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Die Zeit ist reif für große Erfolge

Oberstdorf. Zwölf Jahre warten die deutschen Skispringer auf einen Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee. Der letzte Tagessieg liegt bereits elf Jahre zurück. Die Zeit ist also reif, meint Bundestrainer Werner Schuster. Von dpa-MitarbeiterEric Dobias

Mit einem schlagkräftigen Dreigestirn an der Spitze wollen die deutschen Ski-Adler bei der 62. Vierschanzentournee der starken Konkurrenz trotzen. Andreas Wellinger, Richard Freitag und vor allem Severin Freund tragen die Hoffnungen auf den ersten Tagessieg seit elf Jahren und träumen insgeheim sogar vom ersten Gesamttriumph seit Sven Hannawald 2002. "Wir wollen nicht die Ära von Hannawald und Schmitt zurückholen, sondern eine eigene beginnen", verkündete Freund vor dem Auftakt in Oberstdorf mit der Qualifikation an diesem Samstag und dem Springen am Sonntag (jeweils 16.30 Uhr/ARD).

Auch wenn im Vorfeld nicht alles nach Plan lief, sieht Bundestrainer Werner Schuster seine Schützlinge für das erste große Kräftemessen im Olympia-Winter gerüstet. "Drei Spitzenspringer sind recht viel - mehr hat keine andere Nation. Der Sieg ist trotz der enormen Konkurrenz für uns absolut möglich", sagte Schuster.

Gleich fünf Mal standen seine Schützlinge in dieser Saison bereits auf dem Podium, Freund in Lillehammer sogar ganz oben. Dorthin will er auch bei der Tournee. "Ich bin bereit für den Sieg, aber es wollen sehr, sehr viele nach ganz oben. Bei der Leistungsdichte kann es schnell hoch, aber auch runter gehen", erklärte Freund. Obwohl es bei der Generalprobe kurz vor Weihnachten in Engelberg überhaupt nicht rund lief, gilt Freund im deutschen Team als der aussichtsreichste Anwärter auf Top-Resultate. "Er ist die heißeste Aktie", sagte Schuster. Favoriten sind für ihn jedoch andere: "Kamil Stoch, Anders Bardal und Gregor Schlierenzauer. Severin Freund ist die Nummer vier."

Seit seiner Amtsübernahme im Frühjahr 2008 hat der Österreicher Schuster die damals flügellahmen deutschen Springer wieder flott gemacht. Doch während es im Weltcup seither regelmäßig Siege zu bejubeln gibt, steht ein Erfolg bei einem Großereignis noch aus. Vielleicht überrascht ja der junge Wellinger. "Es ist eine Herausforderung, nach dem ersten Jahr, in dem ich im Mittelpunkt gestanden bin, wieder vorne dabei zu sein und mich zu stabilisieren", sagte der 18-Jährige.

Als Geheimwaffe geht Richard Freitag in die Wettkampfserie mit den Springen in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar). Nach einer zehnwöchigen Auszeit wegen eines Mittelfußbruches und der aufgrund einer Knochenhautreizung verpassten Generalprobe lastet kein Druck auf dem 22-Jährigen. "Als seriöser Tournee-Topkandidat fällt er natürlich raus. Aber er hat nichts zu verlieren", erklärte der Bundestrainer.

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Auf einen Blick13 deutsche Athleten sind für die 62. Vierschanzentournee nominiert. Neben dem siebenköpfigen Weltcup-Team dürfen in den deutschen Tournee-Orten Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sechs Springer aus der sogenannten nationalen Gruppe starten. Danach wird das Aufgebot auf sieben Athleten reduziert. Das Aufgebot: A-Team: Severin Freund (Rastbüchl), Richard Freitag (Aue), Karl Geiger (Oberstdorf), Marinus Kraus (Oberaudorf), Michael Neumayer (Berchtesgaden), Andreas Wank (Oberhof), Andreas Wellinger (Ruhpolding). Nationale Gruppe: Markus Eisenbichler (Siegsdorf), Jan Mayländer (Degenfeld), Maximilian Mechler (Isny), Martin Schmitt (Furtwangen), Danny Queck (Lauscha), Daniel Wenig (Berchtesgaden). dpa