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Eine Frage des Systems Mainz 05 blamiert den 1. FC Köln

Mario Götze jubelt im Hinspiel in München über sein 1:0-Siegtor für Dortmund. Der 19-Jährige hat 2012 noch kein Spiel bestritten. Auch heute im Rückspiel wird er wohl fehlen. Foto: Gebert/dpa
Mario Götze jubelt im Hinspiel in München über sein 1:0-Siegtor für Dortmund. Der 19-Jährige hat 2012 noch kein Spiel bestritten. Auch heute im Rückspiel wird er wohl fehlen. Foto: Gebert/dpa
Dortmund. Erster gegen Zweiter der Fußball-Bundesliga: Das Spiel Borussia Dortmund gegen Bayern München heute (20 Uhr/Sky) wird ein taktisches Duell zwischen den Trainern Jürgen Klopp und Jupp Heynckes: Dortmunds Pressing gegen Münchens Balldominanz, ein Kollektiv gegen individuelle Klasse. Beide spielen im 4-2-3-1-System. Doch die Ausrichtung der Bayern ist eine andere

Dortmund. Erster gegen Zweiter der Fußball-Bundesliga: Das Spiel Borussia Dortmund gegen Bayern München heute (20 Uhr/Sky) wird ein taktisches Duell zwischen den Trainern Jürgen Klopp und Jupp Heynckes: Dortmunds Pressing gegen Münchens Balldominanz, ein Kollektiv gegen individuelle Klasse. Beide spielen im 4-2-3-1-System. Doch die Ausrichtung der Bayern ist eine andere. In Arjen Robben (rechts) und Franck Ribéry (links) verfügen sie über eine der besten Flügelzangen der Welt, die aber die Variabilität in der Offensive einschränkt. Denn beide ziehen oft nach innen, um mit ihrem starken linken (Robben) und rechten Fuß (Ribéry) zum Torschuss zu kommen. Gegen tief stehende Gegner verpufft ihre Durchschlagskraft.Manche Gegner stellen Ribéry und Robben konsequent zu und doppeln sie. Das versucht der FCB durch schnelle Seitenwechsel zu umgehen, meist von Toni Kroos oder Holger Badstuber gespielt. Verbunden mit frühem Pressing ergeben sich so bei gegnerischem Ballverlust die Räume, die Robben und Ribéry brauchen - um Stürmer Mario Gomez zu bedienen, der im Strafraum nicht viele Chancen braucht, um zum Torerfolg zu kommen.

Im BVB-Spiel kommt Mats Hummels die entscheidende Rolle zu. Er interpretiert den spieleröffnenden Verteidiger fast perfekt. Wenn das Mittelfeld zugestellt und der Gegner dadurch aufgerückt ist, spielt er Vertikalpässe in den Raum zwischen Mittelfeld und Angriff, wo Stürmer Robert Lewandowski die Angriffe als Anspielstation einleitet. Kevin Großkreutz (über links), Jakub Blaszczykowski (rechts) und Shinji Kagawa (zentral) rücken nach und überwinden durch ihre Technik und Schnelligkeit auch numerisch überlegene Abwehrreihen durch überfallartig vorgetragene Angriffe.

Zuletzt entschied sich Klopp im zentralen Mittelfeld für Ilkay Gündogan, der neben Sebastian Kehl für die spielerischen Akzente sorgte. Mario Götze hat 2012 wegen einer Schambein-Entzündung kein Spiel gemacht. Er steht heute wohl auch nicht im Kader.



Das BVB-Defensivprinzip besteht aus dem Zusammenspiel von Pressing und Gegenpressing. Es stellt die größte Qualität im Spiel des BVB dar. Der Gegner wird bei Ballbesitz von zwei, drei Spielern unter Druck gesetzt. Hat Dortmund den Ball erobert, beziehen Großkreutz, Kagawa und Co. schnell ihre Positionen und nutzen die Unordnung des Gegners nach dem Ballverlust aus. Verliert der BVB im Angriff den Ball, setzt das Gegenpressing ein. Statt sich zurückzuziehen und den Angriff des Gegners abzuwarten, attackieren die Dortmunder sofort, um den Ball wieder zu haben. Eine Taktik, die der FC Barcelona ebenso anwendet, und die wichtiger Bestandteil der Dortmunder Überraschungsangriffe ist. Gelingt es dem BVB heute, sein Pressing und Offensivspiel aufzuziehen, wird es der FCB schwer haben. In Bastian Schweinsteiger, Kroos, Robben, Ribéry und Gomez verfügt er jedoch über Spieler, die jede Partie entscheiden können. dapd

Berlin. König Otto verliert die "Entscheidungsschlacht", Prinz Poldi erlebte am "Kampfabend" sein Waterloo: Für Hertha BSC und den 1. FC Köln wird die Luft im von martialischen Reden geprägten Abstiegskampf dünner. Die Hertha unterlag gestern dem SC Freiburg 1:2 (0:1), Köln blamierte sich in seinem Kellerduell beim FSV Mainz 05 und verlor 0:4 (0:3). Berlin bleibt Vorletzter der Fußball-Bundesliga, Köln auf dem Relegationsplatz.

