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Wintersport
Die Olympia-Helden greifen wieder an

In Pyeongchang lief es für die deutschen Skispringer Karl Geiger (von links), Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger ausgezeichnet, jetzt müssen sie sich wieder auf den Weltcup-Alltag konzentrieren.
In Pyeongchang lief es für die deutschen Skispringer Karl Geiger (von links), Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger ausgezeichnet, jetzt müssen sie sich wieder auf den Weltcup-Alltag konzentrieren. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Lahti. Die deutschen Skispringer um Andreas Wellinger und die Kombinierer starten am Wochenende beim Weltcup in Lahti.

Andreas Wellinger trägt die Traumtage von Pyeongchang noch im Herzen, Eric Frenzel und Johannes Rydzek konnten nicht einmal richtig auspacken – und schon geht die Hatz durch die Wintersport-Saison weiter. Keine Woche nach der Schlussfeier in Pyeongchang steht für die deutschen Olympia-Helden die „After-Show-Party“ beim nordischen Skisport-Weltcup in Lahti an. Und trotz allem nacholympischen Blues geht es vor allem für Überflieger Wellinger noch um eine ganze Menge.

„Zuhause habe ich angefangen zu realisieren, was die letzten Wochen passiert ist“, sagt der erfolgreichste Skispringer der Winterspiele, der in Südkorea einmal Gold und zweimal Silber gewann: „Ich bin sehr dankbar über jedes Erlebnis, jeden Moment, den ich feiern durfte.“

Saisonziel erreicht, könnte man meinen, doch jetzt geht es für den 22 Jahre alten Bayer um den Gesamtweltcup: Wellinger als derzeit Dritter mit 736 Punkten und Teamkollege Richard Freitag als Zweiter (820) machen Jagd auf den führenden Polen Kamil Stoch (863), den Olympiasieger von der Großschanze. Bei einer Maximal-Punktzahl von 100 pro Wettkampf und noch sieben ausstehenden Einzelspringen bis Ende März ist noch alles drin.



Der dreimalige Saisonsieger Freitag, bestimmender Springer der beiden ersten Weltcup-Monate, stand bei Olympia ein wenig im Schatten Wellingers, ehe ihm an dessen Seite mit Teamsilber der bislang größte Karriereerfolg gelang – dementsprechend rauschend fiel die Begrüßung in seiner Wahlheimat Oberstdorf aus. „Das war ein überragender Empfang“, sagte der Sachse: „Daheim im Erzgebirge holen wird das auch noch nach.“ Gut möglich, dass es dann noch mehr zu feiern gibt – schon im Einzelspringen von Lahti am Sonntag (am Samstag steht zunächst ein Teamwettkampf an) könnte Freitag die Weltcup-Führung zurückerobern. Gemeinsam mit ihm ließ sich Kombinierer Rydzek am Dienstag für seine beiden olympischen Goldmedaillen feiern – für den Ur-Oberstdorfer ein unvergessliches Erlebnis. „Mehr als 3000 Leute bei minus 14 Grad – das war großartig, der Wahnsinn“, sagte Rydzek. Zumindest klimatisch musste er sich nicht umstellen: In Pyeongchang herrschte klirrende Kälte, auch in Lahti warten frostige Wettkampftage mit einem Teamsprint (Samstag) und einem Einzelrennen (Sonntag).

Dennoch wird es dem 26 Jahre alten Allgäuer in Lahti warm ums Herz werden, schließlich kehrt er – Olympia hin, Pyeongchang her – an die Stätte seiner größten Triumphe zurück: Im Vorjahr holte Rydzek in Finnland in allen vier WM-Entscheidungen Gold, wurde mit dem historischen Coup zum Rekordweltmeister und später zum Sportler des Jahres. Lahti bleibt für immer in Rydzeks Herz.

Für ihn wie auch für den olympischen Fahnenträger Eric Frenzel, der ebenfalls mit zweimal Gold aus Fernost zurückkehrte, ist im Gegensatz zu Wellinger der ganz große Druck raus. Im Gesamtweltcup geht für beide nichts mehr Richtung Platz eins, die noch fünf (!) Weltcup-Stationen, besonders die Heimrennen in Klingenthal und Schonach Ende März, können die „Dominierer“ so richtig genießen.