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Ein Jungstar als Hoffnungsträger

Bundestrainer Marco Sturm (links) achtet genau auf seinen besten Spieler, den 20-jährigen Leon Draisaitl. Foto: Hitji/dpa
Bundestrainer Marco Sturm (links) achtet genau auf seinen besten Spieler, den 20-jährigen Leon Draisaitl. Foto: Hitji/dpa FOTO: Hitji/dpa
Oberhausen. NHL-Jungstar Leon Draisaitl ist auf dem Weg zur Eishockey-Weltmeisterschaft in Russland kurz nach Deutschland zurückgekehrt. Im Test in Oberhausen gegen Weißrussland steht der 20-Jährige im Blickpunkt. sid

Noch schnell ein Foto auf dem Eis, dann ein Fernseh-Interview an der Bande, zum Abschluss ein Auftritt im ZDF-Sportstudio: Leon Draisaitl ist ein gefragter Mann. Der NHL-Jungstar steht gut eine Woche vor dem Auftakt der Eishockey-WM bei seinem kurzen Abstecher in die Heimat im Mittelpunkt. "Ich weiß, dass ein gewisser Hype um mich ist", sagt der 20-Jährige vor dem heutigen Länderspiel (20 Uhr/Sport1) in Oberhausen gegen Weißrussland: "Das ist logisch."

Das wohl größte Talent des deutschen Eishockeys hat sich im zweiten Jahr in der stärksten Liga der Welt etabliert. Nicht als irgendein Mitläufer, sondern als einer der kommenden Stars der NHL. Die überzeugende Saison bei den Edmonton Oilers macht den Mittelstürmer zum großen Hoffnungsträger der Nationalmannschaft bei den Titelkämpfen in Russland (6. bis 22. Mai).

"Mein Ziel ist es, ein Führungsspieler zu sein", sagt Draisaitl, "ein Spieler, auf den die Jungs bauen können." Ein hoher Anspruch für den jüngsten Spieler im Aufgebot. Deshalb tritt Bundestrainer Marco Sturm auch auf die Bremse. Er erwarte "nur, dass er der Leon ist, den ich in der letzten Saison spielen gesehen habe". Das ist allerdings deutlich mehr, als jeder andere deutsche Nationalspieler derzeit aufs Eis bringt. "Man sieht, was für eine Ruhe er mit seinem jungen Alter ausstrahlt", lobt Sturm: "Er ist ein ganz anderer Spieler, als ich es damals war."



Der Bundestrainer , der zwischen 1997 und 2012 1006 NHL-Spiele bestritt, galt lange als bester deutscher Eishockey-Export. Doch der 37-Jährige ist überzeugt, dass Draisaitl ihm bald den Rang ablaufen wird. Sturms Bestmarke von 56 Scorerpunkten in einer Saison verpasste der Jungstar zwar noch knapp - um fünf Zähler. "Wenn er es heuer nicht geschafft hat, schafft er es nächstes Jahr", sagt der Bundestrainer .

Draisaitl, der als kleiner Junge einst seinem Vater Peter in die Oberhausener Arena zuschaute, macht keinen Hehl daraus, dass er "das logischerweise übertrumpfen will - irgendwann". Auch seinen deutschen NHL-Rekord von insgesamt 509 Punkten wird Sturm verlieren, daran hat der Trainer keinen Zweifel.

Dass sich viel um ihn dreht, ist Draisaitl seit zwei Jahren gewohnt. Damals wurde er als drittbester Spieler seines Jahrgangs von den Oilers ausgewählt. Vom "deutschen Gretzky" war in Kanada zu lesen. "Das ist kein gutes Zeichen", dachte Sturm: "Man soll den Jungen Junge sein lassen." Im ersten Anlauf erfüllte Draisaitl die enormen Erwartungen nicht: Er wurde zurück in die Junioren-Liga geschickt, zu Beginn dieser Saison zudem als letzter Spieler aus dem NHL-Aufgebot gestrichen.

Nach der "sehr, sehr großen Enttäuschung" habe er "eine Zeit gebraucht", dies zu verdauen. Doch die nächste Chance nur wenige Wochen später nutzte er eindrucksvoll, setzte mit 19 Toren und 32 Vorlagen ein Ausrufezeichen.