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Fußball
Ehrmanns Aus wird zur Schlammschlacht

 Au Backe: Der Rauswurf der Lauterer Vereins-Ikone Gerry Ehrmann (rechts) wird wohl ein juristisches Nachspiel haben.
Au Backe: Der Rauswurf der Lauterer Vereins-Ikone Gerry Ehrmann (rechts) wird wohl ein juristisches Nachspiel haben. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Kaiserslautern. Vereins-Ikone will sich gegen Rauswurf juristisch zur Wehr setzen. FCK begründet die Trennung mit Beleidigungen und Drohungen. sid/red

Noch am Vormittag hatte Gerry Ehrmann erklärt, „keine dreckige Wäsche“ waschen zu wollen, am Montagabend war das alles vergessen. Der Rauswurf der Vereins-Ikone beim Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern wird zu einer Schlammschlacht mit ungewissem Ausgang – und das mitten im Abstiegs- und Existenzkampf des Vereins, dem am Samstag zudem das emotional aufgeladene Südwest-Derby beim SV Waldhof Mannheim bevorsteht.

„Das lasse ich mir nicht gefallen. Jetzt ist das eine Sache für die Anwälte“, kommentierte der 61-Jährige die neuesten Entwicklungen. Er sei „geschockt und traurig, dass das jetzt solche Ausmaße angenommen hat. Ich habe niemanden beleidigt und auch nicht die Arbeit verweigert. Das ist erfunden und erlogen. Noch einmal: Ich habe niemanden beleidigt und niemanden bedroht. Das ist eine absolute Frechheit, was in der Pressemitteilung steht“, erklärte Ehrmann als Reaktion auf eine Stellungnahme des Vereins.

Unmittelbar zuvor hatte der FCK sich öffentlich erklärt und die umstrittene Entlassung Ehrmanns nach 36 Jahren mit Beleidigungen und Drohungen seitens des Torwarttrainers begründet. „In den vergangenen drei Tagen, beginnend am Freitag vor dem wichtigen Heimspiel gegen den FSV Zwickau (0:0, Anm. der Redaktion), ist es mehrfach durch Gerry Ehrmann zu massiven, substanziellen Beleidigungen, Arbeitsverweigerungen und Drohungen gegenüber dem Trainerteam gekommen. Diese Vorkommnisse sind dabei unter Zeugen aus dem Trainer- und Betreuerteam passiert sowie dokumentiert und haben in ihren Auswirkungen auch die Mannschaft erreicht. Zum Schutz der betroffenen Personen und für die Gewährung eines zielgerichteten Trainings- und Spielbetriebs sah sich die Vereinsführung zum Handeln gezwungen“, hatte der FCK mitgeteilt.



Der Konflikt im Trainerteam, insbesondere mit Cheftrainer Boris Schommers, habe laut FCK schon „seit Monaten“ geschwelt. Auch in der Vergangenheit soll Ehrmann mit Cheftrainern schon Probleme gehabt haben, doch die Kultfigur blieb stets unantastbar. Der Tragweite ihrer Entscheidung sind sich die Verantwortlichen bewusst. „Trotz aller unbestrittenen Verdienste von Gerry Ehrmann um den Verein und dem Wissen um seine Popularität bei den FCK-Fans war die Freistellung nach den nicht zu tolerierenden Vorkommnissen unumgänglich und wird gemeinsam von den Verantwortlichen des Aufsichtsrats, Ehrenrats, Vorstands, Beirats und der Geschäftsführung des 1. FC Kaiserslautern vollumfänglich getragen“, teilte der Verein mit.

Die Fans halten aber weiter zu ihrem Urgestein und starteten am Montag direkt eine Online-Petition. Bis Dienstagnachmittag hatten bereits über 7500 Menschen die Petition mit dem Titel „Gerry Ehrmann bleibt beim FCK“ unterschrieben. Dort heißt es: „Unsere Legende entlässt niemand – er ist der FCK!“

Ehrmann hatte seine Karriere beim viermaligen deutschen Meister 1984 begonnen, als er vom 1. FC Köln kam. Nach 301 Ligaspielen mit je zwei Meisterschaften und DFB-Pokalsiegen für die Lauterer beendete er 1998 seine aktive Karriere. Ehrmann bildete fortan in der berühmten Lauterer Torwartschule unter anderem Größen wie Roman Weidenfeller, Tim Wiese oder Nationaltorwart Kevin Trapp aus.

Nach der Freistellung von Gerry Ehrmann wird das Torwarttraining der FCK-Profis bis auf weiteres von Sven Höh geleitet. Der Torwartkoordinator des Nachwuchsleistungszentrums, Inhaber der Torwarttrainer-Elite-Lizenz ist laut Angaben des FCK schon seit elf Jahren für die Roten Teufel tätig. Der gebürtige Lautrer, der zwischen 2011 und 2013 auch als Torwart und Torwarttrainer beim Oberligisten SVN Zweibrücken aktiv war, wird auch weiterhin als Torwartkoordinator für das Nachwuchsleistungszentrum zuständig sein.