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Eine Frau für gewisse Springen

 Skispringerin Carina Vogt fährt im Sessellift hoch zur Normalschanze in Lahti. Die Schwäbin ist bei Großereignissen immer für eine Überraschung gut, ist bereits Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Foto: Schmidt/dpa
Skispringerin Carina Vogt fährt im Sessellift hoch zur Normalschanze in Lahti. Die Schwäbin ist bei Großereignissen immer für eine Überraschung gut, ist bereits Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Foto: Schmidt/dpa FOTO: Schmidt/dpa
Lahti. Carina Vogt ist die Skispringerin für besondere Stunden. Heute will die Olympiasiegerin der Japanerin Sara Takanashi erneut WM-Gold wegschnappen. Erik Roos,Christoph Leuchtenberg

Wenn Carina Vogt auf ihre kuriose Karriere blickt, muss sie manchmal selber schmunzeln. "Ein wenig verrückt ist das alles schon", sagt die Skispringerin, die Siege meist dann feiert, wenn die ganze Welt zuschaut. Olympiasiegerin 2014? Vogt. Einzel-Weltmeisterin 2015? Vogt. Mixed-Weltmeisterin 2015? Nochmal Vogt. Beste Voraussetzungen also, um am heutigen Freitag (16.30 Uhr/ZDF und Eurosport) bei der WM in Lahti ihren nächsten Coup zu feiern.

"Es zeichnet Carina aus, dass sie bei Großereignissen absolut cool bleibt", sagt Bundestrainer Andreas Bauer über die Schwäbin aus Degenfeld: "Ich bin mir sicher, dass sie ihr Leistungsvermögen auch in Lahti sehr gut umsetzen kann." Ganze zwei Weltcupsiege hat die 25 Jahre alte Vogt bislang gefeiert - 51 weniger als Superstar Sara Takanashi. Doch die Japanerin wartet noch immer auf ihr erstes Einzel-Gold.

Auch in Finnland ist Takanashi klare Favoritin, doch die 1,52 Meter große und 45 Kilogramm leichte Asiatin hat schon häufig Nerven gezeigt. Ganz anders als Vogt, die zu Takanashis Albtraum geworden ist. 2014 im russischen Sotschi war die Deutsche bei der Olympia-Premiere als klare Außenseiterin zu Gold geflogen, in Lahti ist sie wie schon 2015 nicht die Top-Favoritin. Doch wen kümmert das schon?



Dabei wäre Vogts Talent beinahe verborgen geblieben. "Mit 17, 18 habe ich mal aufgehört. Da war Andi gerade Trainer geworden, und wir hatten keinen einfachen Start", sagt Vogt. Jener Andreas Bauer und Vogt bilden heute ein Erfolgsduo, auch wenn Bauer sich erinnert: "Niemand hat mir Carina empfohlen, als ich anfing. Es hieß: Die hat kein Talent."

Das Gegenteil ist der Fall. Nach mäßigem Start stand Vogt auch in diesem Winter wieder auf dem Podest, wenn auch nicht nach ganz oben. Rechtzeitig zur WM ist die Hobby-Fußballerin wieder in Topform. "Sowohl technisch als auch athletisch konnte ich die Lücke zur Spitze schließen", sagt Vogt, der eine Medaille durchaus zuzutrauen ist - an einem perfekten Tag sicher auch Gold.

"Carina hat ihre Technik immer weiter ausgefeilt, sie ist in einer sehr guten Form", sagt Bauer, der noch ein zweites heißes Eisen im Feuer hat: Katharina Althaus feierte zwei Wochen vor der WM in Ljubno ihren ersten Weltcup-Sieg - vor Vogt und Svenja Würth. Takanashi und die ebenfalls starke Japanerin Yuki Ito fehlten zwar in Slowenien, der erste Dreifach-Sieg einer Nation im Frauen-Weltcup war dennoch ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz.

Und dann ist da auch noch der Mixed-Wettbewerb am Sonntag, bei dem zwei Frauen und zwei Männer als Team an den Start gehen. Auch hier gilt Deutschland als Favorit. Räumt Vogt also wieder alles ab? Zum Schmunzeln wäre es jedenfalls.

Zum Thema:

Deutsche überzeugen in der Qualifikation Carina Vogt hat ihre Medaillen-Ambitionen mit einem starken Sprung in der Qualifikation unterstrichen. Die Titelverteidigerin zeigte mit 93,0 Metern gleichauf mit Teamkollegin Svenja Würth den weitesten Flug der zehn gesetzten Springerinnen. Favoritin Sara Takanashi (Japan) landete einen Tag vor der Entscheidung heute (16.30 Uhr/ZDF und Eurosport) bei 92,5 Metern. Katharina Althaus kam auf 91,5 Meter.