| 23:43 Uhr

Ist Bosz bald weg?
Dortmund wie ein Bild des Jammers

 Schon wieder verloren: Die Profis von Borussia Dortmund um Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang (2. von rechts) konnten es nach dem 1:2 gegen Tottenham nicht fassen. Der BVB ist vor dem Derby gegen Schalke schwer in der Krise.
Schon wieder verloren: Die Profis von Borussia Dortmund um Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang (2. von rechts) konnten es nach dem 1:2 gegen Tottenham nicht fassen. Der BVB ist vor dem Derby gegen Schalke schwer in der Krise. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Dortmund. Kriselnder BVB und Trainer Bosz stehen nach dem 1:2 in der Champions League gegen Tottenham unter Druck.

Ein ratloser Trainer, ein hilfloses Team – Borussia Dortmund bot erneut ein Bild des Jammers. Unbequeme Fragen nach seiner Zukunft blieben Peter Bosz auch an seinem 54. Geburtstag deshalb nicht erspart. Gewohnt stoisch, aber ungewohnt offen kommentierte der Niederländer nach dem 1:2 (1:0) am Dienstagabend gegen Tottenham Hotspur die vertrackte Ausgangslage. Schließlich könnte das Revierderby am Samstag (15.30 Uhr) zu einem „Endspiel“ um seinen Arbeitsplatz werden. „Ich weiß, es ist wichtig, dass wir gegen Schalke gewinnen – auch für meine Position. Wenn man bei einem großen Verein wie Dortmund Trainer ist und so lange nicht gewinnt, ist Druck da.“

Die Fans auf der mächtigen Süd­tribüne pfiffen angesichts des frühen Aus in der Champions League zwar nicht, forderten aber klar einen Erfolg gegen den Erzrivalen. Klappt das nicht, dürfte die bisher noch moderate Stimmung kippen – vor allem zu Lasten von Bosz. „Die Fans haben lange die Ruhe bewahrt. Denen sind wir etwas schuldig“, sagte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer.

Die Schlagzeilen, dass der Ausgang der Partie über den Verbleib des Trainers entscheiden könnte, befremdeten Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aber gestern. „Darauf gibt es nur eine Antwort. Mit dieser Frage laufen sie bei mir ins Leere“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“ zur Trainerfrage.



Bei dem Versuch, die anhaltende Talfahrt der Borussia mit zuletzt nur einem Sieg in acht Spielen plausibel zu erklären, wirkte Bosz ähnlich hilflos wie seine Spieler zuvor auf dem Rasen. Selbst die Führung von Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang (31.), der seine Torflaute nach 507 Minuten beendete, verschaffte keine Sicherheit. Die Anregung, mit Hilfe eines Mentaltrainers die Verunsicherung zu vertreiben, hielt Bosz für überflüssig: „Das Derby ist das Beste, was uns passieren kann. Alle Spieler wissen, wie wichtig das ist – vor allem für unsere Fans.“

Wie der Trainer hofft auch Schmelzer auf ein befreiendes Erfolgserlebnis, damit das binnen weniger Wochen verschütt gegangene Potenzial der Mannschaft wieder freigelegt wird. Zweifel an der Arbeit des Trainers lässt der Kapitän ungeachtet der vielen negativen Schlagzeilen nicht zu: „Die Mannschaft steht hinter ihm. Wir haben nicht ein großes, sondern viele kleine Probleme.“

Dilettantische Abwehrfehler brachten die eigentlich passabel in die Partie gestartete Borussia auch gegen Tottenham um den Sieg. Harry Kane (49.) und der ehemalige Bundesliga-Profi Heung-Min Son (76.) nutzten diese Schwäche eiskalt aus. „Solche Tore dürfen nicht alle drei Tage passieren, das müssen wir souverän runterspielen“, klagte Weltmeister Mario Götze.

Aus dem einstmals stolzen Champions-League-Team, das bei seinem letzten vier Teilnahmen stets die K.o.-Runde erreichte, ist ein europäisches Leichtgewicht geworden. Dennoch könnte der BVB die erste Mannschaft der Königsklasse sein, die sich mit mickrigen zwei Zählern noch für die Europa League qualifiziert. Sowohl beim direkten Vergleich als auch bei der Punktausbeute liegt der BVB mit dem klar besseren Torverhältnis vor dem letzten Spieltag bei Real Madrid in zwei Wochen gleichauf mit Apoel Nikosia, das zeitgleich beim Gruppensieger Tottenham antreten muss.