Die beiden akut abstiegsbedrohten Clubs durften sich am ersten Teil des 30. Spieltages zumindest glücklich schätzen, dass der unmittelbar über dem Strich stehende FC Augsburg gegen den VfB Stuttgart 1:3 (1:2) verlor. Am anderen Ende der Tabelle verpasste Borussia Mönchengladbach beim 2:2 (0:1) bei Werder Bremen zum vierten Mal in Folge einen Sieg, bleibt aber Vierter.

Berlins Trainer Otto Rehhagel hatte das Duell mit Freiburg im Vorfeld zur Entscheidungsschlacht ausgerufen, doch schon nach wenigen Minuten musste die Hertha den Rückschlag hinnehmen. Innenverteidiger Roman Hubnik (7. Minute) fälschte eine eigentlich harmlose Flanke unhaltbar ins eigene Tor ab. Hubnik sah auch beim zweiten Freiburger Tor nicht gut aus, als er gegen Sebastian Freis (67.) amateurhaft verteidigte. In der 80. Minute machte Hubnik durch den Anschlusstreffer zumindest einen Teil seiner Fehler wieder gut, ehe der Pechvogel des Tages verletzt vom Feld musste. "Insgesamt ist das zu wenig", analysierte Herthas Andreas Ottl nach dem Schlusspfiff, "aber wir haben immer noch vier Spiele. Die Schlacht ist noch nicht verloren." Der Mittelfeldakteur unterstrich: "Wir haben viel investiert und mit Leidenschaft gespielt. Deshalb ist die Niederlage besonders bitter."

Herthas Abstiegskonkurrent Köln dürfte die kommenden Spiele eventuell mit einem neuen Trainer angehen. Die Rheinländer präsentierten sich in Mainz so desolat, dass die Zeit von Trainer Stale Solbakken abgelaufen sein dürfte. Eugen Polanski (19./Foulelfmeter), Mohamed Zidan (32.) und Nicolai Müller (37.) sorgten bereits vor der Halbzeit für die Vorentscheidung. Nach dem Seitenwechsel traf Adam Szalai (55.) zum Endstand. "Wir sind die Schießbude der Liga, es ist wirklich deprimierend" sagte Kölns Torhüter Michael Rensing. Dagegen freute sich der Mainzer Torschütze Nicolai Müller im Hinblick auf den Klassenerhalt: "Es war ein wichtiger Schritt. Wir haben uns abgesetzt und jetzt geht's weiter." dapd

Am Rande

Zum siebten Mal treffen Borussia Dortmund und Bayern München als Erster und Zweiter aufeinander. Der BVB gewann drei Mal, es gab zwei Remis. Beide kommen nach dem 29. Spieltag zusammen auf 129 Zähler. Ein besseres Top-Duo gab es seit Einführung der Drei-Punkte-Regel nie.

Kurios: Der FCB lag schon acht Punkte vor dem BVB, die Borussia sieben vor München. Bei einem Sieg hätte der BVB sechs Punkte Vorsprung. Das wurde so spät in einer Saison nur einmal aufgeholt: durch die Bayern 1986 auf Werder Bremen. Dortmund hat nur eins der vergangenen 30 Heimspiele verloren und ist seit 23 Spielen unbesiegt, der FCB war in den letzten neun Pflichtspielen erfolgreich.

In den vergangenen drei Partien triumphierte Dortmund gegen München. Vier Niederlagen der Bayern in Serie gegen einen Club gab es nur gegen Bremen (1991 bis 1993). dpa

Die Mainzer Elkin Soto, der Torschütze zum 3:0 Nicolai Müller, Adam Szalai und Nikolce Noveski (v.l.) feiern. Foto: Dedert/dpa
Die Mainzer Elkin Soto, der Torschütze zum 3:0 Nicolai Müller, Adam Szalai und Nikolce Noveski (v.l.) feiern. Foto: Dedert/dpa