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Fußball-Nationalmannschaft
Ein Fingerzeig Richtung WM in Russland

Der Dortmunder Marco Reus nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien wird der Offensivspieler ziemlich sicher in den Kreis der Nationalmannschaft zurückkehren.
Der Dortmunder Marco Reus nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien wird der Offensivspieler ziemlich sicher in den Kreis der Nationalmannschaft zurückkehren. FOTO: Bernd Thissen / dpa
Frankfurt. Bundestrainer Joachim Löw gibt heute Kader für die Spiele gegen Spanien und Brasilien bekannt. Reus ist wohl dabei.

Rückkehr von Marco Reus? Debüt von Philipp Max? Mit Mario Gomez oder Sandro Wagner in der Sturmspitze? Mit der Beantwortung dieser Fragen wird Joachim Löw bei seiner Kader-Nominierung für die Testspiel-Kracher gegen Spanien und Brasilien einen deutlichen Fingerzeig Richtung Weltmeisterschaft geben.

Der Direktor Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, sieht für den Bundestrainer bei den letzten Länderspielen vor der Nominierung des vorläufigen Turnier-Kaders am 15. Mai „die Möglichkeit, nicht nur den ein oder anderen Spieler zu testen, sondern auch alle auf Russland einzuschwören“ – auf die „historische Mission“ Titelverteidigung.

Dabei scheint es an der Rückkehr von Reus in den Kreis der Nationalmannschaft nach fast zwei Jahren die geringsten Zweifel zu geben – obwohl der Konkurrenzkampf laut Bierhoff härter ist als 2014. „Marco Reus ist ein Spieler, der schon mal den Unterschied ausmacht“, lobte Löw den immer wieder von Verletzungen ausgebremsten Offensivspieler von Borussia Dortmund.



Mit nun auch schon 28 Jahren brachte es Reus lediglich auf 29 Einsätze (neun Tore) in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die WM 2014 verpasste er ebenso wie die EM 2016. Doch die Leidenszeit ist vorbei, die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) das Ziel. „Wenn alles normal läuft, und ich meine Leistung zeige, denke ich, dass ich gute Chancen habe, dabei zu sein“, sagte Reus, der sein bisher letztes Länderspiel am 29. März 2016 gegen Italien bestritt. Bierhoff meinte: „Die Qualitäten hat er ja. Das Wichtigste, was er jetzt braucht, ist Gesundheit, Ruhe und Fokussierung.“

Vor allem Letzteres gilt für das gesamte Team. „Ich gehe davon aus, dass jeder Spieler die Spiele nutzen will, um seine Position zu festigen“, sagte Bierhoff: „Der Konkurrenzkampf ist durch den Confed Cup nicht kleiner geworden – das ist spannend.“ Zumal er das Team „besser aufgestellt“ sieht als beim WM-Triumph von Rio 2014 oder beim EM-Halbfinal-Aus 2016.

Reus und Co. sind deshalb aufgefordert, in den Duellen mit Spanien (23. März) in Düsseldorf und vier Tage später mit Rekordweltmeister Brasilien in Berlin Eigenwerbung zu betreiben. Zumal Bierhoff im Sinne Löws betonte: „Wenn wir erfolgreich sein wollen, dürfen wir kein Prozent nachlassen.“

Für einige Wackelkandidaten ist es die letzte Chance, sich beim Bundestrainer im „härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben“, zu empfehlen. Um einen Platz im Angriff kämpfen der Stuttgarter Gomez und der Münchner Wagner. Beide Profis erklärten zwar, dass sie sich eine gemeinsame WM-Teilnahme vorstellen können. Doch Löw wird wohl nur einen berufen.

Eine ganz starke Saison spielt Philipp Max. Der Augsburger könnte als Alternative zu Linksverteidiger Jonas Hector noch auf den WM-Zug aufspringen. Größere Überraschungen im WM-Aufgebot oder gar eine „Geheimwaffe“ wie David Odonkor 2006 erwartet Bierhoff „eigentlich nicht, der Kreis ist mehr oder weniger bekannt“.

Noch nicht wieder dazu gehört Kapitän Manuel Neuer, für den es nach seiner erneuten Fuß-Operation noch immer keinen Rückkehr-Termin gibt. Löw ist dennoch „felsenfest“ von einer WM-Teilnahme seiner Nummer eins überzeugt. Fällt Neuer aber aus, muss der Bundestrainer weitere Fragen beantworten. Dann steigen auch die WM-Chancen des Ex-Lauterers Kevin Trapp (Paris St. Germain).