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Die WM im eigenen Land kann kommen

Göteborg. Der sechste Platz bei der Europameisterschaft lässt die deutschen Handballerinnen hoffen – vor allem auf eine erfolgreiche Heim-WM im kommenden Jahr. Der Verband träumt sogar schon von einer Olympiamedaille 2020. sid

Der Schlussakkord misslang, doch auf das Gesamtwerk blickte Michael Biegler voller Stolz und Zuversicht. Das 22:23 gegen Rumänien im Spiel um Rang fünf hakte der Bundestrainer der deutschen Handballerinnen schnell ab. Nach den gelungenen Auftritten in Schweden richtete nicht nur Biegler den Blick direkt nach vorne - auf die Heim-WM 2017 und in eine womöglich goldene Zukunft.

"Bei der Weltmeisterschaft gibt es kein Spiel um Platz fünf", sagte Biegler: "Wenn man bei der WM am Ende dabei sein möchte, muss man das Halbfinale erreichen. Das ist unser großes Ziel." Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), ging sogar noch einen Schritt weiter: Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio soll es schon eine Medaille sein. "Das schaffen wir auch", sagte er.

Platz sechs bei der EM, das beste Turnierergebnis seit acht Jahren - Biegler stellte zurecht fest, dass sein Team "an der Weltspitze angeklopft" und sich in Schweden "zurückgemeldet" habe. Bereits vor dem Turnier hatte er seinen Spielerinnen einen Freifahrtsschein für die EM ausgestellt. Er wollte ausprobieren, "eine Kugel kann daneben gehen", sagte der 55-Jährige. Alles war dem Ziel untergeordnet, das Team für das große Kräftemessen im Dezember 2017 im eigenen Land aus dem jahrelangen Tief herauszuholen. Das ist Biegler bislang eindrucksvoll gelungen.



Die Mannschaft präsentierte sich in Schweden als Einheit, hatte stets Spaß an der täglichen Arbeit und fuhr beeindruckende Ergebnisse ein. Ein Tor mehr beim 20:20 gegen Spanien, und die Auswahl hätte sogar das Halbfinale erreicht. "Die Mannschaft weiß: Wenn sie gewisse Dinge konstant abruft, ist sie wettbewerbsfähig", sagte Biegler.

Für ein EM-Halbfinale habe es nach acht Monaten gemeinsamer Zusammenarbeit noch nicht gereicht. Das Spiel um Platz fünf spiegele laut Biegler das aktuelle Potenzial gut wider. Bis nach ganz vorne fehlt der Mannschaft derzeit noch Konstanz. Außerdem sind Länder wie Frankreich oder Norwegen in der Athletik deutlich weiter. Laut Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld sei die Mannschaft dagegen jetzt schon "konditionell führend".

Bieglers Projekt ist zunächst bis Ende 2017 angesetzt, auch der Vertrag mit Sommerfeld läuft im Februar 2018 aus. Zudem werden Führungsspielerinnen wie Torhüterin Clara Woltering (33) oder Spielführerin Anna Loerper (32) nicht mehr ewig spielen. Doch zunächst zählt laut Loerper: "Alle Nationen haben gesehen: In Deutschland tut sich was, mit denen muss man in Zukunft rechnen." Vielleicht schon bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr im eigenen Land.