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Fußball
Becca kommt mit brisanten Forderungen

Kaiserslautern. Der Investor aus Luxemburg wird wohl beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern einsteigen und die Zukunft sichern. dpa/sid

Der Weg für den Einstieg von Investor Flavio Becca beim finanziell schwer angeschlagenen Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern ist so gut wie frei. Der fünfköpfige Beirat der Kapitalgesellschaft sowie der Vorstand des Vereins haben sich am Donnerstagabend nach einer Sitzung mit der Geschäftsführung für ein Engagement des Luxemburger Immobilienkaufmanns beim viermaligen deutschen Meister ausgesprochen.

Beide Gremien begrüßen die „Pläne über eine langfristig und nachhaltig angelegte Kooperation und sehen in der Zusammenarbeit mit Flavio Becca eine große Chance für den 1. FC Kaiserslautern, sowohl was die kurzfristige Absicherung der Lizenz, als auch was die zukünftige Entwicklung des FCK betrifft“, teilten die Lauterer mit: „Gemeinsam mit Flavio Becca als langfristigem strategischem Partner wollen die Verantwortlichen an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten.“

Darüber hinaus sprach der Beirat den Geschäftsführern Martin Bader (Sport) und Michael Klatt (Finanzen) das Vertrauen aus, nachdem im Gremium zuletzt Uneinigkeit über deren Zukunft geherrscht hatte. Bader und Klatt, die gemeinsam mit Aufsichtsrat-Chef Patrick Banf zuvor intensive Verhandlungen mit Becca geführt hatten, seien damit beauftragt, diese „weiterzuführen und zeitnah Details einer langfristig angelegten Partnerschaft zu erarbeiten“, so die Lauterer. Auch die Themen „Lizenzierung sowie Planung und Umsetzung der kommenden Spielzeit“ sollen durch das Führungs-Duo bearbeitet werden.



Nach übereinstimmenden Informationen des kicker und des SWR nimmt Becca schon jetzt massiv Einfluss im Club. Demnach machte es der Investor zur Bedingung, dass Baders Vertrag verlängert wird. Zudem fordere Becca, dass Beiratsmitglied Michael Littig bis zum kommenden Montag zurücktrete. Ansonsten verfalle das Angebot eines kurzfristigen Darlehens in Höhe von 2,6 Millionen Euro zur Sicherung der Lizenz für die kommende Saison. Littig soll im Gremium zu Baders Gegnern zählen und Banf kritisch gegenüberstehen.

Im Sport ist Flavio Becca kein Unbekannter. 2011 gründete er mit großem Aufsehen das luxemburgische Radteam Leopard, das Andy Schleck zum Tour-de-France-Sieg führen sollte. Das Projekt hatte aber keinen durchschlagenden Erfolg, nur ein Jahr später folgte bereits die Fusion mit dem amerikanischen Radio-Shack-Team. Zudem hat Unternehmer Becca eine Vorliebe für den Fußball. Als Mäzen unterstützt er seit Jahren den luxemburgischen Club F91 Düdelingen, der es diese Saison überraschend sogar in die Gruppenphase der Europa League geschafft hat. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch Korruptionsvorwürfe gegen Milliardär Becca, der vom Lauterer Club-Idol Klaus Toppmöller beraten wird.

Bei den bisherigen Gesprächen der FCK-Führung um Klatt, Bader und Banf mit Becca stand offenbar ein Fünfjahresplan mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 25 Millionen Euro im Raum. Auch ein Kauf des Fritz-Walter-Stadions, welches sich im Besitz der Stadt Kaiserslautern befindet, war offenbar ein Teil der Gespräche.

Der FCK braucht aktuell – bis Ende Mai – etwa fünf Millionen Euro, um die Lizenz zu erhalten. Finanzchef Klatt betonte zuletzt, mit den Becca-Millionen wäre die Lizenz gesichert. Doch dafür ist wohl zunächst ein Darlehen des 56-Jährigen nötig, da ein Vertragsabschluss als Eigenkapitalgeber bis zum Nachweis der Lizenzunterlagen Ende Mai kaum realisierbar ist.

Trotz der Schieflage in allen Ebenen des Vereins haben auch die Fans ein beachtliches Zeichen gesetzt und in beträchtlichem Umfang in die Fan-Anleihe und das onlinebasierte Crowdlending investiert. „Wir wollten über beide Instrumente zwei Millionen Euro einsammeln. Dieses Ziel haben wir im Grunde erreicht. Ich bin froh und dankbar, das war nur dank unserer tollen Fans möglich. Diese Unterstützung ist bei der aktuellen sportlichen Lage und dem anspruchsvollen sportpolitischen Umfeld nicht selbstverständlich“, sagte Klatt.

Fußball gespielt wird aber auch noch. Am Samstag empfängt der FCK um 14 Uhr die Spvgg. Unterhaching im Fritz-Walter-Stadion und könnte mit einem Sieg letzte rechnerische Zweifel am Klassenerhalt zerstreuen.