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Die „Poesie in Bewegung“ stockt

New York. Usain Bolt ist im Fernduell mit Justin Gatlin gefordert. Gelingt dem schwächelnden Sprint-Superstar beim Diamond-League-Meeting in New York, wo er vor sieben Jahren erstmals Weltrekord lief, endlich ein Konter? sid

Wummernde Bässe, grölende Gäste und verstopfte Straßen - Sprint-Superstar Usain Bolt hat sich in den vergangenen Tagen mit seinen wilden Feiern keine Freunde unter seinen Nachbarn gemacht. "Er ist der ultimative Party-Clown", klagte Jodi Stewart-Henriques zuletzt über die nächtlichen Ruhestörungen. Das Model lebt mit Ehemann und Rapper Sean Paul in Kingston in der Villa neben Bolt: "Er ist ein schrecklicher Nachbar."

Die kleine Party-Affäre sorgt in Jamaika für ordentlich Wirbel, schließlich läuft Bolt wie schon 2014 auch in dieser Saison seiner Form hinterher. Dabei hatte er doch versprochen, für das Duell mit Justin Gatlin seinen Lebensstil zu verändern. Mehr auf seinen mittlerweile 28 Jahre alten Körper zu achten, sich bewusster zu ernähren, die geliebten Chicken McNuggets wegzulassen, mehr Medizin-Checks zu machen und weniger Partys zu feiern - um bei der Weltmeisterschaft in Peking (22. bis 30. August) wieder jede Menge Gold abzuräumen. Doch bisher reichte es für Bolt nur zu 20,13 Sekunden über 200 Meter - eine Zeit, die er in seinen besten Zeiten wohl in Flip Flops gelaufen wäre.

Doch der Liebling der Massen gibt sich betont cool. Bolt glaube zu "100 Prozent" daran, wieder in die Gala-Verfassung der Vergangenheit zu kommen. "Wenn sich mein Trainer keine Sorgen macht, mache ich mir auch keine Sorgen", sagte der achtfache Weltmeister vor dem Diamond-League-Meeting an diesem Samstag in New York (19 Uhr/Eurosport 2).

Im Big Apple hatte er am 31. Mai 2008 über 100 Meter seinen ersten Weltrekord (9,72 Sekunden) aufgestellt und war wenige Wochen später in Peking mit seinen ersten drei von insgesamt sechs Olympiasiegen zum Megastar der Leichtathletik aufgestiegen. "Niemand wird jemals den Tag seines ersten Weltrekordes vergessen", sagte Bolt, der in New York über 200 Meter startet.

Im Gegensatz zur Saison 2008 scheint Bolt heute aber schlagbar. Gatlin rüttelt mit seinen Weltjahresbestzeiten über 100 und 200 Meter (9,74 und 19,68) kräftig am Thron seines Rivalen. Doch selbst Gatlin outete sich zuletzt als Bewunderer von Bolt: "Ich liebe es, ihn laufen zu sehen. Er ist Poesie in Bewegung." Und auch seine Nachbarn scheinen insgeheim Fans von "Party-Clown" Bolt zu sein. Stewart-Henriques hat sich mittlerweile für ihre Äußerungen öffentlich entschuldigt.