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Tour de France
Doping: Die Vergangenheit fährt weiter mit

Laruns. Meist im Spätsommer, einige Wochen nach dem Ende der Tour de France, kommt die frohe Botschaft. „Alle Proben negativ“. Der letzte dokumentierte Dopingfall der Tour wurde 2015 registriert.

Aber auch wenn das frühere Dauerthema in den vergangenen Jahren kaum noch aktuellen Gesprächsstoff lieferte: Die dunkle Vergangenheit fährt – traditionell – weiter mit. Auch bei der 105. Frankreich-Rundfahrt.

Im „Salle de Presse“ sitzt jeden Tag seit dem Startschuss unter 2000 Journalisten Michael Rasmussen im Auftrag der Boulevardzeitung „Ekstrabladet“. Der Däne war 2007 im Gelben Trikot wegen Doping-Verdachts aus der Tour geflogen. Wenige Wochen später wurde er überführt und gesperrt. Erst viel später legte er ein Geständnis ab.

Vor wenigen Tagen twitterte Rasmussen als „kleine Inspiration“ vor einer schweren Bergetappe ein Video von sich und Alberto Contador beim packenden Duell 2007 am Col de Peyresourde. Damals lieferten sie sich einen regelrechten Sprint-Zweikampf in den Pyrenäen. Als Rasmussen gefragt wurde, ob er damals sauber gewesen sei, antwortete er ironisch mit einem Heiligenschein-Smiley. In seinem Twitter-Profil beschreibt er sich als jemand, „der einst mit dem Rad so schnell wie nur menschenmöglich fuhr – und manchmal noch schneller!“



Die Salbutamol-Affäre des viermaligen Siegers Chris Froome hätte die Qualität für größere Verwicklungen gehabt. Sie wurde aber sehr schnell unmittelbar vor dem Start des wichtigsten Radrennens der Welt mit einer heftig diskutierten Verfahrenseinstellung gelöst. Die Tour-Organisatoren beharrten daraufhin nicht mehr auf ihrem Startverbot.

Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel hatte den Freifahrtschein für den Briten kritisiert und vom Internationalen Radsport-Verband UCI sowie von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA als Wegbereiter der Entscheidung Transparenz gefordert. „Es sieht wie ein abgekartetes Spiel aus: Die Tour droht – die UCI liefert mit Hilfe der WADA“.