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Fußball-Nationalmannschaft
Die WM-Teilnahme hängt am seidenen Faden

Die deutsche Nationalmannschaft wird auf ihren Stammtorhüter und Kapitän Manuel Neuer bei der Mission Titelverteidigung in Russland womöglich verzichten müssen. Das wird immer wahrscheinlicher.
Die deutsche Nationalmannschaft wird auf ihren Stammtorhüter und Kapitän Manuel Neuer bei der Mission Titelverteidigung in Russland womöglich verzichten müssen. Das wird immer wahrscheinlicher. FOTO: dpa / Andreas Gebert
München. Torhüter Manuel Neuer hat noch Probleme mit seinem operierten Fuß. Auch am Samstag wird er nicht zum Bayern-Kader zählen.

Manuel Neuer trug ein graues Torwarttrikot, als er über seine Zweifel an einer WM-Teilnahme sprach. Dass der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seine Arbeitskleidung auch im Sommer in Russland trägt, wird immer unwahrscheinlicher. „Ich denke nicht, dass es vorstellbar ist, dass ich ohne Spielpraxis in so ein Turnier gehe“, sagte Neuer am Rande der Präsentation der neuen Trikots des FC Bayern. Und so bald wird er sein Comeback nicht geben.

Die Münchner planen auch im Bundesliga-Finale an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart ohne ihn. Neuer werde „noch nicht im Kader stehen“, sagte Trainer Jupp Heynckes am Mittwoch. Für das Pokalendspiel am 19. Mai gegen Eintracht Frankfurt sei „die Entscheidung hingegen noch offen“, ergänzte Heynckes. Dennoch gilt es als sicher, dass Neuer-Vertreter Sven Ulreich in Berlin im Bayern-Tor zumindest beginnen wird.

„Es sind ja noch ein paar Spiele“, sagte Neuer, aber: Vor der Nominierung des endgültigen 23er-Kaders für das Turnier (14. Juni bis 15. Juli) durch Bundestrainer Joachim Löw am 4. Juni bliebe ihm nur noch das Länderspiel zwei Tage zuvor gegen Österreich in Klagenfurt. Am 8. Juni testet die Mannschaft außerdem in Leverkusen gegen Saudi-Arabien, am 17. Juni startet sie in Moskau gegen Mexiko in die WM – mit weiteren Gruppenspielen gegen Schweden (23. Juni) und Südkorea (27. Juni).



Im Moment, sagte Neuer, könne er nicht sagen, dass er zu 100 Prozent mit nach Russland fliege. Wegen seines Mittelfußbruchs hat er seit September kein Spiel mehr bestritten. Heynckes’ Pläne, ihn gegen den 1. FC Köln (3:1) oder den VfB Stuttgart zu bringen, wurden von einer Schwellung am operierten linken Fuß zunichte gemacht. Stress will sich Neuer trotz der schwierigen Situation nicht machen. „Ich muss für mich, die Mannschaft und die Fußball-Republik Deutschland die richtige Entscheidung treffen. Da hilft es nicht, sich aus der Ruhe bringen zu lassen“, sagte er.

Bundestrainer Löw, der am kommenden Dienstag in Dortmund seinen vorläufigen WM-Kader benennen wird, plant fest mit Neuer. Wegen der unklaren Lage wird er aber neben seinem Kapitän und dessen bisherigem Stellvertreter Marc-Andre ter Stegen wohl auch die zuletzt getesteten Bernd Leno und Kevin Trapp ins Trainingslager nach Südtirol (23. Mai bis 7. Juni) mitnehmen. Neuer verwies auf den „engen Draht“ zu Löw und Andreas Köpke, dem Bundestorwarttrainer, mit denen er regelmäßig im Austausch stehe. „Wir schauen bei Manu von Tag zu Tag“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Oliver Schmidtlein, früherer Physiotherapeut der Nationalmannschaft, hält ein Neuer-Comeback noch vor der WM für ausgeschlossen. „Frühestens bei den K.o.-Spielen“ werde Neuer einsatzbereit sein.

Neuers Mitwirken an der historischen Mission Titelverteidigung wäre „sehr wichtig“, sagte der ebenfalls verletzte Abwehrchef Jerome Boateng: „Er ist unser Kapitän und eine starke Persönlichkeit. Es gibt einem einfach ein gutes Gefühl, wenn Manu hinter dir steht.“ Boateng selbst rechnet fest mit seiner WM-Teilnahme. „Der Bundestrainer weiß ganz genau, dass es mein Ziel und absolut realistisch ist, dass ich da mitfahre“, sagte er.

Auch Neuer hofft noch. Vor Jahren, sagte er, habe er schon einmal ein graues Trikot getragen. „Da hatte ich eine tolle und erfolgreiche Saison. Vielleicht ist das ein gutes Omen.“ Er macht sich Mut, keine Frage. Aber es klingt eher nach Zweckoptimismus. Mehr bleibt Manuel Neuer derzeit auch nicht.