| 20:16 Uhr

Fortuna Düsseldorf im Abstiegskampf
Lobeshymnen mag er nicht mehr hören

Der Düsseldorfer Trainer Friedhelm Funkel lässt sich von der Negativ-Serie seiner Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen. Der 64-Jährige hat genug Erfahrung auch in schwierigen Situationen.
Der Düsseldorfer Trainer Friedhelm Funkel lässt sich von der Negativ-Serie seiner Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen. Der 64-Jährige hat genug Erfahrung auch in schwierigen Situationen. FOTO: dpa / Marius Becker
Frankfurt. Fortuna Düsseldorf kämpft in der Fußball-Bundesliga nur gegen den Abstieg. Das weiß auch Trainer Friedhelm Funkel. sid

So richtig überrascht wurde Friedhelm Funkel vom Einbruch seiner Mannschaft nicht. Nach drei Niederlagen in Folge rutschte Fortuna Düsseldorf auf den vorletzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga ab. Ausgerechnet vor Funkels Rückkehr nach Frankfurt am heutigen Freitagabend (20.30 Uhr) kriselt es in seinem Team. Aber der Veteran auf der Trainerbank lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Dafür hat Funkel einfach schon zu viel erlebt und mitgemacht.

„Die Spieler lernen schnell, aber natürlich fehlt es in Offensive wie Defensive, sonst hätten wir drei bis fünf Punkte mehr“, sagt der 64-Jährige und stellt die Qualitätsfrage: „Ich hätte gerne auch einen Plea verpflichtet oder einen Alcácer. Aber wir sind Fortuna Düsseldorf, der Aufsteiger.“ Mit nur fünf Punkten aus sieben Spielen trennt Düsseldorf nur noch das bessere Torverhältnis von Schlusslicht Stuttgart. Mit den Schwaben sei sein Team aber auf keinen Fall zu vergleichen, betont Funkel. Der VfB habe „die Mannschaft für 40 Millionen Euro verstärkt und eine ganz andere Zielsetzung“. Damit hat er duchaus Recht. Den großen Druck, punkten zu müssen, haben andere.

Trotzdem will sich die Fortuna in der Eliteliga behaupten. Vorstands-Chef Robert Schäfer nennt 15 bis 17 Punkte bis zur Weihnachtspause eine gute Basis für den Klassenverbleib. „Ich halte nicht viel davon“, sagt Funkel zu den Zahlenspielen seines Vorgesetzten, warnt aber, „dass die Kluft zu den rettenden Plätzen nicht zu groß wird“.



Bei nur einem Treffer aus den letzten vier Spielen hat man bei der Fortuna vor allem Schwächen im Abschluss ausgemacht. „Zum Teil ist das eben auch eine Frage der mangelnden Bundesliga-Erfahrung“, meint Funkel, dessen Offensivkräfte Marvin Ducksch (null Tore), neu aus Kiel, und Rouwen Hennings (ein Tor) bislang nicht sonderlich in Erscheinung getreten sind.

Mit etwas Neid blickt Funkel daher auf seinen ehemaligen Club Eintracht Frankfurt, der sich nach schwachem Start in der Liga gefangen und im oberen Mittelfeld festgesetzt hat. „Die Eintracht macht das gut und hat ein starkes Team“, sagt Funkel. Zwischen 2004 und 2009 war der Routinier selbst Trainer bei der Eintracht und ist noch heute der Eintracht-Coach mit der längsten Amtszeit seit der Jahrhundertwende. Auch deshalb sei das Spiel für ihn etwas Besonderes. „Ich hatte dort fünf tolle Jahre mit tollen Menschen“, sagt Funkel. Der frühere Profi von Bayer Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern erinnert sich gerne an die Zeit in der Main-Metropole.

In Düsseldorf spürt Funkel trotz des Negativ-Trends weiter Rückendeckung. Fortuna-Legenden wie Egon Köhnen oder Gerd Zewe hätten ihn auf seinem Weg bestärkt, auch Trainer-Kollegen wie Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco hätten ihn gelobt. Doch angesichts von so viel Anerkennung meint Funkel auch: „Ich kann es bald nicht mehr hören, weil unterm Strich natürlich die Punkte fehlen.“ Auch er weiß aus seiner Erfahrung, dass der Fußball in der Spitze ein Ergebnissport ist.