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"Ein kleiner Hallodri"

An diesem Wochenende, wenn im niederländischen 's-Hertogenbosch der Weltcup-Sieger ermittelt wird, traut Bundestrainer Otto Becker Springreiter Philipp Weishaupt viel zu. Foto: Lacerda/dpa
An diesem Wochenende, wenn im niederländischen 's-Hertogenbosch der Weltcup-Sieger ermittelt wird, traut Bundestrainer Otto Becker Springreiter Philipp Weishaupt viel zu. Foto: Lacerda/dpa
's-Hertogenbosch. Die Kollegen grinsen immer noch. Wenn von Philipp Weishaupts Kuss auf dem Rasen von Real Madrid und der anschließenden Nacht im spanischen Knast die Rede ist, dann haben die anderen Springreiter ihren Spaß. Auch Otto Becker muss ein wenig grinsen, aber in seiner Funktion als Bundestrainer sieht er sich auch zu einer gewissen Strenge genötigt

's-Hertogenbosch. Die Kollegen grinsen immer noch. Wenn von Philipp Weishaupts Kuss auf dem Rasen von Real Madrid und der anschließenden Nacht im spanischen Knast die Rede ist, dann haben die anderen Springreiter ihren Spaß. Auch Otto Becker muss ein wenig grinsen, aber in seiner Funktion als Bundestrainer sieht er sich auch zu einer gewissen Strenge genötigt. "Es wäre zum Schmunzeln gewesen, wenn es bei einem normalen Turnier gewesen wäre", sagte der Coach. Trotz der Disziplinlosigkeit gehört Weishaupt zum engsten Favoritenkreis für das Olympia-Team. An diesem Wochenende beim Weltcup-Finale kann er den Titel gewinnen und sich erneut empfehlen.Der kuriose Vorfall mit der Gefängnis-Pointe ereignete sich bei der Europameisterschaft in Madrid, genauer gesagt bei der Feier des Team-Goldes im Estadio Santiago Bernabeu. Er sei aus dem Restaurant des Real-Stadions herunter gegangen und habe eine Jubelpose imitiert, erzählte der Ersatzreiter des EM-Teams: "Dann habe ich den Rasen geküsst, das fanden die Ordner nicht so lustig."

Die Sicherheitsleute führten Weishaupt ab, übergaben ihn der Polizei, die ihn erst am folgenden Tag gegen Mittag wieder freiließ. "Das ist alles geklärt", sagte Weishaupt, das Verfahren wurde im Januar eingestellt.

"Mir wäre lieber gewesen, er hätte sportliche Schlagzeilen gemacht", betonte Becker: "Aber das hat keine weiteren Konsequenzen." Weishaupt ist einer der acht Reiter des A-Kaders, die bei der Ermittlung der vier Olympia-Reiter klar vorne liegen. "Er hat mit Monte Bellini ein sehr gutes Pferd", erklärte der Bundestrainer: "Er ist einer meiner Kandidaten." An diesem Wochenende, wenn im niederländischen 's-Hertogenbosch der Weltcup-Sieger ermittelt wird, traut ihm Becker viel zu: "Alle deutschen Reiter können auf dem Treppchen landen."



Er sei "ein kleiner Hallodri", charakterisierte Ludger Beerbaum seinen Angestellten. Der 26-Jährige aus der Nähe von Augsburg arbeitet seit langem für den viermaligen Olympiasieger im westfälischen Riesenbeck. Er sei ein Mann "mit Hang zum wilden Leben und gefährlichen Hobbies", heißt es auf Beerbaums Internetseite über Weishaupt.

Warum Beerbaum und auch Becker große Stücke auf Weishaupt halten, zeigte er bisher am eindrucksvollsten bei der deutschen Meisterschaft 2009, als er mit Souvenir den Titel gewann. Sowohl bei der WM 2010 als auch bei der EM 2011 war er als Ersatzmann die Nummer fünf im deutschen Team. Und nun Olympia? "Er wird seine Chance bekommen", erklärte der Bundestrainer. An diesem Wochenende und bei den Nationenpreisen der Freiluftsaison benötigt der hoch talentierte Reiter möglichst viele fehlerfreie Runden. Weitere Eskapaden sollte sich Weishaupt aber besser nicht mehr leisten. "Ich hoffe, er hat daraus gelernt", sagte Becker. dpa

"Er ist einer meiner Kandidaten."

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Otto Becker über Philipp Weishaupt