang bislang noch keinem Team in dieser Champions-League-Saison bei Real, das im Wettbewerb bislang alle Heimspiele gewann. "Wenn wir ein Tor schießen, verändert das eine Menge", meinte Allofs.

In der Tat ist die Situation deutlich anders als vor den vergangenen beiden Viertelfinal-Rückspielen im Europacup, als der VfL beide Male aus der Europa League ausschied. Gegen Fulham (2010) und Neapel (2015) gingen die Hinspiele jeweils verloren. Zudem kam Wolfsburg bislang stets weiter, wenn sie das Hinspiel gewonnen hatten, zuletzt in der Europa-League-Zwischenrunde 2015 gegen Sporting Lissabon. Damals gewann der VfL das Hinspiel auch mit 2:0.